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Reifenhandel schließt nach über 60 Jahren: „Einer allein kann das nicht bewältigen“

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Weiter gehts als Angestellter: Frank Iber schließt seinen Reifenhandel am Westberger Weg.
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Über 60 Jahre ist der Reifenhandel im Hammer Norden eine feste Größe. Doch jetzt ist Schluss. Der Chef hatte mit einem großen Problem zu kämpfen.

Hamm-Norden - Wer mit Frank Iber über das Aus für sein Geschäft „Franks Reifenhandel“ spricht, merkt sofort, wie schwer ihm dieser Schritt fällt. Schon seit fast 40 Jahren arbeitet Iber in dem Betrieb, die letzten Jahre als Inhaber. Am Dienstag, 1. April, hat er erstmals in seinem Berufsleben einen anderen Weg zur Arbeit vor sich. Dieser Freitag ist für Iber der letzte Arbeitstag als Selbstständiger, ab dem 1. April ist der 56-jährige Angestellter.

Dann fällt ein großer Druck von ihm ab: Iber musste seinen Reifenhandel in den vergangenen zehn Wochen komplett allein führen. Er habe trotz aller Bemühungen niemanden gefunden, der bei ihm arbeiten wollte, gibt er als Grund für seine Geschäftsaufgabe an.

Reifenhandel schließt nach über 60 Jahren – „Einer allein kann das nicht bewältigen“

Er habe in den vergangenen Wochen alles selbst machen müssen, erklärt er. „Ich musste Telefonanrufe entgegennehmen, die Reifen montieren und teilweise reparieren und die Kunden beraten“, zählt er auf. „Die Kunden haben auch ein Recht darauf, beim Kauf von Reifen vernünftig beraten zu werden.“

Das alles sei ihm in den vergangenen Wochen über den Kopf gewachsen, sagt Iber. „Einer allein kann das gar nicht alles bewältigen“, meint der Firmeninhaber – zumal die meisten ihre Sommerreifen erst in den kommenden Wochen montieren lassen. Er habe sich deshalb schweren Herzens dazu entschlossen, seinen Betrieb zu schließen und ab jetzt als angestellter Reifenfachmann zu arbeiten. Das war er auch schon vorher für rund 30 Jahre – in dem Betrieb, den er später übernommen hat.

Seit der Schule bei „Reifen Trabant“

Gleich nach der Schule begann Frank Iber im Jahr 1986 bei „Reifen Trabant“ und wurde dort 1995 Vulkanisiermeister. Nach einer längeren Krankheitspause stieg er wieder ein und übernahm das Unternehmen, in dem er über 30 Jahre gearbeitet hatte, im Jahr 2021 von der Familie Trabant. Aus Reifen Trabant wurde „Franks Reifenhandel“. Reifen Trabant blickte bis dahin auf 60 Jahre zurück.

Damals hatte er befürchtet, dass er mit über 50 keinen anderen Job mehr findet. Knapp vier Jahre später und entsprechend älter hat sich herausgestellt, dass das nicht stimmt: Über einen Bekannten, der dort arbeitet, knüpfte er Kontakte zu „Reifen Wrede“, die Iber in ihrer Filiale an der Königgrätzer Straße im Hammer Westen einstellten, fast direkt an der Ecke zur Wilhelmstraße.

Übergangslos in den nächsten Job

Dort beginnt sein neues Arbeitsleben übergangslos. Am Freitag ist der letzte Tag von „Franks Reifenhandel“. Den Montag, 31. März, benötigt er, um noch die letzten Dinge auf seinem bisherigen Betriebsgelände abzuwickeln. Ab Dienstag arbeitet er bei „Reifen Wrede“.

Was aus dem Firmengelände wird, weiß er nicht. Er habe es nur gemietet. Die Pläne des Eigentümers kenne er nicht.

Sein neuer Arbeitgeber wird vermutlich von ihm profitieren, nicht nur, weil er einen Fachmann gefunden hat. Iber bringt auch einen Teil seiner Kunden mit. Viele hätten schon gefragt, ob er sie nicht weiter betreuen könne. Einige sieht er sogar mit Sicherheit wieder, wie der Reifen-Fachmann berichtet. „Die haben jetzt schon einen Termin bei mir gebucht.“

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