VonConstanze Juckenackschließen
Nach der Messerstecherei in der Hammer Pizzeria „Big Daddy“ bleibt der 47 Jahre alte Beschuldigte in Untersuchungshaft. Videoaufnahmen zeigen, dass auch das spätere Opfer offenbar handgreiflich geworden war.
Hamm - Handelte es sich bei der Messerattacke in der Innenstadt in Hamm am Sonntagabend um Nothilfe oder nicht? Das ist unklar. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Dortmund und der Verteidiger des Beschuldigten haben Videoaufnahmen des Vorfalls gesehen. Sie kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen.
Ein 26 Jahre alter Deutschtscheche wurde bei der Messerstecherei in der Pizzeria „Big Daddy“ an der Martin-Luther-Straße lebensgefährlich verletzt. Nach einem Streit mit der Inhaber war ihr ein 47 Jahre alter Mitarbeiter offenbar zu Hilfe geeilt. Er stach den 26-Jährigen mit einem Küchenmesser nieder.
Anwalt des Beschuldigten: „Es ging nicht ums Baguette“
Die Staatsanwaltschaft Dortmund geht davon aus, dass der Messerstecherei ein Streit um ein Baguette vorausgegangen war. Der 26-Jährige habe es bestellt und sich nach Hause liefern lassen. Auf diesem Baguette hätten die Jalapeños gefehlt. Darüber habe sich der Mann erst telefonisch beschwert und sei dann in die Pizzeria gekommen. Dort sei der Streit eskaliert. Der Mann habe die Inhaberin der Pizzeria mit einem Baguette ins Gesicht geschlagen. „Das war nicht in Ordnung“, sagt Staatsanwältin Maribel Andersson.
Der Anwalt des 47-jährigen Beschuldigten, Peter Wehn, stellt den Sachverhalt etwas anders dar. Es sei bei dem Streit nicht um ein Baguette gegangen. Stattdessen sei der später verletzte Mann ohne jeden Grund in den Betrieb gekommen. „Er hat sich schnurstracks hinter die Theke begeben und die Inhaberin des Betriebs – eine zierliche Frau – ohne Vorwarnung mit einem gezielten Schlag ins Gesicht niedergestreckt, so dass diese mit dem Kopf gegen einen Getränkekühlschrank und auf den Boden fiel“, erklärt Wehn. Das sei auf den Videoaufnahmen zu sehen. Der Beschuldigte sei der Inhaberin aus der daneben liegenden Küche zu Hilfe geeilt, um sie vor weiteren Angriffen zu schützen.
Beschuldigter noch nie polizeilich aufgefallen
Die Staatsanwältin erklärt, dass in der Pizzeria zahlreiche Kameras installiert waren. Die Qualität der Aufnahmen sei gut. Es gebe auch Aufnahmen aus der Perspektive des Beschuldigten: Ihrer Einschätzung nach hätte der 47-Jährige sehen können, dass es sich um eine Attacke mit einem Baguette gehandelt habe. „Nach unseren Erkenntnissen waren die Voraussetzungen für eine Nothilfelage nicht mehr gegeben“, sagte Andersson am Dienstag.
Der Zustand des 26-Jährigen ist nach einer Notoperation am Sonntag stabil. Ob er schon vor dem Vorfall in der Pizzeria Big Daddy polizeilich aufgefallen ist, werde noch geprüft, erklärt die Staatsanwältin. Der Beschuldigte sei noch nicht polizeilich auffällig geworden. Er bleibt bis auf weiteres in Untersuchungshaft. Dem Haftrichter wurde er bereits am Montag vorgeführt. Andersson sagte nichts dazu, ob er ausgesagt hat. Sie warte weitere Einlassungen des Beschuldigten ab.
