Einsatz zwischen Hamm und Bergkamen

Männliche Leiche im Auto aus Kanal geborgen - Familientragödie?

+
Zwei Feuerwehrtaucher sorgten im Kanal für die traurige Gewissheit. (Symbolbild)
  • schließen

Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr haben eine Leiche aus dem Datteln-Hamm-Kanal geborgen. Vieles deutet auf eine immense Tragödie hin.

Hamm/Kreis Unna - Der am Dienstagnachmittag, 11. April, geborgene Tote befand sich in einem Pkw, der offenbar schon vor Monaten in das Gewässer im Grenzgebiet zwischen der Stadt Hamm und dem Kreis Unna geraten und mehrfach von Schiffen überfahren worden war. Es handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen 27-jährigen Mann aus Bergkamen, der seit November 2022 vermisst worden war.

Sollte dies zutreffen, gehen die Ermittler von einem Suizid aus. Zwar handelt es sich offenbar um das Fahrzeug des vermissten 27-Jährigen, ferner wurden im Innern Ausweisdokumente des 27-Jährigen gefunden. Bis zum Mittwoch war der Leichnam allerdings nicht identifiziert. Insofern hat eine Öffentlichkeitsfahndung der Polizei Unna nach dem 27-Jährigen weiterhin Bestand.

Toter Mann im Datteln-Hamm-Kanal: Vater beging im Sommer Suizid

Die besondere Tragik rührt aus dem Umstand, dass im Juni 2022 der Vater des jungen Mannes bereits einen Suizid begangen und sich mitsamt seines Autos im Kanal versenkt hatte – ebenfalls in Sandbochum, und offenbar exakt an der Stelle, an der am Dienstag der Renault Clio des Jüngeren aus dem Kanal geborgen wurde. Auch der 57-jährige Vater war im Sommer 2022 gut eine Woche als vermisst gemeldet und zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Ein Angler hatte die Ermittler am Samstag, 8. April, auf die Spur gebracht. Der Mann hatte in Höhe der A1-Autobahnbrücke in Sandbochum geangelt und eine Stoßstange im Wasser treiben sehen. Er verständigte die Polizei, die gemeinsam mit der Feuerwehr eine größere Suchmaßnahme einleitete.

Toter Mann im Datteln-Hamm-Kanal: Renault Clio mit Kran geborgen

Mit Sonarbooten und Leichenspürhunden wurde am Wochenende entlang des Kanals gesucht. Diese Maßnahmen blieben aber zunächst ohne Erfolg.

Das Bild zeigt die Autobahnbrücke der A1 über dem Datteln-Hamm-Kanal. Nur wenige hundert Meter in Richtung Hamm (hier rechts) wurde das Auto mit dem Leichnam geborgen. In die andere Richtung geht es nach Bergkamen-Rünthe.

Am Dienstag rückte die Kräfte dann noch einmal aus und starteten eine weitere Suchaktion. Von einem mit Sonar ausgestatteten Feuerwehrboot aus wurde wenige hundert Meter östlich der Autobahnbrücke das Autowrack geortet. Zwei Feuerwehrtaucher sorgten schließlich für Gewissheit. Der Renault Clio wurde mittels Luftkissen an die Oberfläche gebracht und schließlich mit einem Kran aus dem Wasser gehoben.

Toter Mann im Datteln-Hamm-Kanal: Reifenspuren am Kanalufer

Das Fahrzeug war insbesondere im Dachbereich beschädigt, was die Polizei am Mittwoch damit erklärte, dass offenbar mehrfach Schiffe über das Wrack hinweggefahren waren und dieses touchiert hatten. Wie tief der Kanal an der Fundstelle ist, ließ sich am Mittwoch nicht klären. Für die Dauer der Bergung wurde der Kanal am Dienstag für die Binnenschifffahrt gesperrt.

Bereits im November war vermutet worden, dass der 27-Jährige mit seinem schwarzen Renault Clio in den Kanal gefahren sein könnte. Reifenspuren des Fahrzeugs waren schon da unweit des jetzigen Fundorts am Kanalufer gefunden worden. Die Feuerwehr hatte seinerzeit den Kanal auf einer Strecke von 600 Metern mit einem Sonarboot abgesucht. Der stundenlange Einsatz war damals ohne Ergebnis geblieben. 

Hinweis der Redaktion

Wir berichten in der Regel nicht über (mögliche) Suizide, weil leider durch die Berichterstattung die Nachahmerquote erhöht wird. Wir machen eine Ausnahme, wenn viele Menschen betroffen sind. Wenn Sie sich selbst in einer Krisensituation befinden, suchen Sie sich bitte Hilfe, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111).

Erst am Mittwoch wurde ein 13-jähriges Mädchen wohlbehalten aufgefunden, das seit Montag als vermisst gegolten hatte. Ein Vermisstenfall von vielen, der gut endete. Doch das ist beileibe nicht selbstverständlich, wie die Nachfrage beim Landeskriminalamt (LKA) ergab.

Alle Blaulicht-News jeden Abend per Mail: Abonnieren Sie unseren kostenlosen Polizei-Report.

Kommentare