VonMaximilian Gangschließen
Der Imbiss ist auf den Märkten in Gelsenkirchen eine Institution. Betreiber Franky van Hintum war für Hilfsaktionen in der Ukraine – und hat Dramatisches erlebt.
Gelsenkirchen – Eine Straße, die einem Trümmerfeld gleicht. Häuser, bis auf die Grundmauern zerstört. Dichte, dunkle Rauchmassen steigen über den Ruinen empor, eine Alarmanlage schrillt. Menschen rennen, um sich in Sicherheit zu bringen. Ein Video zeigt die Momente kurz nach einem Raketenangriff auf die Stadt Kramatorsk im Osten der Ukraine, unweit von Donezk. Gefilmt hat die dramatischen Szenen der Imbissbetreiber Franky van Hintum aus den Niederlanden. Viele Menschen aus NRW, vor allem aus Gelsenkirchen, dürfte er bekannt sein: Regelmäßig ist er mit seinem Imbisswagen auf den Gelsenkirchener Märkten unterwegs, verkauft dort Pommes , Frikandeln und Co.
In NRW bekannte Imbissbetreiber verschenken Essen in der Ukraine – dann schlägt eine Rakete ein
So hat er normalerweise einen Stammplatz auf dem Feierabendmarkt in Gelsenkirchen-Buer. Doch seit der russischen Invasion in die Ukraine ist vieles nicht mehr normal. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Coen von Oosten reist der Niederländer seit März 2022 regelmäßig in das Kriegsgebiet, um dort tausende Portionen Pommes und Snacks pro Tag an die notleidenden Menschen vor Ort zu verschenken. Gemeinsam mit Musik, guter Laune und schöner Dekoration wollen die Imbiss-Betreiber so ein wenig Freude in den tristen Kriegsalltag bringen.
Mittlerweile waren van Hintum und von Oosten mit ihrem Imbisswagen zwölfmal in der Ukraine – häufig nur wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt. Mit Soldaten seien sie auch mehrmals an die Front gefahren, um die Situation mit eigenen Augen zu sehen. Doch am 27. Juni, dem Tag des Raketenangriffs, war alles anders. „Während wir in aller Ruhe im Restaurant aßen, schlug eine Iskander-Rakete in das Restaurant ein“, schreiben die beiden Helfer auf Ihrer Website. Die Niederländer hatten großes Glück: Genau in dem Bereich, in dem sie saßen, stürzte das Dach nicht ein. Das sei ihre „Rettung“ gewesen.
Ukraine-Krieg: Tote und Verletzte nach Raketenangriff – „meist sehr junge Menschen“
Schon Momente nach dem Angriff ist für van Hintum klar: „Wir konnten entkommen, aber sicher sind die Menschen dort tot, es gibt keinen anderen Weg“. Traurigerweise sollte der Niederländer damit Recht behalten: Laut den Behörden vor Ort starben 13 Menschen in der Folge des Raketenangriffs, darunter auch drei Kinder. Dutzende weitere wurden verletzt. Unter den Toten seien auch viele Bekannte der Imbissbetreiber gewesen, wie sie schreiben: „Dabei handelte es sich zumeist um sehr junge Menschen und, um das festzuhalten, um ganz normale, unschuldige Bürger“.
Im Video, das die beiden Niederländer auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht haben, zeigt eine Bekannte von van Hintum im Nachgang das Ausmaß der Zerstörung durch den Raketenangriff. Bilder, wie sie mit Worten kaum zu beschreiben sind. Von dem Restaurant ist nur Schutt und Asche übriggeblieben. Die Rakete hat an ihrem Einschlagsort ein großes Loch in die Erde gerissen. Es sei der Ort, an dem sie Pizza und Sushi gemacht haben, erklärt die Frau. Unweit davon hätten sie gesessen.
Imbissbetreiber aus Gelsenkirchen überleben Raketenangriff – und reisen erneut in die Ukraine
Eine weitere Szene zeigt eine Gedenkstätte, die in Kramatorsk nach dem Raketenangriff errichtet wurde. Man sieht Bilder der Opfer: Junge Männer und Frauen. Menschen haben Blumen, Kerzen und Stofftiere dort abgelegt. Die Frau schildert, wie schwer es für sie sei, so kurz nach dem Angriff dort zu sein. „Du verstehst warum, weil du auch hier warst“, so die Worte, die sie an den van Hintum richtet. Stellvertretend für den Niederländer legt sie Blumen dort ab.
Sie seien glücklich, lebend und gesund wieder in den Niederlanden zu sein, schildern van Hintum und von Oosten in dem Video. An ihrer Hilfsmission habe sich nach dem Erlebnis nichts geändert: „Was an diesem Tag geschah, hat uns nur noch mehr darin bestärkt, die Ukraine zu unterstützen“, schreiben die Imbissbetreiber. Ihre nächste, ihre 13. Reise in das Kriegsgebiet in der Ukraine ist bereits geplant. Aktuell sammeln sie Spenden, um die Kosten für ihre Hilfe zu decken. Sie wollen trotz ihrer Erlebnisse weiterhin „ihr Möglichstes [tun], um den Opfern dieses Krieges zu helfen“. (mg)
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