- VonJörn Funkeschließen
„Pünktlich wie die Eisenbahn“ hieß es früher. Inzwischen ist es genau andersherum. Auch in Hamm. Der Hauptbahnhof ist ein Knotenpunkt der Unpünktlichkeit.
Hamm – Mehr als jeder zweite Zug am Hammer Hauptbahnhof war im September verspätet. Nur 45,6 Prozent der Fahrten fanden nach Fahrplan statt, wie aus einer bundesweiten Erhebung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und des Portals Zugfinder hervorgeht. Die Pünktlichkeit der Züge in Hamm hat sich damit innerhalb von vier Jahren fast halbiert.
Pünktlichkeitsquote in Hamm hat sich fast halbiert
Zugfinder berechnet die Position einzelner Züge und verfügt darüber über ein umfangreiches Datenvolumen, das im Auftrag der FAZ ausgewertet wurde. Bundesweit sank die Pünktlichkeit (inklusive einer Fünf-Minuten-Toleranz) von 77,6 Prozent im Juli 2019 auf 65,2 Prozent im September 2023. In Hamm ist die Entwicklung noch drastischer: von 77 Prozent (2019) auf eben 45,6 Prozent (2023).
Hamm gehört mit weiteren Stationen in NRW zu den bundesweit unpünktlichsten Bahnhöfen. Sogar Köln – ein traditioneller Engpass im Netz – steht mit 55,8 Prozent besser da. Den schlechtesten Wert in NRW erreicht Warburg mit 29,3 Prozent, wobei das Zugunglück in Geseke eine Rolle spielen dürfte.
Bahn: Baustellen und hohe Streckenauslastung
Die Deutsche Bahn möchte Zahlen für einzelne Bahnhöfe nicht kommentieren, äußert sich aber ausführlich zu möglichen Gründen. Aktuelle Verspätungen seien insbesondere auf ein hochbelastetes Schienennetz, eine erhöhte Nachfrage und Bauaktivitäten auf den Strecken zurückzuführen, teilte ein Bahnsprecher auf WA-Anfrage mit. Ihren eigenen Zügen attestiert die Bahn eine Pünktlichkeit von zuletzt 88,6 Prozent.
Die Netzauslastung liege auf den Hauptstrecken bei 125 Prozent, so der Sprecher. Die dürfte noch steigen: Ab Dezember will die DB auf der stark belasteten Strecke Köln–Hamm–Berlin einer zusätzliche ICE-Linie im Zwei-Stunden-Takt einrichten.
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