Secondhand-Kaufhaus der Awo

Krieg und Inflation: Nachfrage in der „Stöberei“ deutlich gestiegen

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Das Team der Bergkamener Stöberei: Die Filiale von Christian Jäkel, Melina Jacobi und Jörg Kingsley (von links) besuchen aktuell mehr Menschen als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Das fällt auch DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski auf.
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Im Sommer sinkt der Umsatz des Bergkamener Secondhand-Kaufhauses Stöberei normalerweise. Saisonkleidung, Sommerferien, es kommen weniger Kunden. Nicht aber in diesem Jahr. Ein Anlass zur Freude? Keineswegs. Denn die Gründe für den besseren Umsatz sind Krieg und Verzweiflung.

Bergkamen – Zwischen Mai und Juni herrschte in den vergangenen Jahren Flaute am Standort Bergkamen. „Aber wir spüren aktuell, dass mehr Menschen als sonst kommen“, erklärt Standortleiter Christian Jäkel. Das belegen auch die Zahlen. Der Umsatz sinke in den Sommermonaten meist um zehn bis 20 Prozent, so DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski. „Aktuell bleibt der Umsatz aber stabil“, erklärt er.

Lieferservice unter Volllast

Grund dafür ist unter anderem der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Viele Menschen fliehen vor dem Krieg, vor Bomben, vor dem Tod. Auch nach Bergkamen. „Es kommen sehr viele Ukrainerinnen und Ukrainer hier her und decken sich mit Kleidung und Möbeln ein“, sagt Jäkel. Wenn etwas vor Ort fehle, frage er an anderen Standorten nach, so der 55-Jährige. „Dann können die Kunden das dort abholen.“

Standortleiter Christian Jäkel (r.) im Verkaufsgespräch mit Stammkunde Moüssa Toure, der Gefallen an einem Sessel gefunden hat.

Der Lieferservice, den die Bergkamener Filiale anbietet, etwa um schwere Möbel zu transportieren, sei vollkommen überlastet. „Die kommen gar nicht mehr hinterher“, sagt Jäkel.

Die Mitarbeitenden stellen sich auf die neuen Kunden ein, kommunizieren teilweise über eine Übersetzer-App mit den Geflüchteten. „Viele Geflüchtete kommen trotz allem mit einem Lächeln hierher“, erklärt Jäkel.

Das Konzept

Das Secondhand-Kaufhaus Stöberei der DasDies-Service GmbH ist ein Integrationsbetrieb. In den Filialen arbeiten unter anderem Menschen mit Behinderung, ehemals Langzeitarbeitslose, jugendliche Arbeitslose oder auch Migranten. Also Gruppen, die am Arbeitsmarkt teilweise benachteiligt sind. Wer das Sortiment erweitern und etwas spenden möchte, kann dies jederzeit während der Öffnungszeiten in den Kaufhäusern tun. Wichtig: Die Ware soll in gepflegtem Zustand sein. Um Spendenanfragen kümmert sich Marcel Neuhaus, erreichbar per E-Mail an spenden@dasdies.de oder telefonisch unter der Nummer 02307/7199169.

Ein weiterer Grund für den starken Anlauf: die Inflation. Preise steigen, doch das Einkommen bleibt gleich. Plötzlich bekommt man für das gleiche Geld viel weniger Gut. „Wir merken das. Viele Menschen bedienen sich hier, um noch etwas zu sparen“, so der 55-jährige Standortleiter.

Besonders beliebt seien neben Kleidung und Möbeln auch im Einzelhandel teure Elektrogeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke. „Wir haben vor allem Weißware, also beispielsweise Küchengeräte“, sagt Geschäftsführer Kozlowski.

Wer hat noch Kinderräder?

Spendenaufruf: In Zusammenarbeit mit der humanitären Hilfe der Awo bittet die Stöberei, dass Kinderfahrräder gespendet werden. Diese gibt die Awo an geflüchtete Kinder aus. der Ukraine weiter. Die Räder können in der Stöberei Bergkamen, Leibnizstraße 1, abgegeben werden.

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