- VonFrank Lahmeschließen
Die Bundespolizei hat eine Großrazzia in NRW-Städten wegen möglichen Menschenschleusern durchgeführt. In Hamm wurde ein 40-Jähriger im festgenommen.
Hamm/Ahlen/Dortmund – Die Spur einer Schleuserbande, die in Sachsen Menschen illegal über die deutsch-tschechische Grenze schafft und daraus offenbar ein lukratives Geschäft gemacht hat, führt (auch) nach Hamm. 66 Beamte der Bundespolizei haben am Mittwochmorgen eine Razzia durchgeführt und zeitgleich vier Wohnungen in Hamm, Ahlen und Dortmund durchsucht.
Morgens um 6 Uhr schlugen die Einsatzkräfte dabei an einer Adresse in Pelkum auf. Dort war im Jahr 2015 ein China-Bordell betrieben und nach einer Großrazzia (vom BKA gesteuert und mit GSG9-Kräften in vielen NRW-Städten und in Hessen durchgeführt) sofort stillgelegt worden.
Razzia in Hamm: Nicht wegen Prostitution
Um Prostitution ging es am Mittwoch aber nicht. Wie ein Sprecher der Bundespolizei im sächsischen Berggießhübel (bei Dresden) erklärte, habe sich die Aktion gegen vier Männer (zwei Türken, zwei Rumänen) gerichtet, die im Verdacht des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern stehen. Ums Rotlichtmilieu sei es dabei nicht gegangen.
Auf die Spur des Quartetts sei man im September 2022 bei einer Kontrolle auf der A17 unweit der tschechischen Grenze gekommen. Damals war ein in Zwickau zugelassener Skoda angehalten worden. Dessen 36-jähriger Fahrer hatte fünf Insassen aus dem Kosovo und der Türkei an Bord, die allesamt nicht über die für die Einreise nach Deutschland nötigen Dokumente verfügten. Seltsam: Der damalige Skoda-Fahrer war keiner der vier am Mittwoch im Fokus stehenden Männer.
Razzia in Hamm trotzdem ein Erfolg
Welche Rolle die vier Beschuldigten spielen sollen – ob Köpfe der Bande oder doch „nur“ Kurierfahrer – wurde am Mittwoch nicht bekannt gegeben und ist wohl noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Als sogenannte „Safe-Häuser“, also Erstunterkünfte nach dem Grenzübertritt, sollen die Wohnungen nicht gedient haben. Angetroffen wurden auch nur zwei der Beschuldigten: einer in Dortmund, einer in Hamm. In den beiden Ahlener Objekten gingen die Bundesbeamten leer aus.
Lohnend war aber insbesondere die Aktion in Hamm. Neben Smartphones, elektronischen Speichermedien und falschen Dokumenten fanden die Einsatzkräfte hier auch Drogen – und zwar in nennenswertem Maß. Der Wohnungsinhaber, ein 40-jähriger Türke, wurde wegen des Drogenbesitzes festgenommen, der Hammer Polizei übergeben und sollte noch am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Wie viele Drogen bei ihm gefunden wurden, ließ sich für den WA am Mittwoch nicht mehr klären. Gerüchteweise soll es sich um sehr erhebliche Mengen gehandelt haben. Eine Bestätigung dafür gab es nicht.
Razzia in NRW: Schleuserproblematik groß
Der 40-Jährige leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand. Es habe keine Verletzten gegeben, hieß es von der Bundespolizei aus Berggießhübel.
In der deutsch-tschechischen Grenzregion ist die Schleuserproblematik riesengroß. Alle paar Tage gibt es dort Einsatzmeldungen der Polizei über illegale Transporte. Die Menschen sitzen teils übereinander in Fahrgast-, Lade- und Kofferräumen. Vor wenigen Tagen flüchtete ein Kurierfahrer vor der Polizei und sprang aus dem fahrenden Wagen. Der Transporter rollte auf der A17 herrenlos in ein Polizei-Fahrzeug.
2021 sprengte die Polizei mit einer Großrazzia in Hamm und anderen NRW-Städten eine Schleuserbande. Die Bundespolizei war kürzlich in Hamm im Einsatz, weil eine Minderjährige einen Fremden treffen wollte.