Bedeutung, Mitglieder, Vereine

Kölner Karneval: Was ist ein Traditionskorps?

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Neun Traditionskorps gibt es im Kölner Karneval, auch die „Roten Funken“ gehören dazu.
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Mehrere Karnevalsvereine in Köln tragen die Bezeichnung „Traditionskorps“. Doch welche sind das und was steckt hinter dem besonderen Titel? Wir klären auf.

Köln – Immer wieder ist im Kölner Karneval von den sogenannten „Traditionskorps“ die Rede. Doch was verbirgt sich dahinter – und welche Karnevalsgesellschaften aus Köln dürfen diese besonderen Bezeichnung tragen?

Festkomitee Kölner Karneval ernennt die Traditionskorps

Selbst dürfen sich jecke Vereine den Titel nicht geben: Zum „Traditionskorps“ muss man ernannt werden – vom Präsidenten des FK, des Festkomitee Kölner Karneval. Das FK ist der Dachverband des Karnevals in Köln, organisiert die wichtigsten Veranstaltungen wie etwa den Zoch an Rosenmontag, ernennt das Kölner Dreigestirn und ist zentraler Ansprechpartner für das Thema Karneval in der Domstadt.

Das sind die Traditionskorps im Kölner Karneval – Fotos

Die Präsidenten der Traditionsgesellschaften im Kölner Karneval feiern gemeinsam auf einer Bühne am Neumarkt in Köln.
Insgesamt gibt es im Kölner Karneval 9 Traditionskorps. Jedes einzelne hat eigene Uniformen, Bräuche und Traditionen.  © Jens Krick/Imago
Mitglieder des Karnevals Traditionskorps Rote Funken tanzen mit Deko-Gewehren beim traditionellen Funken-Biwak auf dem Neumarkt in Köln.
Zu den Ur-Traditionskorps im Kölner Karneval zählen auch die Roten Funken, die 1823 gegründet worden sind. 2023 stellen sie das Kölner Dreigestirn. © Oliver Berg/dpa
Das Tradiotionskorps der Blauen Funken beim traditionellen Funkenbiwak auf dem Neumarkt in Köln.
Auch die Blauen Funken (gegründet 1870) sind ein Ur-Traditionskorps im Kölner Karneval.  © Jens Krick/Imago
Das Tanzpaar der Ehrengarde der Stadt Köln bei der Lachenden Kölnarena 2020 in der Lanxess Arena in Köln.
Auch die grün-gelbe Ehrengarde zählt zu den vier Ur-Traditionskorps im Kölner Karneval.  © Christoph Hardt/Imago
Mitglieder der Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. bei der Aufzeichnung der ARD-Fernsehsitzung im Gürzenich in Köln.
Das vierte Traditionskorps im Kölner Karneval ist die Prinzen-Garde. Die „apaaten Kääls“ bilden außerdem das Begleitkorps des Prinzen.  © Christoph Hardt/Imago
Das Tanzkorps und Tanzpaar des Traditionskorps Altstädter auf der Bühne am Alter Markt in Köln.
Seit 1968 sind auch die Altstädter Köln ein Traditionskorps im Kölner Karneval. Die grün-roten Jecken haben sich den Ehrentitel gerade zu ertanzt – indem sie die Hebefigur etablierten.  © Horst Galuschka/Imago
Karnevalisten der Nippeser Bürgerwehr spielen Instrumente und ziehen durch Köln.
Auch die Nippeser Bürgerwehr ist seit 2001 ein Traditionskorps im Kölner Karneval. Ernannt wurden sie dazu vom Festkomitee-Präsidenten Hans-Horst Engels.  © Horst Galuschka/Imago
Der Festwagen der Bürgergarde Blau Gold am 11.02.2013 beim Rosenmontagszug in Köln.
Die Bürgergarde „blau-gold“ darf sich seit 2001 Traditionskorps im Kölner Karneval nennen. Rund 200 aktive Mitglieder hat die Gesellschaft.  © Horst Galuschka/Imago
Karnevalisten von der Karnevalsgesellschaft Treuer Husar blau-gelb v. 1925 fahren auf Fahrrädern beim Rosenmontagszug.
Seit 2001 dürfen sich auch die Treuen Husaren als Traditionskorps bezeichnen. Ihr Ziel: Den Kampf „gegen Griesgram und Muckertum“ gewinnen.  © Federico Gambarini/dpa
Das Reiterkorps Jan von Werth beim Kölner Rosenmontagszug 2020.
Ein weiteres Traditionskorps im Kölner Karneval: das Reiterkorps Jan von Werth. Die Gesellschaft erhielt ebenfalls 2001 den Ehrentitel. © Christoph Hardt/Imago
Die Präsidenten der traditionellen Karnevalsgesellschaften in Köln feiern gemeinsam auf einer Bühne in Köln und tanzen den Stippeföttche.
Jedes Traditionskorps hat seine eigenen Veranstaltungen und Bräuche. Doch die neun Gesellschaften treten auch immer wieder gemeinsam auf.  © Jens Krick/Imago

Kölner Karneval: Diese Vereine sind Traditionskorps

  • Kölsche Funke rut-wieß von 1823 e.V.: Werden kurz knapp auch als „Rote Funken“ bezeichnet. Die Gesellschaft entstand im selben Jahr wie das Festkomitee Kölner Karneval. Die rot-weiße Uniform erinnert an die Bekleidung der Stadtsoldaten zur Zeit der französischen Besatzung im Rheinland (1794-1814). Derzeit gibt es etwa 550 Rote Funken.
  • Blaue Funken Kölner Funken Artillerie 1870 e.V.: Auch bekannt als die „Blauen Funken“. Bildete sich einst aus einer Stammtischgruppe und persifliert die preußische Armee. Die Blauen Funken führen traditionell den Rosenmontagszug an und sind unter anderem bekannt für ihre „Kamellekanone“, mit der sie Süßigkeiten in die feiernden Jecken schießen.
  • Die Prinzen-Garde Köln 1906 e.V.: Die Prinzen-Garde begleitet den Prinzen im Rosenmontagszug – zu Fuß und auf Pferden. Im Verein sind derzeit etwa 450 Mitglieder aktiv, unterteilt in Fußkorps, Reiterkorps, Reservekorps und „Corps à la suite“.
  • Ehrengarde der Stadt Köln e.V. 1902: Den Verein gibt es eigentlich schon seit 1900, doch im Jahr 1902 nahm die Ehrengerade erstmals am Rosenmontagszug teil. Aktuell besteht die Ehrengarde der Stadt Köln aus etwa 150 aktiven und 400 passiven Mitgliedern, deren grün-gelbe Uniform auch liebevoll als „Spinat mit Ei“ verspottet wird.
  • Kölner KG Nippeser Bürgerwehr 1903 e.V.: Im Jahr 2001 wurde die Nippesser Bürgerwehr vom FK-Präsidenten zum Traditionscorps ernannt. Wegen ihrer in Orange gehaltenen Uniformen werden die Mitglieder der Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr auch „Appelsinefunke“ genannt.
  • Bürgergarde „blau-gold“ von 1904 e.V.: An den Farben der Bürgergarde erkennt man ihre Herkunft: Ehrenfeld. Der heutige Kölner Stadtteil war etwas mehr 21 Jahre eine unabhängige Stadt mit den Wappenfarben Blau und Gold, 1888 wurde Ehrenfeld in Köln eingemeindet. Die heutige Bürgergarde entstand in mehreren Schritten durch den Zusammenschluss von drei Karnevalsvereinen aus Ehrenfeld.
  • Altstädter Köln 1922 e.V.: Erst wurde geredet und getrunken, dann gekegelt und dann organisiert der Frohsinn gefördert. So lässt sich die Entstehung des Vereins zunächst als „Fidele Altstädter“ zusammenfassen. Heute ist daraus eine traditionsreiche Gesellschaft geworden, die in den Corona-Jahren 2021 und 2022 mit Prinz Sven I. (Sven Oleff), Bauer Gereon (Gereon Glasemacher) und Jungfrau Gerdemie (Dr. Björn Braun) das Dreigestirn stellt. Der Name der Jungfrau erinnert an Gerdemie Basseng, die mit ihrem Partner Karl Heinz Basseng 1960 zum ersten Mal eine Hebefigur beim Mariechentanz zeigte. Damals eine Sensation, heute Standard.
  • KG Treuer Husar blau gelb von 1925 e.V. Köln: Veteranen, die während des 1. Weltkrieges in einem Husarenregiment dienten, gründeten diese Karnevalsgesellschaft. Der Name KG Treuer Husar lehnt an das Lied „Der treue Husar“ an, das in seinem Ursprung schon mehr als 200 Jahre auf dem Buckel hat.
  • Reiter-Korps Jan von Werth e.V. 1926: Das Reiterkorps ehrt die Geschichte von „Jan und Griet“. Die Magd Griet verschmähte einst den Knecht Jan, viele Jahre später kehrte dieser als dekorierter Reitergeneral Jan von Werth aus dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Der Verein engagiert sich neben seinen Aktivitäten im Kölner Karneval auch bei der Unterstützung von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung sowie Senioren.

Alle neun Traditionskorps sind – neben vielen anderen Gesellschaften – auch Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval. (kem)

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