Hohe Durchfallquote bei Fahrprüfungen

Bergkamener Fahrlehrer hält „Druckbetankung“ für wenig sinnvoll

+
Fahrlehrer und Inhaber der gleichnamigen Fahrschule: Jürgen Knuf.
  • schließen

Die Zahl der Führerscheinprüfungen steigt. Laut Technischem Überwachungsverein (Tüv) war sie im vergangenen Jahr so hoch wie nie zuvor. Allerdings erhält nicht jeder, der sich der Prüfung stellt, anschließend (sofort) den ersehnten Schein. Allein 2022 haben 39 Prozent die Theorieprüfung nicht bestanden. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als zehn Jahre zuvor. Für die Prüforganisationen liegt einer der Gründe im zunehmend dichten Straßenverkehr.

Bergkamen - Leichter ist es für Führerscheinneulinge in den vergangenen Jahrzehnten auf jeden Fall nicht geworden. Anfänger müssen heutzutage bereit sein, bis zu 35 Fahrstunden in die praktische Ausbildung zu investieren. Und auch die Theorie fordert die Neulinge heraus. Über 1000 Fragen gilt es zu büffeln. „Wir bieten effektive Lernprogramme“, macht Fahrlehrer Jürgen Knuf von der gleichnamigen Fahrschule in Bergkamen die Unterstützung deutlich. Lernen müssen die Schüler aber schon. Dass im Schnitt vier von zehn Fahrschülern im vergangenen Jahr bundesweit bei der theoretischen Prüfung durchgefallen sind, sei natürlich nicht im Sinne der Fahrschulen, macht Knuf deutlich. Dennoch: Der Fragenkatalog ist amtlich, die Fragen liegen den Fahrschülern eins zu eins vor. So ein Entgegenkommen gebe es in anderen Prüfungen nicht.

Sind die Schüler mindestens zu 80 Prozent bei der Beantwortung erfolgreich, kann eine Prüfungsanmeldung erfolgen. Der Prüfling muss die verbleibende Zeit aber weiter fürs Lernen nutzen. Wer sich das spart, falle sehr wahrscheinlich durch. Wenig abgewinnen kann Jürgen Knuf der Vorgehensweise, sich das theoretische Wissen kurzfristig als „Druckbetankung“ anzueignen. „Das wird dann genauso schnell wieder vergessen“, so seine Erfahrung, und dann fehle das Wissen für alltägliche Situationen im Straßenverkehr.

Viele Schüler haben keinen Bezug zum Straßenverkehr

Hohen Anforderungen seien Fahrschüler auch bei der praktischen Prüfung ausgesetzt. Dazu gehöre der Umgang mit Assistenzsystemen, so Knuf. Erschwerend komme in der heutigen Zeit hinzu, dass viele Fahranfänger keinen Bezug zum Straßenverkehr hätten. Verkehrsregeln und Straßenschildern seien vielen jungen Menschen unbekannt, obwohl sie die nicht erst beim Führerschein-Erwerb verstehen sollten.

Manchmal müssen sich also nicht nur die Fahrschüler, sondern auch deren Eltern fragen, was im Vorfeld schiefgelaufen ist.

Kommentare