VonMirjam Ratmannschließen
Einst brachte man sich hier bei Bombenalarm in Sicherheit, nun soll es ein vielschichtiger Kunstraum für Düsseldorf werden: Der Bilker Bunker öffnet im August seine Tore. Was zu erwarten ist.
Düsseldorf – Es ist, neben der potenziell neuen Düsseldorfer Oper, wohl eins der am meisten erwarteten Kulturprojekte in Düsseldorf der vergangenen Jahre: Seit 2019 wird der ehemalige Luftschutzbunker in der Aachener Straße in Düsseldorf-Bilk zu einem multifunktionalen Kunstraum umfunktioniert. Am 30. August soll er nun endlich öffnen.
Bilker Bunker öffnet Ende August erstmals seit 75 Jahren seine Tore
Dahinter steckt die gemeinnützige Kulturinstitution „Bilker Bunker“, unter Leitung der Geschäftsführerin Christina von Plate, die gesellschaftlichen Austausch durch Kunst fördern will – so heißt es auf der Website der Institution. Eigentümer ist die Düsseldorfer Firma „KüssDenFrosch“.
Der Kulturraum, der ursprünglich schon im Frühjahr dieses Jahres hatte fertig sein sollen, wird am 27. und 28. August eröffnet. Dann ist der Bunker das erste Mal seit 75 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. „Was als ziviler Schutzraum gedacht war, wird zu einem geschützten Raum für experimentelle Kunst- und Kulturformate“, schreibt das Team „Bilker Bunker“ auf seiner Website.
Kunst und Geschichte gehen im Bilker Bunker Hand in Hand
Das Thema der ersten Ausstellung lautet „Vom Schutzraum zum Freiraum“. Verschiedene Künstlerinnen und Künstler werden zeitgenössische Kunst im historischen Kontext des Bunkers präsentieren. Gleichzeitig öffnet die Ausstellung „Bilker Bunker im Wandel der Zeit“, die mit Berichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, historischen Dokumenten und Videoinstallationen zum Bunker aufwarten kann. Beide Ausstellungen sollen zunächst bis zum 7. Januar 2024 laufen und können ab 30. August wie folgt besucht werden:
- Mittwoch: 17 - 21 Uhr
- Donnerstag: 12 - 18 Uhr
- Freitag: 17 - 21 Uhr
- Schwerbehinderte Menschen inkl. Begleitperson: frei
- Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: frei
Auf den beiden Ausstellungen liegt derzeit auch der Schwerpunkt der noch anstehenden Arbeiten bis zur Eröffnung in etwas weniger als zwei Monaten. „Bis August finden die letzten Innenausbauarbeiten des Bilker Bunkers statt“, sagt Jessica Jacobi, Sprecherin der Kulturinstitution auf Nachfrage von 24RHEIN. „Dabei bereiten wir weiterhin unsere Eröffnungsausstellung vor, konkret geht es an die Hängung und Installation der Kunstwerke in dem architektonisch besonders anspruchsvollen Raum.“
Außerdem arbeite man derzeit mit Hochdruck an der Umsetzung des neuen Nutzungskonzepts des Bunkers und strukturiere die zukünftigen Abläufe der verschiedenen Räume und Bereiche der Kunst und Kultur.
Fahrradgarage, Bar, Showrooms: Bilker Bunker will multifunktionale Kulturstätte werden
Denn die zwei Ausstellungen erstrecken sich lediglich über zwei der insgesamt neun Etagen des Bilker Bunkers, nämlich über das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss. Im ersten Untergeschoss widerum entsteht die Musikbar „Schleuse Zwei“. Dort sollen in Zukunft Barabende mit DJ- und Live-Musik stattfinden. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest.
Ein Stockwerk weiter oben bietet der „Bilker Bunker“ Multifunktionsräume zum Mieten an. Die insgesamt sechs Räume können flexibel und stundenweise demnächst online angemietet werden – sei es für Workshops oder für sportliche oder musikalische Aktionen.
Im zweiten Obergeschoss hat sich das Team des „Bilker Bunker“ sein Büro eingerichtet. Wie man auf Instagram sehen konnte, hat das Team die Räumlichkeiten inzwischen schon bezogen. Direkt neben dem Büro soll es eine Fahrradgarage für Rennrad, E-Bike oder Lastenrad geben, in der man die Räder demnächst online kurz- oder langfristig gegen eine Gebühr parken kann. Die Stellplätze sollen rund um die Uhr erreichbar und in Kürze online buchbar sein.
Schließlich bieten Etage drei und vier die Möglichkeit zu „Zeigen, was man hat“. Hinter dem Slogan verbergen sich zwei Showrooms, in denen man Flächen von 20 bis 200 Quadratmetern mieten kann, um sich kreativ auszuleben. Die acht Showrooms richten sich in erster Linie an Modelabels, Designerinnen und Designer und andere kreative Köpfe.
Bilker Bunker sollte schon im Frühjahr öffnen
Eigentlich wollte das „Bilker Bunker“-Team dieses Kultur-Angebot bereits dieses Frühjahr der Öffentlichkeit präsentieren. Doch dann kam es zu Verzögerungen auf der Baustelle. „Wir hatten coronabedingte Lieferschwierigkeiten und Personalausfälle, hinzu kamen steigende Kosten und entsprechende Umplanungen aufgrund des Krieges in der Ukraine“, erklärt Jacobi.
Bilker Bunker
Der Bunker öffnet am 26. und 27. August erstmals seit 75 Jahren seine Türen.
Vom 30. August bis 7. Januar 2024 werden auf zwei Etagen zwei Ausstellungen zu sehen sein: „Vom Schutzraum zum Freiraum“ und „Der Bilker Bunker im Wandel der Zeit“
Zusätzlich bietet der Bilker Bunker eine Fahrradgarage, eine Bar, Showrooms und Multifunktionsräume für Workshops, Yoga-Sessions oder Musikprojekte. Für die Räume und die Garage kann man bald online einen Platz buchen.
Auf dem Bilker Bunker befinden sich fünf Penthousewohnungen – durch die Kaufeinnahmen wird das Kulturprojekt „Bilker Bunker“ finanziert. Zusätzlich erhält das Projekt Förderung von der Kunststiftung NRW, dem Kulturamt Düsseldorf, Sigma, der Düsseldorfer Bezirksvertretung 3 und der Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden.
Außerdem habe ein umfangreiches Prozedere des Förderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ vom Bundesinnenministerium die Fertigstellung des Projektes in die Länge gezogen. Da man zudem am Bestand arbeite und es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handle, habe es immer wieder Bau- und umsetzungstechnische Auflagen gegeben, die eingehalten werden mussten.
Vor dem Abriss bewahrt: Noch vor zehn Jahren stand der Bunker vor dem Aus
Dass Düsseldorf diesen großflächig nutzbaren Kulturraum überhaupt bekommt, war vor knapp zehn Jahren noch nicht absehbar gewesen. Der vorherige Eigentümer hatte den Bunker 2013 für 700.000 Euro vom Bund gekauft, um ihn komplett abzureißen. Sein Plan: 20 neue, teure Wohnungen bauen.
Doch Anwohnerinnen und Anwohner protestierten, denn schon in den 1990er Jahren hatten sich Künstlerinnen und Künstler an der Fassade des ehemaligen Bunkers verewigt. Trotz des jahrzehntelangen Leerstandes hatte der ehemalige Luftschutzbunker also schon früh künstlerisches Potenzial.
Eine Bürgerinitiative „Bilk pro Bunker“ gründete sich, um den Abriss zu verhindern. Mit Erfolg: Der Bunker wurde 2014 unter Denkmalschutz gestellt, der Eigentümer nahm seine Abrissabsichten zurück. 2016 kaufte dann das Team der Bauprojektentwickler „KüssDenFrosch“ das Gebäude.
Kulturangebot im Bilker Bunker wird durch Penthousewohnungen finanziert
Ihre Idee: Fünf Penthousewohnungen auf das Gebäude draufsetzen, um mit dessen Einnahmen einen gemeinnützigen Kulturraum, der rund 4,5 Millionen Euro kosten würde, zu finanzieren. Zwei der Wohnungen sind bereits verkauft worden, eine wird auf der Website von „KüssDenFrosch“ als reserviert ausgegeben. Zwei können noch gekauft werden.
| Was? | Bilker Bunker |
| Wo? | Aachener Straße 39, 40223 Düsseldorf |
| Nutzung damals | Luftschutzbunker |
| Nutzung heute | Kulturraum |
| Eigentümer | KüssDenFrosch |
| Eröffnung | 30. August 2023 |
Als Luftschutzbauwerk Nr. 25 wurde der Bilker Hochbunker an der Ecke Aachener Straße / Karolingerstraße 1942 errichtet und diente bis Kriegsende 1945 Menschen in Düsseldorf Schutz vor Bombenangriffen.
Es ist nicht der erste ehemalige Luftschutzbunker, der in NRW umfunktioniert wurde: In Düsseldorf-Heerdt steht ein Bunker, der inzwischen wie eine Kirche aussieht. In Duisburg-Hochfeld wird ein ehemaliger Bunker inzwischen als Kletterturm genutzt, in Bielefeld beherbergt ein ehemaliger Bunker nun eine private Kunstsammlung.
In Hamm wurde der umgestaltete Bunker „Penthouse auf dem Hochbunker“ gar mehrfach ausgezeichnet: Hier wurde eine 160 Quadratmeter-Penthousewohnung auf einen ehemaligen Bunker draufgesetzt – ganz ähnlich also wie beim Bilker Bunker in Düsseldorf.


