Viele Lkw-Fahrer hätten wohl auf den verschneiten Donnerstag verzichten können. Manche landeten im Graben, andere kamen keinen Meter mehr voran. Einer von ihnen: Klaus Böttcher.
Kreis Soest – Für viele Lkw-Fahrer dürfte der zurückliegende Donnerstag zu den herausforderndsten Tagen ihrer Brummi-Karriere zählen: Stundenlang hatten starke Schneefälle die Straßen im Kreis Soest in eisige Pisten verwandelt. Zwar waren die Winterdienste im Dauereinsatz, doch kamen sie mit der Arbeit schlichtweg nicht hinterher. Mancherorts kamen die Räumfahrzeuge wegen liegengebliebener Fahrzeuge selbst nicht mehr weiter.
Eine Nacht im Schnee gefangen – Das eisige Schicksal eines entspannten Truckers
Auch Klaus Böttcher aus Wermelskirchen musste am frühen Donnerstagabend erkennen, dass er ein Problem hatte: Er hatte gerade beim Kunden, der Firma Mester im Gewerbegebiet Kalkofen in Allagen, abgeliefert und nahm Kurs auf die nächste Station in Hamm, wo die Ladefläche seines 40-Tonners wieder gefüllt werden sollte. Doch auf der Kreisstraße zwischen Warstein-Westendorf und Möhnesee-Brüllingsen war die Tour beendet. Die K28 war komplett zugeschneit. Der Lkw rutschte gefährlich nah an den Straßengraben. Zudem kam ihm ein anderer 40-Tonner entgegen, der mit den gleichen Problemen kämpfte. „Es ging nichts mehr vor oder zurück. Es ist schon irre, was so ein bisschen Gefälle ausmachen kann“, berichtete der Trucker.
Böttcher rief seinen Chef an: „Der sagte, ich soll nicht weiterfahren. Nicht, dass der Lkw sich querstellt oder 100.000 Euro im Graben landen. Aus, Ende“, berichtete er im Anzeiger-Gespräch gegen 21 Uhr am Donnerstagabend. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 56-Jährige es sich in seiner beheizten Kabine schon gemütlich gemacht und die Füße hochgelegt. Er nahm sein Schicksal tiefenentspannt hin: „Es sind zwar nur 150 Meter bis zur Kreuzung, aber was willst du machen. Da kann ja keiner was für. Der Streuwagen war schon hier, aber die kommen auch nicht überall durch.“ Die Zeit habe er sich unter anderem mit dem Stream des Live-Gesprächs von Elon Musk und Alice Weidel vertrieben.
Lkw-Fahrer verbringen Nacht auf verschneiter Straße – immer für den Notfall vorbereitet
Böttcher ist schon seit einigen Jahrzehnten als Trucker auf der Straße unterwegs: „Aber sowas wie hier erlebe ich in 35 Jahren zum ersten Mal.“ „Für den Notfall“ habe Böttcher immer ein kleines Notfallgepäck dabei. Solch ein Notfall war der vergangene Donnerstagabend: „Ich hab noch ein bisschen was zu Essen, die Heizung läuft, Bettzeug habe ich auch dabei.“ Das einzig wirkliche Problem: „Ich habe zwar eine Kaffeemaschine, aber die Pads sind alle.“ Immerhin hatte seine Frau ihm am Morgen Schnittchen für die Tagestour geschmiert. Der Vorrat neigte sich am Abend zwar dem Ende zu, aber: „Nach einem Tag verhungert ja keiner.“
Schnee und Glätteunfälle im Kreis Soest – Feuerwehr und Polizei im Einsatz
Begeistert war Klaus Böttcher über seine „Nachbarschaft für eine Nacht“: Eine Bäuerin und weitere Menschen von den Haarhöfen hatten sich nach seinem Wohlbefinden erkundigt. „Die Bauern hier waren top.“ Abschließend resümierte der im Eis und Schnee Gestrandete: „Hauptsache ist doch, dass niemand gefährdet wird. Ich gehe jetzt schlafen.“ Am Freitagmorgen um 5 Uhr sollte die Tour Richtung Hamm dann weitergehen.