VonJohanna Werningschließen
Mit dem Laurenz Carré soll ein neues Quartier nahe dem Dom entstehen. Doch ausgerechnet der geplante Bau bezahlbarer Wohnungen steht jetzt auf der Kippe.
Köln – „Südlich des Domes soll ein attraktives Quartier der Kölner Innenstad entstehen“, hieß es vor noch vor rund einem Jahr von der Stadt. Mit dem Neubau des Laurenz Carré sollten Büros, Geschäfte und Wohnungen in direkter Nachbarschaft zum Kölner Dom entstehen. Doch mit dem Wohnungstraum ist es jetzt offenbar vorbei.
Laurenz Carré in der Kölner Innenstadt soll ohne die 64 Wohnungen weitergebaut werden
„Die Gerch Group hat kurzfristig der Verwaltung mitgeteilt, dass aufgrund des derzeitigen Marktumfelds sowie den erschwerten lagespezifischen Rahmenbedingungen eine Realisierung des Wohnungsbaus am innerstädtischen Standort Laurenz Carré nicht möglich ist“, teilt die Stadt Köln im Stadtentwicklungsausschuss im Juni 2023 mit.
Somit sollen die zuletzt geplanten 64 Wohnungen komplett wegfallen. Sie sollten ursprünglich im südlichen Bereich gebaut werden. Besonders bitter: Davon sollten eigentlich 19 Wohnungen öffentlich gefördert werden – geplant waren also sogenannte Sozialwohnungen, die auch für Menschen mit geringerem Einkommen bezahlbar sein sollen. Doch genau darauf möchte der Bauunternehmer nun verzichten.
„Bitte ist durchaus nachvollziehbar“: Aber wie geht es mit Laurenz Carré in Kölner Innenstadt weiter?
Wie es mit dem Projekt genau weitergeht, ist unklar. „Gerch Group und die Stadt Köln werden sich im Anschluss an die Beschlussfassung kurzfristig über die weitere Vorgehensweise abstimmen“, erklärt die Stadt. Denkbar wäre eine „Vertragsergänzung im Hinblick auf die anderen Regelungen“. Auch in der nächsten Ratssitzung am 15. Juni soll über das weitere Vorgehen im Laurenz Carré gesprochen werden.
Die Stadt Köln erklärt auf Nachfrage vom KStA: „Die aktuellen wirtschaften Rahmenbedingungen treffen aktuell viele Bauvorhaben, insofern ist die Bitte durchaus nachvollziehbar.“ Doch so viel Verständnis haben nicht viele.
Kölner Bündnis ist sauer: Wohnung-Aus am Laurenz Carré könnte schlimme Folgen haben
Für viele Kölnerinnen und Kölner ist die Aussage des Bauunternehmens, den Wohnungsbau am Laurenz Carré zu kippen, ein „skandalöser Vorgang“. „Dabei geht es nach unserer Einschätzung nicht um Verlustvermeidung, sondern um Profitmaximierung eines enthemmten Großkapitals auf Kosten der Bürger und der Lebendigkeit der Stadt“, sagt Burkhard Wennemar vom Bündnis Innenstadt.
„Ein Verzicht der Stadt auf den vertraglich klar vereinbarten Bau der Wohneinheiten würde dazu führen, allen nach außen propagierten Bemühungen um Errichtung bezahlbaren Wohnraums künftig jedwede Glaubwürdigkeit abzusprechen.“ Und damit nicht genug, so Wennemar weiter. Es würde einen „höchst unseligen Präzedenzfall für künftige Investoren schaffen“.
Falls an so einer Handhabe auch an anderen Großprojekten wie beispielsweise bei der Historischen Mitte Köln festgehalten wird, könnte es sogar eine „Innenstadt ohne Bewohner“ geben, befürchtet Wennemar vom Bündnis Innenstadt. Man appelliere daher an Rat und Verwaltungsspitze, „Selbstachtung zu bewahren“ und „auf der Erfüllung der vertraglich vereinbarten 64 Wohnungen zu bestehen, inklusive der 19 Sozialwohnungen.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Horst Galuschka/Imago

