Märkischer Kreis

Phänomenta, Lichtrouten, Siku-Autos und viel Natur in Lüdenscheid

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Bei Nacht leuchtet der Phänomenta-Turm weithin sichtbar und macht sich selbst zu einem Wahrzeichen Lüdenscheids.

Lüdenscheid ist mehr als der Name einer Loriot-Figur. Die bergige Stadt im Sauerland ist bekannt für die Phänomenta, die A45, Siku-Spielzeugautos und viel Natur.

Lüdenscheid - Die wenigsten Menschen kennen die Stadt Lüdenscheid, doch Millionen Deutsche haben dank Loriot schon ihren Namen gehört. Der Streit um eine Quietsche-Ente zwischen Dr. Klöbner und einem gewissen „Herrn Müller-Lüdenscheidt“ ist in die Fernsehgeschichte eingegangen. Doch Lüdenscheid, die Stadt, hat mehr zu bieten als einen Mann in einer Hotel-Badewanne.

StadtLüdenscheid
RegierungsbezirkArnsberg
KreisMärkischer Kreis
Höhebis 539 m ü. NHN

Lüdenscheid im Sauerland: Phänomenta, Siku-Autos, Loriot und viel Natur

Lüdenscheid liegt im Märkischen Kreis in den westlichen Ausläufern des Sauerlandes in Nordrhein-Westfalen. Dank der Autobahn A45 („Sauerlandlinie“) ist es nicht weit bis nach Hagen und Dortmund im Norden. Wer schon einmal mit dem Auto vom Ruhrgebiet in den Süden Deutschlands gefahren ist oder umgekehrt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit an Lüdenscheid vorbeigerauscht. Dabei hätte sich ein Stopp gelohnt.

Die größte Attraktion der Stadt ist zugleich eine der jüngsten: die Phänomenta. Die am Sackbahnhof gelegene Dauerausstellung macht Naturwissenschaft erlebbar. Lange Erklärtexte muss hier niemand lesen, alles lässt sich ausprobieren. Die Phänomenta ist ein Besuchermagnet mit Strahlkraft über die Region hinaus. Im Jahr 2015 bekam sie einen Turm, der ein Foucaultsches Pendel enthält und binnen kürzester Zeit zum Wahrzeichen von Lüdenscheid wurde.

Lüdenscheid: Lauschige Gassen in der Altstadt

Von der Phänomenta aus ist man schnell in der Fußgängerzone mit Sternplatz und Stern-Center, einer Mall moderner Prägung. Ein Stück weiter die Wilhelmstraße - die Haupteinkaufsstraße von Lüdenscheid - hinauf befinden sich die lauschigen Gassen der Altstadt rund um die zum Teil aus dem 11. Jahrhundert stammende Erlöserkirche. Wer diesen Weg gegangen ist, weiß, warum Lüdenscheid den Beinamen „Bergstadt“ trägt.

Das Bautz-Festival gehört mit mehr als 20.000 Besuchern an zwei Tagen zu der größten Veranstaltung in Lüdenscheid.

Der Nattenberg ist eine weitere Erhebung in Lüdenscheid - etwas außerhalb der Innenstadt. Hier findet sich das beliebte Familienbad mit dem benachbarten Saunadorf. Oben am Waldrand liegt das Nattenbergstadion. Einst spielte Rot-Weiß Lüdenscheid hier in der 2. Fußball-Bundesliga. Heute ist es der Schauplatz für das große Bautz-Festival, das im Sommer zehntausende Musik- und Party-Fans nach Lüdenscheid zieht.

Lüdenscheid: Lichtrouten, Licht-Industrie und Siku-Autos

Ebenfalls eine große Strahlkraft besitzen - im wahrsten Sinne des Wortes - die „Lichtrouten“, eine seit 2002 unregelmäßig stattfindende Lichtkunst- und Lichtdesign-Ausstellung. Die spektakulären und zum Teil riesigen Exponate sind über die gesamte Lüdenscheider Innenstadt verteilt und sorgen im Herbst nach Sonnenuntergang für viel Andrang in der City und ihren Kneipen. Voller wird die Innenstadt nur beim jährlichen Firmenlauf und beim Stadtfest, das immer am zweiten September-Wochenende gefeiert wird.

Beim Thema Licht kommt Lüdenscheid zu sich selbst. Erco, weltweit operierender und bekannter Hersteller anspruchsvoller Beleuchtungssysteme, hat hier seinen Hauptsitz und prägt den Charakter Lüdenscheids als selbsternannte „Stadt des Lichts“ mit. Weitere große und wichtige Arbeitgeber in Lüdenscheid sind Kostal, Busch-Jaeger Elektro, Insta und Gerhardi.

Die Lichtrouten – hier an der Erlöserkirche in der Altstadt – lockten bei ihren sieben bisherigen Auflagen Tausende von Besuchern nach Lüdenscheid.

Das bekannteste Produkt aus Lüdenscheid kommt jedoch von keiner dieser Firmen, sondern von der Sieper GmbH & Co. KG, früher Sieper Kunststoffe oder kurz: Siku. Die kleinen Spielzeugautos gehören seit Jahrzehnten zum festen und zugleich sehr beweglichen Bestandteil von Kinderzimmern in ganz Deutschland und darüber hinaus. Wer die ganze Produktpalette sehen und mit ihr spielen will, kann das in der Siku/Wiking-Modellwelt tun, einer Dauerausstellung am Stammsitz in Lüdenscheid.

Lüdenscheid: Wandern am Schloss Neuenhof und der Homert

Außerhalb der Innenstadt bietet Lüdenscheid vor allem landschaftliche Reize. Unweit des pittoresken Wasserschlosses Neuenhof beginnt ein knapp acht Kilometer langer Wanderweg, auch „Ochsentour“ genannt, durch das Naturschutzgebiet Stilleking. Beliebt ist auch die kleine Spazierrunde, die an der Klamer Brücke an der großen Versetalsperre im Süden der Stadt beginnt. Wander-Fans werden auch auf den Wegen rund um den Homert-Turm glücklich.

Das sind die zehn größten Städte in Nordrhein-Westfalen

Sonnenaufgang über Köln
1. Köln: 1.084.831 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Oliver Berg/dpa
Luftbild von Düsseldorf
2. Düsseldorf: 629.047 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Henning Kaiser/dpa
Sonnenaufgang über Dortmund
3. Dortmund: 593.317 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Bernd Thissen/dpa
Zeche Zollverein in Essen
4. Essen: 584.580 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Oliver Berg/dpa
Blick auf die Skyline von Duisburg
5. Duisburg: 502.211 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Fabian Strauch/dpa
Blick auf die Skyline von Bochum
6. Bochum: 365.742 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Oliver Berg/dpa
Schwebebahn in Wuppertal
7. Wuppertal: 358.876 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Oliver Berg/dpa
Morgennebel in Bielefeld
8. Bielefeld: 338.332 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Friso Gentsch/dpa
Blick auf Bonn
9. Bonn: 336.465 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Henning Kaiser/dpa
Blick auf die Innenstadt von Münster
10. Münster: 320.946 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) © Guido Kirchner/dpa

Lüdenscheid genießt Bekanntheit bei Menschen aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden. Da die Stadt recht hoch liegt (bis 539 Meter über NN), fällt hier im Winter verlässlich Schnee. Die Rodelhänge im Norden der Stadt sind dann voll mit „Flachländern“. Viele Auswärtige kommen auch aus einem anderen, allerdings weniger erfreulichen Grund nach Lüdenscheid. Dann nämlich, wenn sie sich in der renommierten Sportklinik Hellersen operieren lassen müssen.

Lüdenscheid und der Verkehr: A45, kurvige Straßen und ein Sackbahnhof

Lüdenscheid ist auf sieben Hügeln erbaut, heißt es. Damit endet allerdings auch schon die Gemeinsamkeit mit Rom. Die bergige Struktur macht sich im Straßenverkehr bemerkbar: Es gibt viele Kurven, viele Steigungen und kaum mehrspurige Ausfallstraßen. Lüdenscheid ist nicht Münster - Fahrräder sind hier selten zu sehen.

Lüdenscheid erreicht man am besten mit dem Auto über die A45. Zumindest galt das bis zum Dezember 2021, als die Hauptverkehrsader des Sauerlandes von jetzt auf gleich wegen der maroden Rahmede-Talbrücke durchtrennt wurde. Seit der Autobahn-Sperrung wälzt sich eine Blechlawine über die Umleitungsstrecke innerhalb von Lüdenscheid. Wichtige Bundesstraßen sind die B229 in Ost-West-Richtung und die B54 ganz im Westen der Stadt.

Lüdenscheids Anbindung an das Bahnnetz ist schlecht. Die Stadt verfügt nur über einen Sackbahnhof, der die Endstation für die zwischen Dortmund und Lüdenscheid pendelnde Volmetal-Bahn RB52 ist.

Lüdenscheid: Einst die einwohnerstärkste Stadt des Sauerlands

Am Ende noch ein paar Fakten: Im Jahr 1268 wurde Lüdenscheid zur Stadt, sie ist also mehr als 750 Jahre alt. Es gab eine Zeit, als Lüdenscheid die einwohnerstärkste Stadt des gesamten Sauerlandes war. Das änderte sich erst durch die große Gebietsreform in den 1970er Jahren.

Heute ist Lüdenscheid mit etwas mehr als 71.000 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021) nicht einmal mehr die größte Stadt im Märkischen Kreis. In Iserlohn leben etwa 20.000 Menschen mehr. Kreisstadt und damit Sitz der Kreisverwaltung ist dennoch Lüdenscheid.

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