- VonJörg Beuningschließen
[Update] Die Landfleischerei Engel in Rhynern wird am Silvestertag zum letzten Mal öffnen. Die Nachricht verbreitet sich im Ort wie ein Lauffeuer.
Hamm - Am Donnerstagmittag wurden die Mitarbeiter der Landfleischerei Engel endgültig über das bevorstehende Aus des Traditionsgeschäfts informiert. Schon zwei Tage später sollen sie ihren letzten Arbeitstag haben. Am Samstag, 31. Dezember, ist um 12 Uhr Schluss.
Während der Öffnungszeit am Freitagvormittag informierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits die Kunden. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Ort, wo sie Bestürzung auslöste.
„Rhynern ohne Metzger ist kaum vorstellbar“, sagte eine Kundin nach ihrem letzten Einkauf dort. Andere nahmen die Information leicht ungläubig zur Kenntnis. „Wie konnte das passieren? Das Geschäft lief doch immer sehr gut“, meinte ein Kunde.
Ein von der Belegschaft unterzeichneter Aushang an der Eingangstür richtet sich an die vielen Stammkunden der vergangenen Jahrzehnte: „Im Rahmen unserer Geschäftsschließung möchten wir uns herzlich für ihr langjähriges Vertrauen bedanken, das wir während der gesamten Zeit unserer Zusammenarbeit genießen durften“, heißt es dort.
Fleischerei Engel: Betrieb seit Monaten in Schieflage
Der Betrieb war in den vergangenen Monaten in finanzielle Schieflage geraten. Anfang November hatte das Amtsgericht Dortmund die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bekannt gemacht. Vorübergehend gelang es, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Belegschaft erhielt – auch rückwirkend – ihren Lohn über das Insolvenzgeld. Auch die Einkäufe der Produkte waren zunächst gesichert. Nun aber ist klar, dass es mit der 1881 gegründeten Fleischerei nicht mehr weitergeht.
„Der Betrieb hatte keine Perspektive mehr“, teilte der zuständige Insolvenzverwalter Dr. Sebastian Henneke auf Nachfrage mit. Es habe zwar erst gemeinte Interessenten für eine Übernahme an diesem Standort gegeben. „Aber das ließ sich nicht realisieren“, so Henneke. Unter anderem müsste in die Immobilie investiert werden, um alle Vorgaben nach heutigen Stand zu erfüllen. Bislang hatte der Betrieb dort diesbezüglich Bestandschutz. „Die Entwicklung ist sehr schade“, gab Henneke zu. „Wir Insolvenzverwalter treten immer mit dem Anspruch an, eine Fortführung des Betriebs zu erreichen. Aber hier hat es nicht geklappt. Dafür waren die äußeren Umstände nicht gegeben.“
Arbeitsmarkt sucht Fachpersonal
Immerhin, so denkt Henneke, dürfte die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz für die Beschäftigten gute Erfolgsaussichten haben. „Der Markt sucht händeringend nach gutem Personal“, so der Anwalt, der im neuen Jahr das eigentliche Insolvenzverfahren abwickeln muss. Warum es trotz augenscheinlich gut besuchter Fleischtheke im Laden an der Reginenstraße zu diesen Schwierigkeiten gekommen ist, konnte oder wollte Henneke zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.