„Es ist eine Katastrophe“

Lange Staus wegen Kreisel-Baustelle – Stadt ergreift Maßnahmen

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Vor allem die Kreuzung Eichstedt-/Römerstraße ist zum Nadelöhr geworden. Die Stadt will mit einer Änderung der Ampelschaltung (längere Grünphase für die Eichstedtstraße) für ein besseres Durchkommen sorgen.
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Es geht kaum voran, zumindest in Stoßzeiten wie dem morgendlichen Berufsverkehr. Vor allem im Umfeld der Kreuzung Eichstedt-/Römerstraße in Bockum-Hövel bilden sich seit Kurzem immer wieder längere Staus. Die Stadt verspricht Abhilfe – auch an einer zweiten Kreuzung.

Bockum-Hövel – Dem ärgerlichen Verkehrschaos liegt eigentlich eine positive Nachricht zugrunde. So gehen die Arbeiten zur Straßen- und Kanalsanierung im Bereich der Kreiselbaustelle Hammer Straße/Bülowstraße – Luftlinie zum Nadelöhr rund 800 Meter – kontinuierlich voran. Der bauliche Fortschritt allerdings änderte vor wenigen Tagen auch die Wege der Auto- und Lastwagenfahrer: Eine wichtige und viel genutzte Umleitungsstrecke ist weggefallen.

Es ist jene über die Friedrich-Ebert-, die Rautenstrauch- und die Hohenhöveler Straße. Diese kurze Umfahrung gibt’s nicht mehr, weil die Hammer Straße jetzt – aus Sicht stadtauswärts Fahrender – schon vor dem Bahnübergang dicht ist.

„Große“ Umleitung wird kaum angenommen

Zwar ruft die Stadt Hamm per Beschilderung dazu auf, die Baustelle weiträumig zu umfahren. Diese „große“ Umleitung über Römer-, Ermelinghof-, Horster, Oberholsener und Janssenstraße scheint aber eher gemieden zu werden. Eine ortskundige Vielzahl der Verkehrsteilnehmer schlängelt sich vielmehr über die Eichstedtstraße, wobei die hier zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zuweilen kaum noch erreicht werden kann.

Artur Florensky wohnt in Bockum-Hövel. Zur Arbeit jenseits der Lippe benötigt er üblicherweise zehn Minuten. „Jetzt sind’s meistens 30“, berichtet er. Der Umstieg auf ein anderes Verkehrsmittel? „Bei Schichtarbeit nicht immer möglich.“

Die Kreisel-Baustelle von oben: Der Abschnitt zwischen Bahnlinie (rechts) und Hohenhöveler Straße ist seit Kurzem gesperrt – und damit auch die bisherige Umleitung.

Florensky sagt, dass die Straßen in Bockum-Hövel auch angesichts der Kreiselbaustelle „chronisch verstopft“ seien. Die jüngste Entwicklung bringe das Fass zum Überlaufen, zumal „eine der am stärksten frequentierten Ampelkreuzungen“ völlig überlastet sei.

„Fragwürdige Verkehrspolitik“

Gemeint ist der Bereich, an dem Eichstedt- und Warendorfer die Römerstraße queren. „Bei Grün schaffen’s nur drei bis vier Fahrzeuge drüber“, moniert Florensky. Offenbar habe niemand in Erwägung gezogen, die Ampelphasen dem erhöhten Verkehrsaufkommen anzupassen, um längere Rückstaus zu vermeiden. Florensky spricht – auch angesichts von Problemen andernorts – von einer „fragwürdigen Verkehrspolitik“ in der Stadt.

Florenskys Wahrnehmungen decken sich mit anderen. Eine Bockum-Hövelerin berichtet, dass sie am Morgen gegen 7.15 Uhr von ihrem Wohnort zum Bürgeramt gefahren sei. Die Fahrt habe sechs Minuten gedauert. Zurück über die Eichstedtstraße habe sie hingegen 20 Minuten benötigt. „Es ist die reinste Katastrophe.“ Auch vor der Römerstraßen-Ampel am Abzweig Hammer Straße/Bockumer Weg gen Süden sei das Durchkommen teils deutlich erschwert, heißt es.

„Situation ist alternativlos“

Bei der Stadt seien zwar noch keine konkreten Beschwerden aufgelaufen, die „angespannte und verkehrlich schwierige Situation rund um die ,wandernde’ Baustelle Hammer Straße/Bülowstraße“ sei der Verwaltung aber nicht zuletzt durch tägliche Vor-Ort-Besuche bekannt, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. Und die Situation sei „alternativlos“, ergänzt er mit Blick auf die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Straßensanierung.

Weiter Richtung Bockum

Die Arbeiten für den Bau des Kreisverkehrs Hammer Straße/Bülowstraße begannen im April 2023. Stadt Hamm und Lippeverband investieren hier 4,7 Millionen Euro, wobei das Gros (4,5 Millionen Euro) von der Stadt getragen wird. Nach Fertigstellung „wandert“ die Baustelle die Hammer Straße weiter in Richtung Bockum. Dort steht die Erneuerung der Straße bis zur Friedrich-Ebert-Straße an. An der dortigen Einmündung entsteht ein weiterer Kreisverkehr. Der aktuellen Baumaßnahme sind – seit Mitte 2019 – weitere umfangreiche Straßen- und Kanalsanierungen in dem Bereich vorausgegangen. Beteiligt daran waren auch die Stadtwerke.

Allerdings: Die Stadt wolle kurzfristig Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu verbessern, so ihr Sprecher. „Wir werden die Verkürzungen der Abbiegespuren an der Kreuzung Römerstraße/Hammer Straße/Bockumer Weg ändern, um den Rückstau zu minimieren“, kündigt er an. „Zudem wird die Ampelschaltung an der Kreuzung Römerstraße/Eichstedtstraße angepasst, sodass die Eichstedtstraße eine längere Grünphase bekommt.“

Zunächst alles wie vorher

Herberg verweist auf „große Hinweistafeln mit Blinklicht“, die aufgestellt worden seien und frühzeitig auf die Sperrung und die zugehörige „große“ Umleitung hinweisen würden. Jedoch werde diese in der Tat bisher nicht ausreichend angenommen. Dafür, so ergänzt er, könne die Verbindung Hohenhöveler Straße/Hammer Straße – Stand heute – voraussichtlich in vier Wochen wieder freigegeben werden. Das setze allerdings voraus, dass die Witterung einen Fortschritt der Arbeiten ermögliche.

In der Folge gelte zunächst wieder die Verkehrsführung wie vor dem 10. Januar, kündigt Herberg an. Zwei bis drei Wochen später werde dann zusätzlich die Hammer Straße zwischen Hohenhöveler Straße und Bülowstraße freigegeben. Allerdings müsse in diesem Zuge die Verbindung Hammer Straße „hoch“ Richtung Friedrich-Ebert-Straße gesperrt werden. Dort werde dann der zweite Kreisverkehr gebaut.

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