Windkraft

Studie für Werl aktualisiert: Mehr Platz für Windräder

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Zurzeit drehen sich in Werl und den Ortsteilen 16 Windräder. Das Bild zeigt eine Anlage bei Hilbeck. In Kürze gehen zwei neue Räder bei Mawicke in Betrieb, dafür weichen fünf alte Anlagen. Dann wären es noch 13 Räder. Weitere sollen, so der Wunsch von Verwaltung und Politik, in den kommenden Jahren hinzu kommen. Vor allem dabei im Fokus ist eine Fläche östlich der Scheidinger Straße.
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Wo in Werl ist in Sachen Windkraft noch was möglich? Diese Frage wollte die Stadt mit einer Aktualisierung ihrer Windkraftstudie beantworten. Nun liegt das Ergebnis vor.

Werl – Möglich ist demnach noch einiges, Angst vor einer Verspargelung der Landschaft müssen die Werler aber nicht haben. Zum einen bleiben nach der Weißflächenkartierung (siehe Infokasten) nur zwölf nutzbare Flecken auf dem Stadtplan übrig, zum anderen wird nicht auf jeder dieser Flächen am Ende ein Windrad stehen.

Seitdem klar ist, dass der Stadtwald für Windkraft tabu ist, hat die Politik ihren Fokus auf die Felder östlich der Scheidinger Straße gelenkt. SPD und Grüne hatten das Thema mit einem Antrag im vergangenen Sommer auf die Tagesordnung gesetzt, inzwischen gibt es eine breite politische Mehrheit. Die CDU hatte hierfür in ihrer Haushaltsrede den Kauf von Flächen durch die Stadt vorgeschlagen. Denn im Unterschied zum Stadtwald befinden sich die Felder nordöstlich von Werl in privater Hand.

Pläne an Scheidinger Straße

Die aktualisierte Studie könnte Stadt und Politik in ihren Plänen nun bestätigen. Die für Windkraft geeignete Fläche östlich der Scheidinger Straße sei im Vergleich zur Studie von 2014 um einiges gewachsen, sagt Regina Schulte, Leiterin der städtischen Abteilung für Stadtplanung, Straßen und Umwelt. Statt 67 Hektar stünden dort nun 93 zur Verfügung. Vor allem in Richtung Südosten habe sich die Fläche ausgedehnt. Das hänge damit zusammen, dass nach den neuesten Bestimmungen der notwendige Schutzpuffer zum Vogelschutzgebiet Hellwegbörde deutlich kleiner ausfällt, erläuterte Schulte. Mehr Fläche bietet mehr Spielräume, Anlagen zu verteilen, zumal die Stadt das Areal auch noch als Fläche für Gewerbeansiedlungen im Blick hat. Um so größer die Fläche, um so geringer sind die Konflikte zwischen den Nutzungen.

Potenziale für weitere Windräder

Auch westlich von Hilbeck und Budberg, angrenzend an Flächen, auf denen bereits Windräder stehen, sieht die Studie noch Potenzial für weitere Windräder. Hier hat sich im Vergleich zur Vorgängerstudie nur der Zuschnitt etwas verändert.

Als vierte, größere Fläche taucht in dem 22-seitigen Dokument noch ein Areal an der Mülldeponie auf. Dieses ist zum Teil in städtischer Hand, dient aber bislang als ökologisch aufgewertete Ausgleichsfläche für die Gewerbeansiedlungen auf dem KonWerl-Gelände. Würden hier Windräder gebaut, müsste dies wiederum an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Auch zwei kleine Flächen in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Wickede gehören laut der Studie zu den grundsätzlich geeigneten Flächen. Eine, am Pendlerparkplatz, war Ende vergangenen Jahres in den Blickpunkt gerückt, weil die Stadt das Ansinnen des Planungsbüros Düser aus Ense ablehnte. Dieser will dort ein 200 Meter großes 4-Megawatt-Windrad errichten. Eine kleine, aber gerade noch ausreichend große Fläche für ein Windrad gibt es zudem noch südöstlich von Hilbeck.

Warnung vor falschen Schlüssen

Regina Schulte warnt angesichts der Studie allerdings vor falschen Schlüssen: Nicht auf jeder Weißfläche würden am Ende Windräder gebaut. Die Studie treffe zum Beispiel keine Aussagen darüber, ob die Winderwartungen am Standort oder die Kosten für die Einspeisung den Bau überhaupt rentabel machen. Auch Eigentumsverhältnisse könnten einem Bau im Wege stehen. Über Schutzgebiete hinaus müssten bei konkreten Vorhaben auch einzelne artenschutzrechtliche Fragen geklärt werden.

Die Stadt verfolge zudem weiter den Ansatz, die Anlagen im Stadtgebiet in bestimmten Bereichen zu konzentrieren. Dies entspreche auch den landes- und bundespolitischen Vorgaben, so Schulte. Es gehe darum, eine Verspargelung zu vermeiden und so die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.

Die Studie an sich habe keine direkten rechtlichen Konsequenzen, sagt Schulte, sei aber eine gute Arbeits- und Argumentationsgrundlage für die weiteren Windkraft-Planungen.

Flächensuche nach dem Ausschlussprinzip

Die Stadt Werl hatte ihre Windkraftstudie aus dem Jahr 2012 zuletzt 2014 aktualisiert. Doch seitdem haben sich die Rahmenbedingungen für den Bau neuer Windenergieanlagen geändert. Zum Beispiel gelten nun ganz andere Abstandsregeln für Vogelschutzgebiete, Landstraßen und Autobahnen. Deshalb hat die Stadt das Planungsbüro BKR aus Essen damit beauftragt, die Studie auf den neuesten Stand zu bringen.

Nach dem Ausschlussprinzip haben die Planer eine Einschränkung nach der anderen über den Stadtplan gelegt. So müssen etwa beim Bau von Windrädern 775 Meter Abstand zu Wohn- und Mischflächen eingehalten werden und 475 Meter zu „Splittersiedlungen“ und einzelnen Gehöften. Die Bahnstrecke, Stromleitungen, Sichtachsen zur Altstadt und Richtfunkstrecken – mit jeder Vorgabe wurde die Karte der Stadt Werl bunter und der Raum für Windräder kleiner. Übrig blieben am Ende zwölf sogenannte Weißflächen mit insgesamt circa 266 Hektar Fläche, davon vier größere Flächen über 10 Hektar, die sich laut Planungsbüro als Bereiche zur Windenergienutzung in der Regional- und Bauleitplanung eignen.

Nur auf den zwölf rot umrandeten Flächen, den sogenannten Weißflächen, ist Windkraft grundsätzlich zulässig. Aber nicht überall können tatsächlich Windräder gebaut werden, zum Beispiel weil einige der Flächen schlicht zu klein sind. Fläche 11 scheidet hingegen aus, weil sich dort der Golfplatz befindet. Auf Fläche 10 wird sich die Frage der Verträglichkeit mit den beiden gerade erst errichten 250-Meter-Rädern stellen. Sorgen die Räder untereinander für Turbulenzen, kostet dies schließlich Ertrag. GRAFIK: BKR/STADT WERL

Fläche 1 ist 103,1 Hektar groß und liegt westlich von Hilbeck. Dort stehen bereits drei große Windräder, es wäre aber noch Platz für mehr.

Geeignet für einen Zubau wäre auch Fläche 2 (13,1 Hektar) westlich von Budberg. Dort drehen sich bereits einige ältere Windkraftanlagen.

Fläche 6 grenzt an die Mülldeponie. Dort gibt es eine nutzbare Fläche von gut 20 Hektar.

Bei der sogenannten Weißflächenkartierung bleiben nur wenige Flecken im Stadtgebiet übrig, die grundsätzlich für Windräder geeignet sind.

Fläche 7 östlich der Scheidinger Straße ist 93,4 Hektar groß und steht zurzeit besonders im Fokus für den Bau neuer Anlagen.

Die Flächen 3, 8 und 9 sind laut Studie für den Bau von Windrädern zu klein. Die Fläche 5 entfällt, weil sie auf der Trasse der geplanten Autobahn 445 liegt, Fläche 11, weil es sich um den Golfplatz handelt. Fläche 4 (1,1 Hektar) liegt östlich von Hilbeck, sei zwar klein, aber grundsätzlich nutzbar. Ähnliches gilt auch für zwei Teilflächen der Fläche 12 (1,2 Hektar) in der Nähe der A445-Abfahrt Wickede.

Auch Fläche 10 südlich von Mawicke (1,3 Hektar) sei grundsätzlich nutzbar. In direkter Nachbarschaft wurden allerdings gerade erst zwei 250-Meter-Räder errichtet.

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