- VonFrank Osiewaczschließen
Tafel, Aidshilfe und ASB sollen unter einem Dach ihre Leistungen anbieten. Jetzt stellten die Architekten ihre Planung vor. Die Entwürfe entstanden in „Rekordtempo“.
Hamm – Auf dem Weg zu einem neuen „Trägerhaus“, in dem Hammer Tafel, Aidshilfe und Arbeiter-Samariter-Bund neue Räumlichkeiten erhalten, sind die nächsten Schritte gegangen. Die Stadt und das beauftragte Büro Abdelkader Architekten (Münster) stellten im Beisein von Trägervertretern am Freitag die Planungsentwürfe für den Neubau an der Kleinen Alleestraße 4 vor. Nun will sich die Stadt um EU-, Bundes- und Landesmittel bewerben, um das Projekt umzusetzen.
Das neue Trägerhaus soll den Trägern und ihrem Klientel künftig einen „würdigen Rahmen“ (OB Marc Herter) bieten, Raumnot beenden und Synergieeffekte nutzen. Städtebaulich werde der neue Komplex ein Zeichen setzen und mit prägend für die Stadtentwicklung sein, sagte Barbara Conrad vom Stadtplanungsamt. Bis 2020 hatte hier das ehemalige Eisenbahnerwohnheim gestanden, das über die Stadtentwicklungsgesellschaft erworben und abgerissen worden war. Die Stadt hatte also Zugriff auf eine eigene Fläche. Ein entscheidender Vorteil, wie Stadtbaurat Andreas Mentz betonte.
Der neue Komplex soll nach heutiger Einschätzung rund 11 Millionen Euro kosten. Förderfähig wären davon im Idealfall zwischen 80 und 87 Prozent. „Ein solches Volumen ist bei einer nicht gewerblichen Nutzung nur mit einer Förderung machbar“, so Mentz.
Damit der entsprechende Förderantrag gestellt werden kann, soll das Bauprojekt in der anstehenden Ratssitzung formal in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) „Perspektive Innenstadt 2030“ aufgenommen werden. Fristgerecht bis Oktober sollen die Förderanträge gestellt werden. Mit einem Bescheid sei dann im späten Frühjahr zu rechnen, so der Stadtbaurat. Ein positives Ergebnis vorausgesetzt, würden Baubeschluss, Baugenehmigung und schließlich der Spatenstich folgen.
Kontaktcafé soll Gesicht des Hauses werden
Mentz und alle an der Abstimmung beteiligten Parteien lobten das hohe Tempo und die Effizienz in Planung und Abstimmung seit der Vergabe in diesem Frühjahr. „Das ist rekordverdächtig“, sagte der Stadtbaurat.
Das Büro Abdelkader Architekten hat nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit einen zweiteiligen, vierstöckigen Gebäudekomplex entworfen, der den Belangen von Trägern und Klientel gerecht wird. Ein Kontaktcafé zum Schwarzen Weg hin soll das „Gesicht des Hauses“ werden. Mehrere Eingänge für die verschiedenen Träger sorgen für Diskretion. Die Grundrisse sind frei bespielbar und könnten bei Nutzungsänderungen angepasst werden.
Äußerlich wird der Sockel aus rotem, recycelten Klinker errichtet. In den oberen Etagen wird der Fensterfront eine Art Pergola als Holzständerfassade vorgelagert sein. An den Seiten soll das Haus eine Holzfassade erhalten. Die Dächer werden begrünt und mit Photovoltaik versehen. Diese soll so viel Strom erzeugen, dass das Gebäude sich selbst versorgen kann. Die Tagesstätte des ASB erhält eine Dachterrasse. Beheizt werden soll das Gebäude alternativ über Geothermie oder Wärmepumpen.
Vorausgegangen war eine lange Suche nach einem neuen Standort für die Tafel. Der bauliche Zustand der jetzigen Räume an der Friedrichstraße ist mangelhaft und wird den Bedürfnissen im Betrieb nicht mehr gerecht. Weil auch der ASB Hamm mit seinem Angebot des Kontaktcafés als offene Anlaufstelle sowie der Tagesstätte für psychisch kranke Menschen und die Aidshilfe Hamm neue Räumlichkeiten benötigten, entstand die Idee eines Trägerhauses. Für die Errichtung fasste der Rat Ende vergangenen Jahres den Grundsatzbeschluss. Aus einem Wettbewerb ging das Büro Abdelkadel als Sieger hervor.

