Werl

Kitas müssen sparen: Weniger Personal ab August

+
Betroffen von den Änderungen ist unter anderem die Kita St. Walburga. Wie sich die Einsparungen genau auswirken, wird sich zeigen.
  • schließen

Es geht einfach nicht anders - das verkündet der Vorstand. Ab dem neuen Kitajahr müssen sich Eltern und Kinder auf eine neue Personalsituation in den Einrichtungen einstellen.

Werl – Das neue Kita-Jahr bringt für Werler Eltern an manchen Stellen eine Entlastung mit sich, immerhin öffnet in Büderich die neue Kita „Marienkäfer“ und in Westönnen gibt es eine Erweiterung für St. Cäcilia. Doch 2024/25 bringt nicht nur Positives mit sich. Zum 1. August, also passend zum Start des kommenden Kita-Jahres, nehmen die WIR-Kitas, der Träger der katholischen Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH, einige Einsparungen vor. Dies betrifft auch sechs der Einrichtungen des Trägers in Werl.

Konkret: Die WIR-Kitas werden ihren sogenannten Flex-Pool, mit dem die Einrichtungen kurzfristige Personalausfälle einrichtungsübergreifend ausgleichen konnten, nicht fortführen. Darüber hinaus wird die Zahl der Auszubildenden, die zum neuen Kita-Jahr anfangen, in den betroffenen Kindergärten halbiert. Das hat die Geschäftsführung der WIR-Kitas mitgeteilt.

Längerfristige Auswirkungen

Grund für diese Entscheidung sei vor allem die „unauskömmliche Kibiz-Förderung durch das Land NRW“, wie es in der Erklärung heißt. Diese sorge dafür, dass die Anzahl an Azubis und der Flex-Pool finanziell nicht mehr aufrechtzuerhalten seien. „Angesichts der Personalknappheit und des akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung wissen wir, dass auch diese Entscheidung kontraproduktiv ist, aber sie ist alternativlos“, erläutern die Geschäftsführer.

Doch was heißt das für die Werler Einrichtungen der WIR-Kitas? Zumindest die Halbierung der Azubi-Stellen fällt hier erstmal nicht so sehr ins Gewicht. „Unsere Auszubildenden werden bei uns nicht in die Mindestbesetzung mit eingerechnet“, sagt Kathrin Bußmann, zuständige Regionalleiterin bei der Katholischen Kitas Hellweg GmbH. Die derzeitigen Azubis wären daher also gar nicht nötig, um den gesetzlich geforderten Betreuungsschlüssel zu erfüllen. Gleichwohl hat diese Entscheidung längerfristige Auswirkungen, da die Anzahl an Fachkräften von morgen sich entsprechend verringert.

Sechs Werler Kitas betroffen

Von den beschlossenen Veränderungen in der WIR-Kita-Gruppe sind über die Katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg gGmbH gleich sechs Kindergärten in ganz Werl betroffen.

Das sind in der Kernstadt die Einrichtungen St. Norbert, St. Peter und St. Walburga, in Sönnern die Kita St. Antonius, in Westönnen der Kindergarten St. Cäcilia – der zum neuen Kita-Jahr eine Erweiterung bekommt – sowie in Büderich die Einrichtung St. Vinzenz.

Unmittelbar größere Auswirkungen hat da schon der Wegfall des Flex-Pools. Dieser hat dafür gesorgt, dass für jede WIR-Kita-Gruppe neun Personalstunden mehr eingeplant waren als gesetzlich vorgegeben. So konnten etwa kurzfristige Krankheitsfälle oder Ausfälle wegen Schwangerschaften ohne größere Probleme aufgefangen werden. Zur Not sogar in anderen Kitas des Trägers. „Dadurch haben wir es geschafft, die Betreuungsangebote auch dann aufrechtzuerhalten, wenn andere Kitas bereits ihr Betreuungsangebot aufgrund des Personalschlüssels einschränken hätten müssen“, sagt Bußmann.

Abrutschen unter die Mindestbesetzung kann jetzt schneller kommen

Damit ist in Zukunft allerdings Schluss. „Dadurch besteht das Risiko, dass wir bald schneller unter die Mindestbesetzung rutschen“, stellt die Regionalleiterin klar. „Es kann dann häufiger vorkommen, dass wir Gruppen schließen oder Eltern bitten müssen, ihre Kinder früher wieder abzuholen.“ Dazu müssen die Einrichtungen ab August auch unterjährig Stellen für Fachkräfte ausschreiben, etwa bei Schwangerschaft einer Mitarbeiterin. Durch den Flex-Pool war das bislang nicht erforderlich. „Dazu kommt, dass es sehr schwierig ist, unterjährig Personal zu finden“, meint Bußmann. Eine unbesetzte Stelle könne daher auch schon mal über einen längeren Zeitraum frei bleiben.

Unter diesen neuen Bedingungen werde es auch schwieriger, sich um die verbliebenen Azubis zu kümmern. „Das alles sorgt für eine erhöhte Belastung unserer Mitarbeitenden“, sagt Bußmann. Die Stunden aus dem Flexpool für das laufende Kita-Jahr seien vielerorts bereits aufgebraucht. „Ein deutliches Zeichen, dass es sinnvoll und hilfreich war, den Flexpool einzurichten. Es ist schade, dass wir uns nun davon verabschieden müssen.“ In Zukunft dürfte es bei hohen Personalausfällen schneller kritisch werden, Betreuungsangebote aufrechtzuerhalten.“

Kommentare