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Hohe Zinsen und Hauspreise: Banken aus Hamm wollen das ändern

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Banken: Hauspreise in Hamm sinken etwas
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2022 stiegen Zinsen, Durchschnittspreise für Grundstücke und Wohnungen. Auch Häuser blieben teuer. Das wollen Banken in Hamm nun ändern.

Hamm – So wenig Immobilienverkäufe wie 2022 gab es in Hamm schon lange nicht mehr. Vor wenigen Tagen hat der Gutachterausschuss den aktuellen Grundstücksmarktbericht veröffentlicht. 1292 bebaute und unbebaute Grundstücke wechselten den Besitzer. Weniger waren es seit 2007 in keinem Jahr.

Gleichzeitig stiegen die Durchschnittspreise weiter. Egal, ob für unbebaute Grundstücke, Wohnungen oder Häuser: In allen Segmenten mussten Käufer tiefer in die Tasche greifen als in den Vorjahren. Die durchschnittlichen Preise stiegen um mindestens 9,5 Prozent verglichen mit 2021. Diese Entwicklung hält in Hamm etwa seit 2016 an – damals hatte die Europäische Zentralbank den Leitzins auf 0 Prozent gesenkt. In der Folge stiegen Immobilienpreise allerorten stark, in einigen Straßenzügen in Hamm haben sie sich mehr als verdoppelt.

Der Bericht

Der Gutachterausschuss erstellt jedes Jahr den Grundstücksmarktbericht, der für Transparenz sorgen soll. Notare und andere Stellen sind laut Baugesetzbuch verpflichtet, dem Ausschuss beurkundete Kaufverträge zu übersenden. Diese werden anonymisiert und ausgewertet, um zu zeigen, in welchem Segment sich die Grundstückspreise wie entwickelt haben. 

Doch mit diesen starken Steigerungen scheint nun Schluss zu sein. Sparkasse und Volksbank finanzieren einen großen Teil der Immobilienkäufe in Hamm. Beide Geldinstitute erklären auf Nachfrage, dass die Kaufpreise sich aktuell normalisierten. Laut Sparkasse fielen sie auf ein gesundes, sachgerechtes Maß: „Das bedeutet, dass es an dieser Stelle zu moderaten Preisanpassungen gekommen ist und Immobilien aktuell wieder zum errechneten Marktwert angeboten werden.“

Sinkende Nachfrage durch hohe Zinsen

Die Volksbank berichtet, dass die Nachfrage gesunken ist und die Preise sich in einem Nivellierungsprozess befänden. Besonders deutlich merke man das bei Kapitalanlagen. Der Grund für die sinkende Nachfrage liegt auf der Hand – die Zinsen sind deutlich gestiegen. Aktuell liegen Bauzinsen bei der Sparkasse knapp unter 4 Prozent bei zehnjähriger Laufzeit. Vor einem Jahr lagen sie noch bei 1 Prozent.

Das wirkt sich deutlich aus. Der Durchschnittspreis für Ein- und Zweifamilienhäuser lag laut Grundstücksmarktbericht 2022 bei 306 000 Euro. Fällt dafür ein Zinssatz von 4 statt 1 Prozent an, zahlt der Käufer (bei Finanzierung des kompletten Kaufpreises und ohne Tilgung) monatlich etwa 750 Euro mehr. Entsprechend berichten sowohl Sparkasse als auch Volksbank, dass die Kunden vermehrt abwarten – und dass sich die, die ein Haus kaufen, oftmals weniger leisten könnten als zuvor. Unwägbarkeiten wie gestiegene Materialkosten, höhere Zinsen und die allgemeine Unsicherheit in Folge der Energiekrise und des Ukraine-Kriegs tragen zu der abwartenden Haltung bei.

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Mehr unbebaute Grundstücke verkauft

Wie stark die Hauspreise sinken, wird erst der Grundstücksmarktbericht des kommenden Jahres zeigen. Der Bericht für das zurückliegende Jahr weist aus, dass für die 1292 Immobilien in Hamm 2022 insgesamt 437,34 Millionen Euro gezahlt wurden. Etwas mehr als die Hälfte der Immobilienverkäufe – 736 Verkäufe – entfiel auf Grundstücke, die mit Ein- und Zweifamilienhäusern bebaut sind. Der durchschnittliche Preis dafür war gegenüber 2021 um 12,5 Prozent gestiegen.

Außerdem wurden 168 unbebaute Grundstücke verkauft, mehr als in den Vorjahren. Der durchschnittliche Preis lag einschließlich Erschließungskosten bei 257 Euro pro Quadratmeter. Das sind knapp 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Am geringsten fiel der Preisanstieg bei Eigentumswohnungen aus, er betrug 9,5 Prozent. Der Durchschnittspreis lag bei 2002 Euro pro Quadratmeter.

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