Bilder mit Gänsehaut-Effekt: Film auf Weihnachtsmarkt kommt gut an
VonFrank Osiewacz
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Fünf Minuten nur dauert der Film, der in Hamm derzeit allabendlich am Turm der Pauluskirche angespielt wird. Die Weihnachtsmarkt-Besucher freut das. Aber nicht nur die.
Hamm – „Eine sehr schöne und gute Darstellung auf der Wand der Pauluskirche. Herzlichen Dank und Glückwunsch.“ Das schreiben WA-Leser zur weihnachtlichen Projektion auf der Kirchturmfassade. Der Dank geht in erster Linie wohl an den Schaustellerverein „Hand in Hand“, der beharrlich an dem Vorhaben festhielt und es am Ende mithilfe von Sponsoren zur Umsetzung gebracht hat. Es sieht so aus, als hätten die Schausteller den Nerv der Besucher getroffen.
Das sieht auch Klaus Ernst vom Stadtmarketing der Impuls Wirtschaftsagentur so. „Wir zählen zwar nicht jeden Tag die Besucher, die sich die Projektion anschauen“, sagt Ernst, „aber es versammeln sich hier immer Menschen, die sich die Bilder ansehen wollen. Manche kommen gezielt dafür.“ Ihm selbst hätten Weihnachtsmarktbesucher vom „Schauer über den Rücken“ berichtet, den der fünfminütige Film auslöse.
Ein bisschen Gänsehaut, eine besinnliche Auszeit, faszinierende Lichtspiele und die Inszenierung der Kirchenarchitektur: Diesen Mix hatten sich Schausteller und evangelische Kirche für die Erstauflage des so genannten Video Mapping gewünscht. Konsumkritische Bilder sollten außen vor bleiben, Schönes und Berührendes die Akzente setzen. Ob die beiden Shows täglich (17.45 und 19.45 Uhr) auch Menschen aus der Region gezielt nach Hamm locken, sei schwer messbar, sagt Ernst. Stadtmarketing oder Schausteller führten keine Erhebungen durch. „Ab und zu bekommen wir das mit, wenn Busunternehmen nach Parkmöglichkeiten fragen, die Besucher befragen wir aber nicht direkt.“
Hammer Weihnachtsmarkt 2022: Riesige Videoprojektion auf der Pauluskirche
„Muss keine einmalige Show bleiben“: Wiederholung 2023?
Uwe Röhrig, Vorsitzender des Schaustellervereins, sieht in der Projektion – zumindest noch in diesem Jahr – ein Alleinstellungsmerkmal für den Hammer Markt. „Wir wollten damit starten, bevor andere auf diesen Trend aufspringen“, sagte Röhrig bei der Präsentation.
Trend hin oder her, natürlich ist die Frage nach dem kommenden Jahr naheliegend. „Das muss keine einmalige Show bleiben“, sagt Klaus Ernst vom Stadtmarketing. Das Thema sorge für Gesprächsstoff, und wechselnde Bildfolgen hätten ihren Reiz. „Das Herbstleuchten beispielsweise ist von Jahr zu Jahr auch immer etwas anders“, sagt er. Mit entscheidend dürfte die Finanzierung sein: Die Kosten für die Projektion werden zu gleichen Teilen von den Schaustellern und Sponsoren (Sparkassen, Stadtwerke, Volksbank Stiftung) getragen.
Passgenau produziert
Das Bielefelder Unternehmen TNL GmbH hat die fünfminütige Projektion „fassadenindividuell“ produziert. Anhand von Fotografien werde zunächst eine Projektionsvorlage des Gebäudes erstellt, erläutert Projektmanager Benjamin Hoffmann. „Das ist analog vergleichbar mit Abpausen auf Papier.“ Anhand eines vorher festgelegten Drehbuchs würden dann die einzelnen Szenen entwickelt. Viel überschüssiges Material (wie beim Film) entstehe nicht. Die Bilder werden wegen der großen Fläche und des Hochformats mit zwei hochkant gekippten Projektoren passgenau auf die Architektur gebracht. Die Projektoren arbeiten nicht mit klassischen energieintensiven Birnen, sondern mit langlebigen und ernergiesparenden Laser-Phosphor-basierten Leuchtmitteln.