Selbsthilfegruppe bietet Ausweg

Kampf gegen einen unsichtbaren Feind: Das Leben mit einer Angststörung

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Lina Scheppe ist die Leiterin der neuen Selbsthilfegruppe „Keine Angst vor der Angst“ und möchte anderen Betroffenen von Angststörungen helfen.
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Wenn alltägliche Situationen unüberwindbare Hürden darstellen, könnte eine Angststörung dahinterstecken. Viele Menschen kämpfen im Verborgenen mit Panikattacken und ständiger Angst. Doch eine Betroffene zeigt, dass es Hoffnung gibt und auch Hilfe möglich ist.

Attendorn – „Es ist normal, wenn man die ersten zwei Tage auf der neuen Arbeit ein wenig Angst empfindet, aber etwas stimmt nicht, wenn es nach drei Wochen nicht besser, sondern nur noch schlimmer wird“, erzählt Lina Scheppe.

Die 58-Jährige aus Attendorn leidet unter einer Angsterkrankung, die ihren Alltag immer weiter eingeschränkt hat. Begonnen hat es bei ihr damit, dass manche Situationen für sie einfach kräfteraubend waren. Das hat sich so weit gesteigert, dass sie selbst kaum noch Auto gefahren ist und sich immer mehr aus dem Leben gezogen hat. „Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und bin am Ende nur noch mit meinem Hund raus, um spazieren zu gehen“, berichtet Scheppe weiter.

Selbst die Arbeit war ihr nicht mehr möglich. Lina Scheppe hatte das Gefühl, dass sie bei einer neuen Arbeit mit der Zeit immer kränker wird. Der Körper habe rebelliert. Schließlich sei die Anspannung so stark gewesen, dass „gar nichts mehr ging“.

Ihre Angsterkrankung hat sich mit der Zeit gesteigert. Sie hat viele Dinge begonnen zu meiden, die sie vorher sehr gerne gemacht hat. Und diese Dinge, wurden immer mehr. „Aber ich wollte das durchbrechen. Irgendwann habe ich mir gesagt, dass das so nicht weitergeht, auch mit dem Job. Mit meinem Alter bin ich zwar kurz vor der Rente, möchte aber noch etwas Sinnvolles machen.“

Lina Scheppe hat vieles versucht, um Hilfe zu bekommen. Sie hat bereits eine Therapie hinter sich, doch auch die hat der Attendornerin nicht geholfen. „Das Problem ist, dass jemand mit einer Angsterkrankung eigentlich jemanden braucht, der ihn durch die Angst durchführt. Ich bräuchte jemanden auf der Arbeit, der mich an die Hand nimmt und mir immer wieder sagt, dass alles gut ist. Aber so jemanden bezahlt die Krankenkasse nicht“, sagt Scheppe. „Man muss einfach lernen mit der Krankheit umzugehen.“

Natürlich habe sie auch immer wieder „blöde Sprüche“ zu hören bekommen von Menschen, die eben nicht verstehen, dass das Leben für Menschen mit Angststörung nicht „normal“ und selbstverständlich ist. „Es ist eine psychische Erkrankung, also eine Krankheit, die man nicht sehen kann. Und wenn man etwas nicht sehen kann, dann gibt es das nicht. Anders als bei einem gebrochenem Bein“, erklärt Lina Scheppe.

Helfen können Verhaltenstherapien und Psychotherapien, in denen herausgefunden wird, wo die Ursache der Angst liegt. Doch die Warteliste für eine entsprechende Therapie ist lang. Sie wünscht sich, dass es endlich mehr Aufklärung auch bei Arbeitgebern für diese Krankheit gibt.

„Die Menschen müssen verstehen, dass ein Betroffener, wenn er krank ist, nicht nach zwei bis drei Wochen wieder arbeitsfähig ist. Was für normale Menschen normal ist, ist es für einen Betroffenen mit Angsterkrankung nicht.“

Um sich weitere Hilfe zu suchen, hat Lina Scheppe selbst recherchiert und ist bei der Selbsthilfekontaktstelle des Mehrgenerationenhauses des DRK Olpe gelandet. Dort hat sie erfahren, dass es noch gar keine Gruppe nur für Angsterkrankungen gibt. Bislang seien die Gruppen immer mit in die Gruppen für Depression gegliedert worden.

Das soll sich jedoch jetzt ändern. Mit ein wenig Inspiration von Petra Weinbrenner-Dorff von der DRK Selbsthilfekontaktstelle und dem Zuspruch ihrer Therapeutin, hat Lina Scheppe den Entschluss gefasst, dass sie die Leiterin der neuen Selbsthilfegruppe „Keine Angst vor der Angst“ werden möchte. Die neue Gruppe soll einen Austausch unter Gleichgesinnten ermöglichen. Auch Erfahrungen können ausgetauscht werden. „Es soll einfach ein Austausch sein über Ärzte, Behandlungsmethoden, Medikamente, andere Therapien oder Tricks, die einem selbst geholfen haben. Es ist einfach hilfreich, wenn man weiß, dass man mit der Krankheit nicht alleine ist“, sagt Lina Scheppe.

Das erste Treffen findet am Dienstag, 4. Juni, um 18 Uhr in Attendorn statt.

Der genaue Ort wird bei Anmeldung bekannt gegeben. Später soll sich die Selbsthilfegruppe jeden ersten und dritten Dienstag des Monats treffen. „Und wer Angst hat zu kommen, braucht das nicht zu haben. Man muss ein Treffen nicht durchhalten und kann jederzeit gehen. Auch Angehörige sind willkommen, um ein besseres Verständnis zu bekommen.“

Anmeldungen bei der DRK Selbsthilfekontaktstelle unter Tel. 02761/2643 oder per Mail an shk@kv-olpe.drk.de.

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