Immer mehr Kinder betroffen

Jeder dritte Schüler in Hamm spricht zu Hause kein Deutsch

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Etwa 48 Prozent der Schüler in Hamm haben eine Zuwanderungsgeschichte. Nicht alle von ihnen sprechen zu Hause überwiegend Deutsch.
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Immer mehr Schüler aus sprechen zu Hause vorrangig eine andere Sprache als Deutsch. Der Anteil liegt deutlich höher als im Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen.

Hamm – Fast jeder dritte Schüler in Hamm wächst in einer fremdsprachigen Familie auf. Das zeigt der „Faktencheck Bildung“, den die Verwaltung von Hamm jüngst veröffentlicht hat. Demnach war im Schuljahr 2022/23 Deutsch in 32 Prozent der Familien von Schülern nicht die Verkehrssprache, also die am häufigsten gesprochene Sprache. Stattdessen unterhalten sich diese Familien vorrangig auf Türkisch, Syrisch, Polnisch, Ukrainisch oder in einer anderen Sprache.

Der Anteil der Kinder mit nicht-deutscher Verkehrssprache steigt seit Jahren. Lag er im Schuljahr 2017/18 noch bei knapp 27 Prozent, ist er inzwischen um fünf Punkte höher. Vor allem die jüngeren Schüler wachsen vermehrt in fremdsprachigen Familien auf. Zuletzt sprachen 39 Prozent der Grundschüler überwiegend eine andere Sprache, das sind sechs Prozent mehr als vor fünf Jahren. Hamm liegt mit den Werten deutlich über dem Landesdurchschnitt: NRW-weit sprach zuletzt jedes vierte Kind zu Hause vorrangig eine andere Sprache als Deutsch, in Hamm ist es etwa jedes dritte.

Deutsch als Fremdsprache: Unterschiede zwischen den Schulformen

Am höchsten ist der Anteil der Schüler aus fremdsprachigen Familien mit 47 Prozent unter den Gesamtschülern, am zweithöchsten mit 44 Prozent an den Hauptschulen. An den Realschulen lag er bei 27 Prozent, es folgen Berufskollegs mit 25 Prozent und Gymnasien mit 24 Prozent.

Was der Faktencheck auch deutlich macht: Unter den zugewanderten Schülern sind viele, die zu Hause überwiegend Deutsch sprechen. Der Anteil der Schüler mit Zuwanderungsgeschichte liegt deutlich höher als der der Schüler, die in einem fremdsprachigen Haushalt aufwachsen. 48 Prozent der Schüler sind entweder selbst aus dem Ausland zugewandert oder haben mindestens ein Elternteil, auf den das zutrifft. Am höchsten war der Anteil der Schüler mit Zuwanderungsgeschichte mit 60 Prozent an Gesamtschulen, am niedrigsten mit 38 Prozent auf Förderschulen. Eine ausländische Staatsbürgerschaft hatten 15,4 Prozent der Schüler. Das Multi-Kulti an Schulen kann eine Chance sein - je nachdem, wie man damit umgeht.

Deutlich mehr Schüler aus der Ukraine zugewandert

Auf die Schulen ist in den vergangenen Jahren eine weitere Aufgabe zugekommen. Mindestens 812 Schüler waren bis Mai 2023 neu zugewandert und hatten einen sprachlichen Förderbedarf. Das geht aus einer Abfrage des Schulministeriums hervor, deren Ergebnisse im Faktencheck veröffentlicht wurden. Das Ministerium hatte dies vor dem Hintergrund der Zuwanderung aus der Ukraine zuerst im Mai 2022 abgefragt. Damals gab es nur 282 neu zugewanderte Schüler mit Förderbedarf. Da sich knapp unter 90 Prozent der Schulen zurückmeldeten, liegt die tatsächliche Zahl wohl noch höher.

„Der Erwerb der deutschen Sprache ist Voraussetzung für den Bildungserfolg“, heißt es im 2022 veröffentlichten Bildungsbericht der Stadt. Der aktuelle Faktencheck selbst enthält keine Daten zum weiteren Bildungsweg der Kinder aus fremdsprachigen Familien. Daten gibt es nur für die Schüler mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

Demnach erhalten 14 Prozent der ausländischen Schüler eine volle oder eingeschränkte Gymnasialempfehlung, aber 41 Prozent der deutschen Schüler. Eine Empfehlung für die Hauptschule erhalten 35 Prozent der ausländischen Schüler und 14 Prozent der deutschen.

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