Kommunalwahl 2025

Dirk Lampersbach will für Bürgermeisteramt kandidieren: „Ich bin nicht die da oben“

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Dirk Lampersbach - hier im Gespräch mit Bürgern am Teich - hofft, am Freitagabend zum Bürgermeisterkandidaten der SPD für Bönen gekürt zu werden.
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Im September 2025 sind die Bönener aufgerufen, ihre Ratsvertreter und den Bürgermeister wählen. Dirk Lampersbach hat bereits seinen Hut in den Ring geworfen. Am Freitagabend muss die SPD seine Kandidatur noch absegnen, bisher gibt es keine weiteren Bewerber. Amtsinhaber Stephan Rotering will Ende September bekannt geben, ob er ein drittes Mal zu Wahl steht.

Bönen – Im September 2025 stehen die nächsten Kommunalwahlen an. Die Bönener sind aufgerufen, ihre Ratsvertreter und den Bürgermeister der Gemeinde zu wählen. Seit zwei Legislaturperioden ist der parteilose Stephan Rotering Chef der Gemeindeverwaltung, getragen von CDU, Grünen, FDP und BgB. Bereits warm macht sich für den Wahlkampf der Kandidat der größten Ratsfraktion SPD: Dirk Lampersbach. Er hatte schon vor Monaten seinen Hut in den Ring geworfen und angekündigt, dass er Bürgermeister von Bönen werden will. An diesem Freitagabend findet die Gemeindeverbandsdelegiertenkonferenz im Gasthaus Böinghoff statt, um den Kandidaten zu küren.

Der Kandidat

Dirk Lampersbach (52 Jahre) arbeitete nach dem Realschulabschluss zunächst als Postzusteller. 1993 zog er nach Bönen. Seit 1999 arbeitet Lampersbach als Justizvollzugsbeamter in der JVA Schwerte. Seit 27 Jahren ist er Mitglied der SPD, vor zwei Jahren hat er den Vorsitz der SPD-Ratsfraktion übernommen.

Lampersbach ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von neun und elf Jahren. Die Freizeit, die neben Ehrenamt und Lokalpolitik bleibt, widmet er der Familie.

Bislang ist keine Konkurrenz in den eigenen Reihen in Sicht. Dirk Lampersbach ist der einzige Kandidat, der sich innerhalb der SPD für das Amt des Bönener Bürgermeisters zur Wahl stellt. Möglich wären aber noch weitere Bewerbungen am Freitagabend.

Vier Parteien würden erneut Rotering unterstützen

Auch der oder die Gegenkandidat/en stehen noch nicht fest. Die vier Parteien CDU, Grüne, FDP und BgB, die 2015 ein Bündnis schlossen und Stephan Rotering als gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten ins Boot holten, und auf Anhieb haushoch die Wahl für sich entscheiden konnten, stehen auch für eine dritte Wahlperiode hinter Rotering, wie Torsten Goetz, Vorsitzender der Bönener CDU, betont. Rotering muss nun entscheiden, ob er ein drittes Mal antreten wird. „Das wird sich Ende September entscheiden“, sagt Rotering auf Anfrage.

„Sollte er sich gegen eine weitere Kandidatur aussprechen, werden wir einen anderen Kandidaten aufstellen – es wird also auf alle Fälle einen Gegenkandidaten zu Dirk Lampersbach geben“, versichert Torsten Goetz.

Dirk Lampersbach erläutert seine Beweggründe, warum er sich als Bürgermeisterkandidat aufstellen lässt.

Vor der Delegiertenkonferenz der SPD haben wir den Kandidaten Dirk Lampersbach zu seiner Motivation und seinen Plänen befragt.

Rechnen Sie mit einem weiteren Kandidaten aus den Reihen der SPD?

Bei mir hat sich bisher niemand gemeldet. Ich habe immer gesagt, dass das ein offenes Verfahren ist, insofern habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn sich ein weiterer Kandidat meldet. Ich hab mich relativ früh positioniert, aber wenn man Transparenz und Offenheit fordert, dann ist es legitim, wenn andere den Hut in den Ring werfen. Wir haben das auch schon erlebt, dass jemand in einer Versammlung aufgestanden ist und verkündet hat, dass er kandidiert.

Warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Ich hab eine ganz klare Vorstellung davon, was ein Bürgermeister machen sollte. Das hat was mit Kommunikation und Präsenz zu tun. Es gab für mich ein Schlüsselerlebnis in einer Ausschusssitzung, wo es um die Sportplätze am Turm ging und viele Ehrenamtler aus den Vereinen anwesend waren. Der amtierende Bürgermeister erklärte, dass er die Gemeinde führen müsse wie ein Unternehmen und verließ anschließend den Raum. Ich finde, es ist der Job eines Bürgermeisters, den Menschen zuzuhören. Ich hab mich darüber geärgert und meine Frau sagte, warum kandidierst du dann nicht? So entstand der Gedanke, sich zur Wahl zu stellen. Mir ist auch klar, der Job bedeutet, anders als jetzt, dass man immer ansprechbar ist und dass das eine Veränderung meines Lebens bedeutet. Meine Familie trägt das mit, anders wär das nicht möglich.

Was qualifiziert Sie für die Aufgabe? Immerhin ist das Rathaus vergleichbar mit einem mittelständischen Unternehmen.

Einerseits ähneln sich die Strukturen der Verwaltungen, ob Post, Justiz oder Gemeinde. Jede Verwaltung hat aber auch ihr Eigenleben. Ich weiß nicht, was im Detail auf mich zukommen wird. Man sieht die Anforderungen des Amtes immer nur von außen. Aber ich mache mir keine Sorgen über das Führen der Verwaltung. Wir haben eine funktionierende Verwaltung und für die Zahlen einen Kämmerer. Die Mitarbeiter im Rathaus setzen nach der Wahl ihre Arbeit ja fort und geben mir den nötigen Input.

Viele große Projekte sind auf den Weg gebracht. Werden Sie das fortführen?

Die Liste mit Handlungsbedarf ist lang: OGS, Feuerwehrgerätehaus, Tunnelanbindung, Bahnhofsumfeld, Neubau Bahnhofstraße, Altentagesstätte, Ermelinghalle, Bauhof, Go in... Viele Maßnahmen tragen wir als SPD ja mit. Für mich hat alles, was mit Schule zu tun hat, Priorität. Und das Feuerwehrgerätehaus für die Ehrenamtler, die ins Feuer reinlaufen, wenn wir rauslaufen. Ich diskutiere gerne offen mit allen Parteien darüber, was können wir uns noch erlauben. Das letzte, was ich möchte, ist 700 000 Euro Eigenmittel in die Fußgängerzone investieren.

Was würden Sie anders machen als ihr Vorgänger?

Der erste Repräsentant ist der gewählte Bürgermeister. Es ist mein Anspruch an das Amt, dass man die Gemeinde nicht nur verwaltet, sondern sich blicken lässt bei wichtigen Anlässen und mit den Menschen redet. Das sind ja auch meine Nachbarn. Wir reden viel von Politikverdrossenheit und meckern über die da oben. Ich bin nicht „die da oben“, ich wohne im Rehwinkel 23 und bei mir kannste klingeln. Ich gehe jetzt schon auf den Fußballplatz und zu den Vereinen, nicht erst wenn ich gewählt werde. Mehr Kommunikation mit dem Bürger – auch im Vorfeld von Entscheidungen, mehr Präsenz, und ein besseres Klima im Rathaus, um die Mitarbeiterfluktuation zu beenden sowie Migration, Schule, Ehrenamt, Ordnung und Sauberkeit – da liegen zusammen gefasst meine Prioritäten.

Was sind die größten Herausforderungen?

Die Kommunen sind strukturell unterfinanziert. Wir reden immer davon, wie wir das ändern können, aber ich sehe das nicht. Die Chance für einen Altschuldenschnitt tendiert nach meiner Ansicht gegen null. Wir in Bönen sind maßgeblich davon abhängig, was in unserem Industriegebiet passiert und damit von der Gewerbesteuer. Ich gehe davon aus, dass die Konjunkturdaten noch zwei Jahre stabil sind, und dann müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit der Grundsteuer und der Finanzierung von Einzelprojekten umgehen möchten bei rasant steigenden Kreisumlagen. Wer Luftschlösser bauen will und gleichzeitig verspricht, die Grundsteuer zu senken, der lügt. Oberstes Ziel muss es sein, den Hebesatz zu halten.

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