Bundestagswahl

Ideen zum Klimaschutz? Bundestagskandidaten antworten

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„Klimaschutz“ steht auf einem gefällten Baum im Wald.
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Klimaschutz gehört zu den großen Aufgaben der Zukunft. Welche Lösungen haben die Bundestagswahlkandidaten?

Lüdenscheid - Wie sind die politischen Positionen der Direktkandidaten für die Bundestagswahl im heimischen Wahlkreis 148 (Märkischer Kreis I/Olpe) zu den sechs Themenkomplexen Wirtschaft, Umwelt/Klima, Infrastruktur, kommunale Haushalte, Bürgergeld/Mindestlohn und Migration? Die Redaktion hat nachgefragt bei Florian Müller (CDU), Nezahat Baradari (SPD), Matthias Koch (Grüne), Johannes Vogel (FDP), Horst Karpinsky (AfD), Otto Ersching (Linke), Axel Turck (Stimme für Volksentscheide) und Marion Linde (Freie Wähler). In der zweiten von sechs Folgen geht es um den Themenbereich Umwelt und Klima.

Das Starkregenereignis im Juli 2021 hat auch die Region stark getroffen. Welche Priorität hat für Sie der Umwelt- und Klimaschutz? Welche Maßnahmen können der Region helfen?
Florian Müller (CDU): Unsere Region muss besser vor Wetterextremen geschützt werden, ohne dass die wirtschaftliche Entwicklung darunter leidet. Dafür setzen wir auf natürlichen Hochwasserschutz durch renaturierte Flüsse, den Erhalt von Überschwemmungsgebieten und mehr Grünflächen in Städten, die Wasser speichern. Auch eine nachhaltige Waldwirtschaft ist wichtig, denn gesunde Wälder schützen Klima und Trinkwasser. Beim Klimaschutz setzen wir auf Fortschritt statt Verbote. Denn Klimaschutz muss die Wirtschaft stärken, nicht schwächen.
Nezahat Baradari (SPD): Der Klimaschutz hat für die SPD höchste Priorität, da die Folgen der Klimakrise auch in Südwestfalen spürbar sind. Wir kämpfen für eine Energiewende, die soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit vereint. Bis 2030 soll 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Allein seit der letzten Bundestagswahl ist der Anteil an erneuerbaren Energien um 14,5 Prozentpunkte auf 56 Prozent gestiegen. Dafür treiben wir den Ausbau von Wind- und Solarenergie massiv voran. Um Extremwetterereignisse wie das Starkregenereignis von 2021 abzufedern, investieren wir in Hochwasserschutz und die Renaturierung von Flüssen. Mit dem Klimaclub, einer internationalen Allianz für CO₂-Standards, sichern wir Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität der Industrie. Klimaschutz ist eine Investition in die Zukunft der Region. Dabei achten wir darauf, dass die Kosten für Bürger und Unternehmen tragbar bleiben. Ziel ist es, Südwestfalen nicht nur krisenfest, sondern auch zukunftsfähig zu machen und eine nachhaltige Wirtschaft zu fördern, die den Klimawandel aktiv bekämpft.
Matthias Koch (Grüne): Nicht nur das Starkregenereignis, auch die Borkenkäferkalamität sind Folgen des Klimawandels und haben unsere Region hart getroffen. Die Grünen erkennen, dass wir bei jeder Entscheidung auch die Auswirkungen auf Klimaschutz und die Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen haben. Ich sehe dies als eine der wichtigsten Aufgaben für die nächsten Jahre und Jahrzehnte an. Es geht darum, uns und unsere Infrastruktur gegen Extremwetterereignisse wie Hitze, Dürren oder Überschwemmungen zu wappnen und das Fortschreiten des Klimawandels zu stoppen. Wir Grüne haben bereits ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Bund, Länder und Kommunen verpflichtet, Maßnahmen zur Klimafolgen-Anpassung zu ergreifen. Wir wollen, dass der Bund mehr Geld bereitstellen soll, um die Länder und Kommunen bei der Anpassung zu entlasten und zu unterstützen. Konkret bedeutet dies zum Beispiel: Investitionen in Überschwemmungsräume wie Auenwälder oder Erlenbrüche. Starkregenmanagement und -vorsorge der Kommunen fördern. Starkregen- und Überschwemmungswarnsysteme verbessern. Bodenentsiegelung, Wiedervernässung von Mooren, Schaffung von Frischluftschneisen, Erhalt und Ausbau des Stadtgrüns.
Horst Karpinsksy (AfD): Im Märkischen Kreis gibt es eine Warnkarte mit möglichen Schadensvorkommnissen. Wo und wann es zu einem Hochwasser kommen könnte, ist dort aufgelistet. Ein Frühwarnsystem, das schon vorhanden ist, ist also dringend erforderlich. Ebenso benötigen wir genug Ausgleichsflächen (Polter), um die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu minimieren. Eventuell macht es Sinn, weitere Regenrückhaltebecken zu bauen. Dieses sollte von Fachleuten überprüft werden.
Johannes Vogel (FDP): Der Klimaschutz ist eine zentrale Menschheitsaufgabe dieses Jahrhunderts. Anstelle vieler teurer Einzelmaßnahmen, die die wirtschaftliche Tragbarkeit und soziale wie internationale Akzeptanz für den Klimaschutz gefährden, ist ein Emissions-Zertifikatehandel mit dichtem CO2-Deckel das wirksamste Instrument. Einnahmen daraus sollten durch eine Klimadividende an die Menschen zurückfließen. Vor Ort brauchen wir zudem wirksame Klimaanpassungsmaßnahmen, um zum Beispiel auf zunehmende Extremwetter, wie Überflutungen, hinreichend vorbereitet zu sein.
Otto Ersching (Linke): Die Folgen Klimawandels sind auch in Deutschland spürbar: Flutkatastrophen, vermehrte Dürreperioden, Wassermangel und das Waldsterben werden unseren Alltag nachhaltig beeinflussen. Eine Erhöhung der Emissionen führt zu weiteren Klimaschäden. Es ist von größter Bedeutung, schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umzusteigen und die Energiekonzerne in öffentliche Hand zu überführen. Zukünftige Generationen sollen eine lebenswerte Umwelt vorfinden. Das ist unsere Verantwortung. Die Sektorziele müssen wieder etabliert werden. Der Klimaschutz ist auch eine soziale Aufgabe. Deshalb kann ein CO2-Preis nur in Verbindung mit einem sozialen Ausgleich (Klimageld in Höhe von zunächst 320 Euro) funktionieren. Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen sind Gemeinschaftsaufgaben. Für die Region bedeutet dies, dass Überschwemmungsgebiete kartiert und neue Überschwemmungsflächen geschaffen werden. In den Innenstädten sind Grünflächen sowie begrünte Fassaden notwendig, um Kühlungseffekte zu erzielen und Hitzeinseln zu eliminieren. Außerdem muss die Versiegelung von Flächen überprüft und nicht notwendige Flächen müssen entsiegelt und begrünt werden.
Axel Turck (Stimme für Volksentscheide): Talsperren, die den Stadtwerken gehören, und heute primär der Geldeinnahme durch den Verlauf von Trinkwasser dienen, müssen wieder zum Hochwasserschutz eingebunden werden. Das Hochwasser in der Rahmede und Volme wurde durch hohen Überlauf der Talsperren unnötig erhöht. 2. Als selbst Betroffener und stark Geschädigter in Augustenthal habe ich an mehreren „Hochwassergipfeln“ teilgenommen und bereits mehrere Vorschläge zur Nette (Stichtunnel Lenne Schwarzenstein), Rahmede, dem Schlittenbach (Anschüttungen entfernen) und der Verse unterbreitet. 3. In Lüdenscheid muss eine Teil-Entsiegelung der Flächen Rathausplatz, Fußgängerzone und eine Teil-Entsiegelung des Rosengartens erfolgen. Es muss über ein Verbot des bereits einmal verschimmelten Neubaus des Kindergartens am Lenneteich auf dem Quellgebiet des Oberlaufs der Rahmede nachgedacht werden. 4. Durch den Rückbau sämtlicher Brückenentwässerungen der A45, um nicht diese gewaltigen Wassermassen auch noch verrohrt einzuleiten und das Hochwasser in den Flüssen zu befeuern. 5. Die Aufforstung als Mischwald ist wünschenswert, weniger Fichtenplantagen aufbauen.
Marion Linde (Freie Wähler): Maßnahmen zur Klimaanpassung sind fachübergreifende Querschnittsaufgaben, in der alle Akteursgruppen mit eingebunden werden müssen, sprich jeder, der in der Region lebt. Wichtig ist es, dass man agiert. Es müssen die Gefahrenszenarien erkannt, benannt und Gefahrenabwehr geübt werden. Flächendeckende Einführung eines Hochwasser- und Starkregenfrühwarnsystems. Ein Starkregenfrühwarnsystem ist ein wichtiges Werkzeug, um Menschenleben und Sachwerte zu schützen. Ein modernes, KI-basiertes Monitoringsystem, das durch Niederschlagssensoren, Kanalwächter und Pegelmessungen Gefahrenlagen erkennt. Dieses System bietet einen entscheidenden Vorteil gegenüber den alten Warnungen des Deutschen Wetterdienstes, da es weitaus präzisere und lokale Warnungen ermöglicht. Ein solches Frühwarnsystem ist längst überfällig. Die Starkregenereignisse der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig zu warnen, bevor Schäden entstehen.

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