- VonJürgen Menkeschließen
Die CDU spricht sich für zusätzliche Halte des RE7 in Bockum-Hövel aus. Beim Zweckverband NWL heißt es, dafür es gebe „keinen Spielraum“.
Hamm – Einmal täglich montags bis freitags nimmt der RE7 am Bahnhof Hamm-Bockum-Hövel Fahrgäste auf oder lässt sie aussteigen – frühmorgens noch vor 6 Uhr. Die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung (BV) kann sich zur Verbesserung des ÖPNV eine deutlich höhere Taktung vorstellen.
In einem Antrag an die BV schlägt sie vor, die Stadtverwaltung damit zu beauftragen, sich bei den zuständigen Verkehrsverbünden für einen häufigeren Halt des Regional-Expresses einzusetzen und diesen „schnellstmöglich zu realisieren“.
Im Gespräch mit wa.de begründet CDU-Ratsmitglied Maximilian Weißenberg aus Bockum-Hövel den Vorstoß damit, dass es nach Beobachtung seiner Partei durchaus Nachfrage nach einem erweiterten Bahnangebot gebe. Das ließe sich etwa daraus ableiten, dass in Stoßzeiten teils alle Parkplätze am Bahnhof und viele Radständer belegt seien.
Beispiel Heessen
An den schienengebundenen Nahverkehr ist der Stadtbezirk vor allem durch die RB69/89 angebunden, die tagsüber zweimal pro Stunde verkehrt. „Aber auch nur zwischen Münster und Bielefeld beziehungsweise Warburg“, betont Weißenberg. Mit den Endhaltepunkten Rheine und Krefeld des RE7 (über Hagen, Wuppertal und Köln) würden sich den Bürgern neue Ziele und verbesserte Umstiege etwa auch zum Fernverkehr bieten.
In dem Antrag wird auf das Beispiel Heessen verwiesen. Der RE6 hält am dortigen Bahnhof, mit Ausnahme an den Randzeiten, meist stündlich. Eine Steigerung des RE7-Taktes ist aus Sicht der CDU nicht nur „außerordentlich zu begrüßen“. Sie trage auch dem Aspekt Rechnung, dass Bockum-Hövel mit rund 35. 000 Einwohnern der zweitgrößte Hammer Stadtbezirk sei, so die Partei.
„Enge Einbindung“
„Nahverkehr Westfalen-Lippe“ heißt der Verband, der die Leistungen im regionalen Bahnverkehr bei den Zug-Anbietern bestellt. Man prüfe Wünsche zusätzlicher Halte „unter den betrieblichen Rahmenbedingungen, Wahrung der Grundsätze des Integralen Taktfahrplans (ITF) und Qualitätsaspekten“, teilt der NWL auf Anfrage mit.
Grundsätzlich sei festzustellen, dass der RE7 „sehr eng in das Konzept des ITFs in NRW eingebunden“ sei, mit wichtigen Anschlussverbindungen in den Verkehrsknoten wie Hamm. Er füge sich auf den Strecken „in ein dichtes Angebot des Nah-, Fern- und Güterverkehrs“ ein, zum Beispiel auf der viel befahrenen Wupper-Strecke.
Die Linie, so der NWL weiter, sei ebenso in die Knoten Köln, Wuppertal, Hagen, Hamm und Münster eingebunden und habe in den Endpunkten in Rheine und Krefeld nur kurze Wendezeiten. So kommt der Verband zu dem Schluss: „Die betrieblichen Rahmenbedingungen lassen dem RE 7 in der Funktion, als Express schnelle und direkte Verbindungen anzubieten, keinen Spielraum mehr für zusätzliche Halte.“
Ein- und Aussteiger
Laut NWL betrug 2023 die Gesamtzahl der Ein- und Aussteiger auf der RE7-Linie gerundet 55 .000 pro Werktag. Bei der RB69 (Münster-Bielefeld) seien es 18. 500 gewesen, bei der RB89 (Münster-Paderborn-Warburg) 34. 000.
Die Zahl der Ein- und Aussteiger in Bockum-Hövel im vergangenen Jahr beziffert der Verband – ebenfalls pro Werktag gerundet – mit 150 bei der RB69, mit 500 bei der RB89 und mit fünf beim RE7. Dass der schnellere Regional-Express nur frühmorgens in Bockum-Hövel (sowie den anderen RB-Halten zwischen Münster und Hamm) hält, liegt laut dem NWL daran, dass dieser Zug „in Münster einsetzt und noch nicht von Rheine kommt“. Zudem bestehe zu dieser Zeit noch kein 30-Minuten-Takt der RB69/89.
„Gutes Angebotsniveau erreicht“
Der NWL sagt, dass „mit einer Bedienung im 30-Minuten-Takt für alle Halte“ und „einem stündlichen RE zur Bedienung der nachfragestarken Stationen“, zu der Bockum-Hövel offenbar nicht gehört, ein „gutes Angebotsniveau erreicht“ sei. Die Zielplanungen NRW sähen für das Zielnetz 2032 und 2040 eine Verdichtung der RE-Bedienung für die nachfragestarken Halte auf einen 30-Minuten Takt vor. Dies soll den Angaben nach durch Weiterführung der RE13 (Hamm-Düsseldorf-Venlo) über Hamm hinaus erreicht werden.
Auf die drei Fragen, wie hoch die Kosten für zusätzliche RE7-Halte in Bockum-Hövel wären, wer diese tragen müsste und ob die gewünschte Angebotserweiterung angesichts der jüngsten Mindereinnahmen beim Westfalentarif überhaupt realisierbar wäre, gibt der NWL eine gleichlautende Antwort: „Auf dem RE7 sind keine zusätzlichen Halte möglich (s.o.).“
BV-Sitzung am 11. September
Ob sich die CDU im Stadtbezirk mit derlei Einschätzung zufriedengibt, bleibt abzuwarten. Der Antrag der Christdemokraten steht für die nächste BV-Sitzung am 11. September auf der Tagesordnung.
Der 27-jährige Maximilian Weißenberg fährt regelmäßig zum Studieren und Arbeiten mit der Bahn nach Münster. Er sagt, dass das Papier nur ein erster Aufschlag zur Prüfung der Frage sein könne, ob eine Ausweiterung des RE-Angebots für die Menschen in Bockum-Hövel klug und sinnvoll sei.
Unterdessen kämpfen die Anrainer der Bahnstrecke in Hamm-Pelkum gegen Bahnlärm.

