VonJohannes Opfermannschließen
Durch die Inflation und steigende Kosten für Sprit und Versicherung wird auch der Führerschein teurer. Doch auch das Fahrvermögen und der Lerneifer spielen laut Fahrlehrern eine Rolle dabei, wieviel Fahrschüler am Ende zahlen müssen.
Altena – Steigende Kosten sorgen dafür, dass der Führerschein für Fahranfänger immer teurer wird. Trotzdem sei es auf dem Land immer noch preiswerter als in der Großstadt, berichten Fahrschulen.
Der ADAC hatte im November 2023 eine Umfrage veröffentlicht, für die 1100 Personen zwischen 17 und 25 Jahren befragt wurden, die ihren Führerschein seit maximal vier Jahren besitzen. „Je frischer der Führerschein, desto teurer ist er“, heißt es in der Umfrage. Fast die Hälfte (48 Prozent) derjenigen, die vor drei bis vier Jahren ihre Prüfung abgelegt haben, blieben unter 2500 Euro. Inzwischen müssen Fahrschülerinnen und Fahrschüler tiefer in die Tasche greifen, um den Führerschein mit allem drum und dran zu bezahlen – also Fahrschulstunden, Antrags- und Prüfungsgebühren sowie Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs und Passbilder.
Wer den Führerschein seit sechs oder weniger Monaten besitzt, so die Umfrage von November 2023, zahlte meistens 2500 bis 3500 Euro. Das war bei 46 Prozent der Fall. 22 Prozent berichteten in der Umfrage sogar von Gesamtkosten von 3500 bis 4500 Euro. Die Gründe für die Preissteigerungen liegen mit steigenden Fahrzeug-, Sprit- und Personalkosten infolge der Inflation quasi auf der Hand. Das bestätigen auch die Fahrschulen vor Ort.
„Es ist alles teurer geworden, auch bei mir musste ich die Preise anheben, aber ich habe sie noch nicht extrem hochgesetzt“, berichtet Patrick Persicke, Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule Persicke in Altena. „Die Spritpreise sind ein großer Kostenpunkt. Und auch wenn ich Lernmaterial teuer einkaufe, muss ich das leider an die Schüler weitergeben“, erklärt Persicke.
„Der Führerschein war schon immer teuer“, betont Detlef David, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule an der Rahmedestraße. Das habe man sich aber nicht so bewusst gemacht, weil andere Dinge eben preiswerter waren. Inzwischen seien aber eben die Fahrzeuge selbst, Versicherungen teurer als noch vor einigen Jahren, aber das gelte genauso für die Preise im Discounter.
Preis hängt auch vom Fahrvermögen ab
Wie teuer ein Führerschein letztlich wird, hängt auch davon ab, wie viele Fahrstunden die Fahrschüler benötigen. „Wenn man ein bisschen fahren kann, kann man auch unter 2000 Euro bleiben“, weiß Persicke. „Meistens muss man von Kosten zwischen 2000 und 3000 Euro ausgehen.“
Dass es, insbesondere in Großstädten auch mal 3500 Euro und mehr sein können, die für die Führerscheinausbildung bezahlt werden müssen, weiß Persicke. Doch trotz der gestiegenen Preise auch im Lennetal ist man von solch einem Preisniveau noch entfernt. „Auf dem Land kriegt man es noch meistens unter 3000 Euro hin“, sagt Persicke.
Auch Detlef David berichtet, dass Fahrschüler in der Regel zwischen 2500 und 3000 Euro einplanen müssten, es aber letztlich vom Fahrvermögen der Fahrschüler abhänge.
Die heraufgesetzte Prüfungsdauer – von 45 auf 55 Minuten bei der Klasse B, bei der Motorradklasse A1, um ein weiteres Beispiel zu nennen, sogar auf 70 Minuten – macht auch eine intensivere Vorbereitung, also mehr Fahrstunden erforderlich. Es sei wichtig, dass die Fahrschüler stabil seien, bevor sie in die Prüfung gehen, sagt David: „Da können 10 Minuten mehr in der Prüfung schon ausschlaggebend sein.“
Ein so teurer Führerschein ist für viele junge Menschen nicht so leicht zu finanzieren. Doch die Führerscheinsumme ratenweise abzubezahlen sei leider nicht möglich, bedauert Persicke. „Ich habe das früher gemacht, aber finanziell kriege ich das nicht mehr hin.“ Der umgekehrte Weg sei aber möglich. Die Fahrschüler könnten im Voraus ratenweise eine Summe ansparen, von der dann die Fahrstunden abbezahlt werden. Als kleine Fahrschule könne man sich finanziell nicht leisten, so eine Ratenzahlung anzubieten, sagt auch David. „Da läuft man dann dem Geld hinterher“, sagt er, verweist aber auf eine mögliche Finanzierung über Banken.
Theorie ist eine reine Lernsache
Ein Kostentreiber ist auch die hohe Durchfallquote der Fahrprüflinge. „Etwa 40 bis 50 Prozent schaffen die Theorieprüfung nicht, das ist schon heftig“, sagt Persicke. Eine Lösung oder einen Erklärungsansatz dafür hat er allerdings nicht parat. Prüfungsangst könne eine Rolle spielen und möglicherweise auch die Prüfungssituation selbst, denn das ständige Klicken der Mäuse mache – so haben es einige seiner Fahrschüler berichtet – den einen oder anderen nervös. Die Menge des Prüfungsstoffs spiele auch eine Rolle. „Es sind viel mehr Fragen als früher, 1300 bis 1400, und es kommen immer noch neue hinzu“, sagt Persicke. Dass Fragen auch in unterschiedlichen Varianten vorkämen, mache es nicht so leicht, die Antworten auswendig zu lernen. Trotzdem: „Wenn man fleißig ist, ist es eigentlich nur auswendig lernen.“
Deutlich besser sieht es dagegen bei den praktischen Fahrprüfungen aus. „Hier ist es eher häufiger, dass die Leute beim ersten Mal bestehen.“ An einem Prüfungstag mit neun Prüflingen würden in der Regel ein bis zwei durchfallen, der Rest aber bestehen, so Persicke.
In der praktischen Prüfung hat Detlef David ebenfalls keine hohe Durchfallquote bei seinen Fahrschülern und auch in der Theorie sei sie nicht so hoch. „Bei mir ist sie sogar relativ niedrig, weil ich viel darauf achte, wie die Fahrschüler in die Prüfung gehen“, sagt er. Da heutzutage über eine App gelernt wird, ließe sich der Leistungsstand auch nachvollziehen. „Die Theorie ist eine reine Lernsache.“ Aber genau da liegt bei den heutigen Fahrschülern auch das Problem. „Bei vielen Auszubildenden hat der Führerschein nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher“, meint David. „Früher wurde intensiv gelernt, heute muss man da wirklich hinterher sein, dass sie intensiv lernen.“

