„Altes Fährhaus“

Beliebtes Restaurant ist insolvent: Standort „zu groß und zu teuer“

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Trotz Insolvenz: Der Geschäftsbetrieb im „Alten Fährhaus“ läuft bis auf Weiteres ganz normal weiter.
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Der Geschäftsführer des „Alten Fährhauses“ im Hammer Kurpark hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Restaurantbetrieb läuft zunächst regulär weiter.

Hamm – Gehen nach sechs Jahren wieder die Lichter aus? Das „Alte Fährhaus“ im Hammer Kurpark steckt offenbar in einer Liquiditätskrise und hat Pachtrückstände beim Eigentümer, der Klinik für Manuelle Therapie (KMT). Fährhaus-Geschäftsführer Olaf Weber hat nunmehr die Reißleine gezogen und in der vergangenen Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Fast zeitgleich sorgt eine Online-Kleinanzeige für Verwirrung in der Gastro-Szene Hammer Osten.

Das „Alte Fährhaus“ im Hammer Kurpark hat Insolvenzantrag gestellt

Das Dortmunder Insolvenzgericht bestätigt das und hat am Freitag, 23. August, öffentlich bekannt gegebenen, dass der Hammer Rechtsanwalt Dr. Michael Bien im Fährhaus-Fall zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist. Von der Kanzlei wurde dem WA am Dienstag, 27. August, mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb im Fährhaus zumindest bis auf Weiteres ganz normal weiterlaufen werde. Hochzeitsfeiern und alle übrigen dort gebuchten Veranstaltungen würden weiter stattfinden. Ebenso könne man dort auch weiterhin zu den üblichen Öffnungszeiten essen gehen. Für weitere Angaben zur Unternehmenssituation sei es noch zu früh. „Wir müssen uns jetzt erst einmal einen Überblick verschaffen.“

Fährhaus-Pächter Olaf Weber bestätigte ebenfalls, dass der Betrieb in den nächsten Monaten weiter gehe. „Die Veranstaltungen sind gesichert und das Restaurant bleibt geöffnet“, sagte Weber am Dienstag dem WA. Eine Ausnahme müsse jedoch an diesem Wochenende gemacht werden. Am Freitag und Samstag (30., 31. August) bleibe das Restaurant geschlossen. „Da haben wir eine große Feierlichkeit und können wegen akuter Personalprobleme keine weiteren Gäste bewirten. Mit dem Insolvenzverfahren hat das aber nichts zu tun.“

„Zu groß und zu teuer“: Fährhaus-Geschäftsführer hadert mit Restaurantgebäude

Weber hatte das Fährhaus im November 2018 übernommen. Zuvor waren „Hohoffs 800°“ nach drei Jahren mit ihren Edel-Steaks und die KMT selbst als Betreiber einer hochklassigen Gastronomie (nach einem Jahr) gescheitert.

„Das erste Jahr war wirklich super“, sagt Weber über seine Zeit im Fährhaus. Danach sei es aber bergab gegangen. Erst Corona, dann die Energiekrise und jetzt unter anderem die erhöhte Mehrwertsteuer: „Das Fährhaus ist zu groß und zu teuer, um es wirtschaftlich betreiben zu können“, so Weber. Allein die monatlichen Stromkosten beliefen sich auf rund 3 000 Euro. Negativ hätten sich auf die Baustelle an der KMT und aktuell die an der Fährstraße ausgewirkt.

Geschäftsführer verzichtete für das „Alte Fährhaus“ auf Gehalt

Weber hatte 2018 mit seinem Nachnamens-Vetter Jürgen Weber (nicht verwandt) im Hammer Osten begonnen. Parallel hatten beide in Kamen das Hotel-Restaurant „In der Kaiserau“ betrieben. Mitte 2019 kam es zum Bruch. Olaf Webers Ehefrau Ivonne wurde sodann als Betriebsleiterin fürs Fährhaus eingestellt, Weber selbst arbeitete die ganze Zeit in seinem Hauptberuf in der Chemieindustrie weiter. „Für den Fährhaus-Betrieib habe ich mir kein Gehalt gezahlt“, sagt der 58-Jährige.

KMT-Geschäftsführer Karl Ehrmann bestätigte gegenüber dem WA, dass es Pachtrückstände gebe. Der vorläufige Insolvenzverwalter habe sich noch nicht gemeldet. „Wir warten jetzt erst einmal ab“, sagte Ehrmann am Dienstag. Sollte die Unternehmenskonsolidierung scheitern, werde die KMT „sicherlich“ nach einem neuen Pächter suchen.

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