- VonKlaus Fischerschließen
Für Gartenfreunde ist der Johannistag ein wichtiges Datum. Was den 24. Juni für Gartenfreunde besonders macht und weshalb er „Spargelsilvester“ genannt wird.
Soest – Der Johannistag (24. Juni) ist seit alters her ein besonderer Tag gewesen. Er ist das sommerliche Gegenstück zum Heiligabend (24. Dezember), beide liegen drei Tage nach der Winter- beziehungsweise Sommersonnenwende. Und der Abstand zwischen beiden Tagen beträgt genau sechs Monate.
| Was? | Johannistag |
| Wann? | 24. Juni 2023 |
Johannistag: Warum der 24. Juni für Gärtner ein wichtiges Datum ist
So ranken sich um den Johannistag zahlreiche Brauchtümer, Bauernregeln und Traditionen. Mancherorts wurde früher sogar eine „Sommerweihnacht“ gefeiert. Johannistag heißt dieses Datum übrigens, weil es der Tag von „Johannes, der Täufer“ ist. Dieser wird in den großen Religionen verehrt, im Christentum, Judentum und im Islam. Er ist der Schutzpatron der Bauhütten und der Steinmetze sowie der Johannislogen der Freimaurerei. Die Johanniter und Malteser feiern den Johannistag ebenfalls besonders.
Vielerorts gehört zum Johannistag das Johannisfeuer in verschiedenen Formen. Aus Zweigen und Laub wurden an manchen Orten Johanniskronen geflochten. Bekannt sind auch Johannissträuße aus sieben Kräutern, denen besondere Heilkraft zugesprochen wurde. Der Tag gilt außerdem als ein wichtiger Lostag, auf den sich einige Wetterregeln beziehen. Markante Pflanzen und Tiere haben nach diesem Tag ihren Namen bekommen: Johanniskraut, Johannisbeere, Johanniskäfer, Johanniskerze und Johannisblume.
Der Johannistag markiert das Ende der „Schafskälte“, die uns im Juni in der Regel noch einige sehr kühle Tage bringt. Mit dem Johannistag beginnt für einige Feldfrüchte die Ernte, für andere endet sie.
Johannistag am 24. Juni: Ende der Ernte für Spargel und Rhabarber
So endet dann die Spargelsaison, der Tag wird deswegen auch gerne als „Spargelsilvester“ bezeichnet. Das gleiche gilt für den Rhabarber. Man hat aus Erfahrung gelernt, dass es diese beiden Pflanzen zu sehr schwächt, wenn man sie nach dem Johannistag noch erntet. Schließlich benötigen Spargel und Rhabarber ihre Blätter, um genügend Kraft und Nährstoffe in den Wurzeln einzulagern, um damit über den Winter zu kommen und im nächsten Frühjahr wieder kräftig austreiben zu können.
Typischerweise beginnen am Johannistag die Glühwürmchen zu schwärmen. Glühwürmchen ist ein volkstümlicher Name für die Johanniskäfer. Mit Schwärmen ist gemeint, dass dann ihre Paarungszeit beginnt. Um die Geschlechtspartner anzulocken „knipsen“ dann die Käfer ihre „Laternen“ an. Gemeint sind damit die speziellen Leuchtorgane dieser Käfer am Hinterleib, der Vorgang wird als Biolumineszenz bezeichnet.
Diese Käfer schwärmen nur, wenn es eine längere Schönwetterperiode gibt. Bei Regen bleiben sie dunkel. Bauern haben deshalb genau beobachtet, wie stark und wann die Glühwürmchen schwärmen. Gab es viele Glühwürmchen, wurde geheut, weil dann erfahrungsgemäß wegen der längeren Schönwetterperiode das Gras problemlos trocken wurde.
Johannistag: Die Glühwürmchen beginnen zu schwärmen
Andererseits bedeutete ein Kuckucksruf nach dem Johannistag, dass dieser Zugvogel noch immer nicht mit seinem „Brutgeschäft“ fertig war wegen des anhaltenden schlechten Wetters, was natürlich auch die Ernte negativ beeinflusst hat. So entstand folgende Regel: Der Kuckuck kündet teure Zeit, wenn er nach Johanni schreit.
Um den Johannistag werden die ersten Johannisbeeren reif und können geerntet werden. Auch das Johanniskraut öffnet seine strahlend gelben Blüten fast immer am Johannistag – je nachdem, wie das Wetter verlaufen ist.
Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine wertvolle Heilpflanze. Es kann bis zu einem Meter hoch werden. Man erkennt es daran, dass es die Finger rot (!) färbt, wenn man die gelben Blütenblätter zerreibt. In ihnen befindet sich ein roter Farbstoff (Hypericin), der auch Johannisblut genannt wird. Auch heute noch wird das Johanniskraut in der Medizin eingesetzt als Beruhigungsmittel und mildes Antidepressivum. Einen Ölauszug kann man selber leicht herstellen, indem Blüten in Olivenöl eingelegt werden.
Johannistag: Johannisbeeren, Johanniskraut und Arnika
Am Johannistag beginnen auch die Johannisblume (Arnika) und die Johanniskerze (Königskerze) zu blühen, was natürlich auch vom Wetter abhängig ist. Gehölze wie Buchen, Eichen und Ahorn, ebenso Hecken, entwickeln den sogenannten Johannistrieb. Damit ist ein zweites starkes Triebwachstum gemeint, dass um den Johannistag herum zu beobachten ist. Diese Triebe unterscheiden sich farblich deutlich von den anderen. Die Gewächse können damit Verlust von Blattmasse ausgleichen, den diverse Fressfeinde wie Maikäfer, Raupen und Käfer im Frühling angerichtet haben.
Der Johannistrieb ist bedeutsam für den Heckenschnitt. Wer im Frühjahr seine Hecke geschnitten hat, weil er sie immer akkurat in Form wünscht, muss also nach dem Johannistrieb erneut zur Schere greifen, hat danach allerdings Ruhe bis zum nächsten Frühjahr. Ich schneide aber deswegen meine Rotbuchenhecke nur noch einmal im Jahr im Juli/August, wenn der Johannistrieb abgeschlossen ist.
Rubriklistenbild: © fischer
