VonMartin von Braunschweigschließen
Im Prozess um die tödliche Messerattacke an der Hochschule Hamm-Lippstadt haben der Beschuldigte und die ersten Zeugen ausgesagt. Deutlich wurde dabei vor allem eins: Der 34-jährige Ex-Student der HSHL leidet an einer verfestigten Wahn-Erkrankung, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint.
Hamm/Dortmund - Als der Beschuldigte am Mittwoch das Wort ergriff, war es völlig still im großen Saal 130 des Dortmunder Landgerichts. „Dass ich das mit dem Messer war, ist ja wohl unbestritten“, begann der 34-Jährige seinen Vortrag mit leiser, brüchiger Stimme. Dann sagte er: „Es tut mir sehr Leid.“ (Hier klicken für unsere Artikel zum Thema.)
Erst im Sommer war der Student aus seinem Hammer Wohnheimzimmer ausgezogen und zu seinen Eltern nach Telgte zurückgekehrt. Er habe es in Hamm nicht mehr ausgehalten, erklärte er den Richtern. „Ich hatte das Gefühl, dass ich abgehört und sogar heimlich gefilmt werde. Immer wieder habe ich ein Knistern gehört, aber wenn ich nachgeguckt habe, war da nichts.“
Für den 34-Jährigen stand damals fest, dass ein wie auch immer gearteter Clan hinter den Ausspähversuchen steckte. Dieser Clan habe vorgehabt, ihn umzubringen, sagte er am Mittwoch. Und: „Ich war sicher, dass meine Familie und alle an der Uni von der Sache wussten und nichts dagegen gemacht haben.“
„Und bei einer Frau hat es ja auch geklappt...“
Nach einem Suizidversuch mit Medikamenten kam der junge Mann wenige Tage vor der Amoktat in eine psychiatrische Klinik. Dort wollte er allerdings nicht bleiben, weil er „dort den Glauben an die Welt verloren“ habe. Denn auch das Personal und Besucher hätten ihm nach dem Leben getrachtet. Schließlich entließ sich der 34-Jährige sozusagen selbst nach Hause, lief stattdessen aber in die Stadt, kaufte sich zwei Messer und fuhr dann zur Hochschule.
„Ich wollte mich rächen“, sagte der Beschuldigte den Richtern. Er habe deshalb versucht, mehrere Menschen zu erstechen. „Und bei einer Frau hat es ja auch geklappt.“
Dramatische Szenen im Foyer: Augenzeugin erzählt
Was für dramatische Szenen sich in dem Foyer der Hochschule abspielten, als der Beschuldigte plötzlich mit zwei Messern in der Hand auftauchte, kann er selbst heute nicht mehr erfassen. Wohl aber die Menschen, die damals selbst verletzt wurden. „Ich sollte um 17 Uhr eine Präsentation halten, war aber schon zwei Stunden früher da, um meine Unterlagen noch einmal durchzusehen“, erinnerte sich eine 23-jährige Studentin vor dem Schwurgericht.
Der Beschuldigte habe sich ihr von hinten genähert und sie mit einem Messer attackiert. Zunächst habe sie aber gar nicht gemerkt, dass sie getroffen worden war. Erst als ein Mann, der ihr gegenüber saß, und eine weitere Frau attackiert worden waren, habe sie den Erst der Lage erkannt. „Ich bin dann nach draußen gerannt und habe auf Hilfe gewartet.“
„Glauben Sie heute noch, dass dieser Clan existiert?“
Den Beschuldigten sah sie dann nur noch einmal wieder. Als er von zwei Polizisten aus der Uni geführt wurde. „Man hat mich überwältigt, was sehr mutig war“, sagte der 34-Jährige dazu. „Ich habe höchsten Respekt davor.“
Zum Schluss wollte die Staatsanwältin nur noch eines wissen. „Glauben Sie heute noch, dass dieser Clan existiert?“ Der 34-Jährige nickte stumm und sagte dann: „Auf jeden Fall.“

