VonMarcel Guboffschließen
Kim Gottwald stellt sich einer riesigen Herausforderung: Der gebürtige Münsterländer läuft zu jedem EM-Spiel der DFB-Elf. Zum Viertelfinale wird sie noch größer.
Hamm – Dass BVB-Stürmer Niclas Füllkrug der deutschen Nationalmannschaft mit seinem Treffer im letzten Vorrundenspiel zum 1:1 gegen die Schweiz für den Gruppensieg der DFB-Elf bescherte, war auch für Kim Gottwald von großer Bedeutung. Klar, der 20-Jährige aus Seppenrade ist Fan. Aber dieses Tor sicherte im Grunde auch sein eigenes Projekt.
20-Jähriger läuft zu jedem deutschen EM-Spiel – „ein Sprung ins kalte Wasser“
Denn Kim Gottwald, der in Köln lebt und Jura studiert, hat es sich zum Ziel gemacht, von Spielort zu Spielort der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann zu laufen. Durch den Gruppensieg steigt das Spiel nun in Dortmund – und nicht in Berlin. Jetzt sind es – von Startpunkt Frankfurt aus – „nur“ 230 statt rund 470 Kilometer. „Das“, sagt er im Gespräch mit wa.de, „wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.“ Auch wenn er dann nicht alles abgebrochen, sondern Fahrradetappen eingebaut hätte. Auch wenn es etwas gegen seinen sportlichen Ehrgeiz gewesen wäre.
Doch was soll das Ganze? Der 20-Jährige wollte schlichtweg „irgendetwas Besonderes“ zur EM machen. Er läuft gerne, macht gerne Videos für seine Kanäle auf TikTok, Instagram und YouTube – da habe er eines Abends einfach mal geschaut, wie weit die Spielorte in der Gruppenphase auseinanderliegen. So joggt er aktuell im Schnitt 50 Kilometer pro Tag. „Das kann man schaffen“, sagt er.
So denkt natürlich vor allem jemand, der sich ohnehin sportlich fit hält und es gewohnt ist, zu laufen. Aber das war auch für den Kölner „ein Sprung ins kalte Wasser“. Doch er war und ist vorbereitet. Als Sportler weiß er, wie er sich richtig ernähren soll. Magnesium und Pferdesalbe gehören zu einem täglichen Equipment.
Kim Gottwald läuft zum EM-Spiel nach Dortmund: „Mehr Höhenmeter als Einwohner“
„Mein Körper geht vor. Sobald irgendwelche Gefahren wegen der hohen Belastung bestehen, würde ich abbrechen“, sagt Kim Gottwald. Was bislang glücklicherweise nicht passiert ist. Doch die Herausforderungen sind nicht ohne. Vor allem bei dem Wetter mit den derzeit sehr hohen Temperaturen. Und vor allem bei den Höhenmetern, die der Münsterländer immer wieder zu bewältigen hatte.
In einer seiner Tageszusammenfassung auf dem Weg durch Rheinland-Pfalz kommentierte er augenzwinkernd: „Mehr Höhenmeter als Einwohner.“ Und am Donnerstag – es ging aus dem Siegerland weiter – folgte auch noch der Hitze-Tag mit über 30 Grad in NRW. „700 Höhenmeter – ich werde mies verprügelt werden.“ Erreicht er den EM-Spielort Dortmund, wird er rund 650 Kilometer hinter sich haben.
Kim Gottwald plant seine Etappen so, dass er am Spieltag selbst am Ort ankommt. Die ersten zwei Gruppenspiele hat er beim Public Viewing verfolgt, für die Partien gegen die Schweiz und nun in Dortmund gegen Dänemark bekam er auch dank seiner Reichweite noch Tickets, wofür er extrem dankbar sei.
Keine Aktion zum Nachmachen
Kim Gottwald ist sich bewusst: Seine durchaus verrückte ist keine zum Nachmachen. „Es ist ein unausgesprochenes Geheimnis, dass es nicht gesund ist, solche Distanzen täglich zu leiden.“ Es sei auch keinesfalls „erstrebenswert, den Körper auf diese Weise zu belasten.“
Sein Tipp: „Es wird ein solides 1:0 für Deutschland.“ Es würde ein Viertelfinale in Stuttgart folgen, was zum einen für den 20-Jährigen selbst zu einer Herausforderung wird. Denn für die rund 380 Kilometer Gesamtstrecke müsste er pro Tag dann rund 70 schaffen – dann aber morgens und nachmittags je 35. „Man muss seinem Körper Pausen geben“, sagt Kim Gottwald, der bis Frankfurt von seiner Mutter (auf dem Rad) begleitet wurde – und seitdem von seinem Vater.
Zum anderen stünde ebenso die DFB-Elf vor einer großen Aufgabe, wenn es eventuell gegen die Spanier geht. „Aber“, so der 20-Jährige, „wir wären nicht Deutschland, wenn wir das nicht gewinnen würden.“
@kimgottwald TAG 12 - KURZ VOR DORTMUND? #running #europameisterschaft #euros2024 #emultra ♬ original sound - Kim Gottwald
Zur Kultfigur während der EM wurde ebenfalls ein Saxophonist, der die Fanmeilen einheizt. Der junge Mann stammt ebenfalls aus NRW. Er vereint die Menschen – vor Ort und auf Social Media. Selbst Thomas Müller feiert ihn.
