Hauptlieferant liefert nicht mehr

Fruchtwerk meldet Insolvenz an – „Musste unglaublich schnell die Reißleine ziehen“

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Apfelsaft aus dem Fruchtwerk Milke präsentiert Inhaber Florian Milke auf diesem Archivfoto aus dem Jahr 2021.
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Das zuständige Amtsgericht Arnsberg hat das Insolvenzverfahren vor wenigen Tagen eröffnet. Laut Inhaber hat der Hauptlieferant seit einigen Monaten keine Rohwaren geliefert.

Bad Sassendorf - „Betrieb geschlossen“, heißt es auf der Internetseite des heimischen Unternehmens „Fruchtwerk Milke“. Der Betrieb sei im Rahmen eines Insolvenzverfahrens eingestellt.

Das entsprechende „Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen des Inhabers Florian Milke, Steinkuhler Weg 8, 59505 Bad Sassendorf, handelnd unter Fruchtwerk Milke“, ist vom zuständigen Amtsgericht Arnsberg am 18. September angeordnet worden; Aktenzeichen 52 IN 274/25. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Jens Brömmelmeier von der auf Restrukturierungen und Insolvenzen spezialisierten Kanzlei „White and Case“ in Dortmund bestellt. Verfügungen des Schuldners über Gegenstände seines Vermögens seien demnach nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam, so das Amtsgericht.

Insolvenz: „Ich musste unglaublich schnell die Reißleine ziehen“

Wie Inhaber Florian Milke auf Nachfrage berichtete, kam sein Unternehmen in die finanzielle Schieflage, weil der seit sechs Jahren wichtigste Hauptlieferant das Fruchtwerk seit einiger Zeit nicht mehr beliefere. Seit zwei Monaten habe er keinen Kontakt mehr zu dem betreffenden Geschäftsführer. Ohne den Hauptlieferanten fehlte seinem Betrieb jedoch die erforderliche Rohware. Lieferanten aus anderen Obstbauregionen wie dem Bodensee seien wegen der hohen Transportkosten jedoch keine Alternative gewesen. Jede Woche, die der Betrieb weiter gelaufen wäre, hätte nur Geld gekostet, deshalb habe er Insolvenz angemeldet. Milke: „Ich musste unglaublich schnell die Reißleine ziehen.“ Die Mitarbeiter seien für drei Monate dank des Insolvenzausfallgeldes abgesichert.

Der Betrieb wurde 2014 als Fruchtwerk Milke gegründet. Der erste Apfelsaft wurde noch in der alten Mosterei der Abtei Königsmünster produziert. Seit 2015 wurden die Produkte am heutigen Standort in Bad Sassendorf hergestellt. Verarbeitet wurden unter anderem auch Früchte aus der Soester Börde. Gemäß den Angaben des Unternehmens für einen Bericht dieser Zeitung im Jahr 2021 wurden in der Mosterei im Lohner Klei jährlich zirka 1000 Tonnen Äpfel, Birnen und Rhabarberstangen verarbeitet. Seinerzeit kam das Unternehmen auf 14 Vollzeit- und zwei Teilzeitmitarbeiter. 

Als wichtigste Kunden wurden insbesondere Supermärkte in NRW mit den Produkten der Mosterei beliefert. Ein weiterer Geschäftszweig war die Lohnmosterei, indem Obstbaubetriebe dem Unternehmen ihre Früchte lieferten und den Saft für die Direktvermarktung in Flaschen zurückbekamen. Milke zeigte sich zuversichtlich, dass es nach Bereinigung der aktuellen Lage wieder einen Mostereibetrieb geben kann.

Das von Influencerin und Moderatorin Cathy Hummels mitgründete Unternehmen Hye, an dem die Warsteiner Brauerei mit 29 Prozent beteiligt war, hat Insolvenz angemeldet.

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