VonSvenja Jesseschließen
Die Inflation ist auf einem Rekordhoch und sorgt für einen ordentlichen Anstieg der Preise. Was bedeutet das für den täglichen Einkauf? Wir waren in Hamm unterwegs.
Hamm – 7,6 Prozent: So hoch war die Inflationsrate in Deutschland im Juni 2022 (2,3 im Juni 2021). Das heißt, um so viel Prozent sind die Preise seit dem Vormonat gestiegen. Das merken auch die Hammer. Besonders bei Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Fleisch und Öl müssen sie deutlich tiefer in die Taschen greifen. Während einige, das mit einem Brummen hinnehmen, müssen andere sehen, wie sie über die Runden kommen. WA.de hat sich vor den Hammer Supermärkten in Werries und Herringen umgehört.
Monika Holtmann, 49 Jahre alt, muss bei den Preisen schlucken, nimmt sie aber hin:
„111 Euro hat der Einkauf heute gekostet. Das ist schon eine ganze Menge, aber ich kaufe trotzdem noch genauso ein, wie vorher. Heute habe ich auch ein paar Vorräte gekauft und Getränke, das ist immer teurer.“
Eileen Axtmann, 24 Jahre alt, Erzieherin, merkt die Inflation besonders beim Obst:
„Ich habe heute für eine Wohngruppe eingekauft. Es ist schon alles deutlich teurer geworden. Ich zahle für unsere Einkäufe jetzt bestimmt 50 Euro mehr als vorher. Besonders beim Obst merkt man es.“
Heinz und Waltraud Weiland, 82 und 79 Jahre alt, Rentner, wollen auf Lieblingsartikel nicht verzichten:
„Hören Sie auf! Wir haben jetzt bei Edeka rund 24 Euro bezahlt. Für 12 Teile. Alles ist teurer geworden, aber wir haben nun mal unsere Lieblingsprodukte, die gibt es im Discounter nicht. Wir können es uns zum Glück auch leisten. Trotzdem zahlen wir jetzt pro Einkauf bestimmt so 20 Euro mehr als früher.“
Gerhard und Monika sind vom Ölpreis schockiert:
„Unter 100 Euro geht es gar nicht mehr. Wir haben jetzt fürs Wochenende eingekauft, 106 Euro. Das Sonnenblumenöl hat früher 1,99 gekostet, jetzt sind es schon 3,99. Das ist unmöglich, aber was will man machen.“
Ute Joussen, 72 Jahre alt, plant ihre Einkäufe mehr um Sprit zu sparen und weniger wegzuschmeißen:
„Es ist gewaltig teurer geworden. Ich kaufe für vier Personen ein, das merkt man schon. Die Biomilch ist innerhalb von einer Woche sechs Cent teurer geworden. Ich muss zum Glück nicht so aufs Geld gucken, aber ich achte trotzdem darauf. Ich gehe mittlerweile deutlich bewusster einkaufen, um nicht so viel wegzuschmeißen. Wegen der Preise, aber natürlich auch wegen der Umwelt. Seit die Spritpreise so gewaltig sind, plane ich auch das Einkaufen mehr. Ich wohne auf einem Hof in Dolberg, da müssen wir überall mit dem Auto hin.
Heute hatte ich in Hamm zu tun und habe deshalb jetzt auf dem Weg schon mal eingekauft. Mir ist es wichtig, dieses Bewusstsein auch an die Kinder zu vermitteln. Wie wichtig es ist, vernünftig mit Geld und Lebensmitteln umzugehen.“
Sabine Gockel, 53 Jahre alt, verzichtet auf Süßigkeiten, auch wegen der Preise:
„Wir sind gerade aus dem Urlaub gekommen, der Kühlschrank war also ziemlich leer. Wir haben für den Wocheneinkauf jetzt rund 100 Euro gezahlt – für drei Personen. Das ist schon deutlich teurer als früher, bestimmt 40 Euro mehr. Wir versuchen auf Süßes zu verzichten, ist ja auch gesünder. Chips müssen aber abends auf dem Sofa sein.“
Katharina Thies, 35 Jahre alt, junge Mutter, verzichtet, damit ihr Sohn es nicht muss:
„Ich habe heute nur ein paar Teile gekauft, die noch fehlten. Aber für den Wocheneinkauf zahle ich schon 30 bis 40 Euro mehr als früher.
Ich versuche, die Produkte zu wechseln, das günstigere zu kaufen oder es wird eben auch mal auf was verzichtet. Wir haben das Fleisch reduziert und essen weniger Süßes. Der Kleine bekommt aber natürlich noch alles, er muss auf nichts verzichten.“
Sandra Malzarl und Renate Gramstat, 39 und 61 Jahre alt, Mutter und Tochter versuchen, auf Fleisch zu verzichten:
„Das war jetzt nur ein Zwischendurcheinkauf. 22 Euro für etwa einen Korb voll. Man guckt schon auf die Preise. Wir versuchen auch weniger Fleisch zu kaufen. Nicht nur, weil es teuer ist, auch wegen der Massentierhaltung. Mehr Bauchschmerzen macht mir allerdings die Gasabrechnung. Es soll doppelt oder dreifach so teuer werden. wer soll das denn noch bezahlen? Meine Schwester hat sich jetzt sogar schon einen Wasserkocher gekauft, damit sie sich noch waschen kann, sollte es kein Gas geben. Das ist doch verrückt.“
Michaela Füllbier und Hassan Schouieikh, 49 und 18 Jahre alt, ärgern sich über fehlende Produkte:
„Wir haben für den Wocheneinkauf jetzt 170 Euro gezahlt – für eine sechsköpfige Familie. Die Wagen waren für so viel Geld schon mal voller. Und dann gibt es viele Sachen auch einfach nicht. Heute gab es keine Margarine und keinen Eistee. Wir haben schon immer darauf geachtet, das Günstigste zu kaufen, jetzt müssen wir auch manchmal auf Sachen verzichten, weil es einfach zu teuer ist.“
Sabrina Lewe, 36 Jahre alt, muss an der Fleischtheke ordentlich schlucken:
„Für 162 Euro ist der Einkaufswagen jetzt gut voll. Wir fahren mit dem Wohnmobil nach Norwegen und da ist es noch deutlich teurer als hier. Wir sind zwei Erwachsene und zwei Kinder. Je nach dem, ob wir zwei oder drei Mahlzeiten essen, kommen wir damit wahrscheinlich vier bis fünf Tage aus. Ich achte schon darauf, was ich kaufe. Ich versuche, auch weniger Fleisch zu kaufen, das ist mit Kindern aber nicht so leicht. Meine lieben Gehacktes, da brauche ich auch nicht mit weniger als einem Kilo ankommen. Aber bei 12,90 Euro schluckt man dann schon.“
Klaus und Christa Erdmann, beide 65 Jahre alt und Rentner, suchen jetzt mehr nach Angeboten:
„Wir haben für unseren Wocheneinkauf jetzt genau 56,27 Euro gezahlt. Das ist schon mehr als früher. So richtig auf etwas verzichten, müssen wir nicht. Aber manchmal kaufen wir etwas eben nicht, wenn‘s zu teuer ist.
Der Frischkäse war heute zum Beispiel 60 Cent teurer als sonst, deshalb haben wir ihn stehen gelassen. Wir studieren jetzt die Broschüren schon genauer, gucken nach Angeboten. Jetzt als Rentner haben wir dafür ja auch Zeit.“
Elif, Hacer und Hatice, 28, 40 und 29 Jahre alt, ärgern sich über die Preise von Öl und Butter, wollen aber auch nicht darauf verzichten:
„Früher war alles noch deutlich günstiger. Wir haben jetzt 20 Euro bezahlt, für ein paar Teile. Butter ist sehr teuer geworden und Öl und Mehl. Und dann sind diese Sachen auch ständig ausverkauft.“
Emad, 34 Jahre alt, weiß nicht, wie er sich und seiner Familie bald noch Dinge leisten soll:
„Ich muss sparen. Für ein paar Teile habe ich jetzt 11 Euro gezahlt. Das ist viel Geld. Es ist alles so teuer geworden. Eigentlich wäre das Wetter super für Wassermelone, aber das Stück hat fünf Euro gekostet. Ich habe es nicht gekauft. Und das Öl kostet jetzt sechs Euro. Ich bekomme 10,50 die Stunde, ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll.“











