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Münster: Was typisch ist für die Uni-Stadt in Westfalen

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Münster ist ganz klar Fahrradstadt - pro Einwohner gibt es 1,5 Fahrräder. Alle Sehenswürdigkeiten wie den berühmten Prinzipalmarkt lassen sich gut mit dem Rad erkunden.
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Münster ist berühmt für Giebelhäuser, die Uni und Fahrräder. Doch die Stadt mit ihrer wechselvollen Geschichte hat noch mehr zu bieten.

Münster verkörpert alles, was man sich vielleicht unter dem Begriff „Uni-Stadt“ vorstellt: Es gibt eine hohe Kneipendichte in der Altstadt, sehr viele Radfahrer, hohe Mietpreise für WGs. Nun – und natürlich eine große Uni. Doch die geschichtsträchtige Stadt in Nordrhein-Westfalen bietet noch weitaus mehr. Sie steht für typisch westfälische Gemütlichkeit und ist dank der pittoresken Architektur Ziel von Touristen, weshalb es auch zahlreiche Hotels in Münster gibt.

StadtnameMünster
Offizielles Gründungsjahr793
Einwohner317.713
BundeslandNordrhein-Westfalen
KreisKreisfrei
StadtgliederungSechs Stadtbezirke, 45 Stadtteile
PLZ48143 bis 48167
Vorwahlen0251, 02501, 02506, 02533, 02534, 02536
OberbürgermeisterMarkus Lewe (CDU), seit 2009
Fluss in MünsterEms
HauptwahrzeichenPrinzipalmarkt, WWU, Rathaus, Dom

Wir geben einen Überblick zur Stadt, zur berühmten Universität, zur wechselvollen Geschichte und zur Frage: Was sollte man in Münster unbedingt unternehmen?

Münster: Wie gut ist die Uni in der westfälischen Stadt?

Klar, wenn es um Münster geht, steht als Erstes die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) auf der Liste. Hier studieren rund 44.430 Studierenden in 280 Studiengängen und 15 Fachbereichen. Damit ist die Uni Münster eine der größten deutschen Universitäten – und eine mit einer wechselvollen Geschichte, die Jahrhunderte zurückreicht.

Der Vorläufer der heutigen Uni war ein Jesuitenkolleg, das am Ende des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Gründung einer echten Universität scheiterte in den Wirren des 30-jährigen Kriegs (1618 bis 1648) zunächst, erst 1780 wurde die Uni eingeweiht. Im Zuge der napoleonischen Kriege verlor die Einrichtung den Status als Universität und wurde als Akademie weitergeführt. 1902 kam es zur Neugründung, Namensgeber war der damalige preußische König Wilhelm II. Damit hatte Münster wieder eine echte Uni.

Das fürstbischöfliche Schloss ist heute das zentrale Gebäude der Uni Münster.

Die WWU genießt international einen guten Ruf. Das Magazin Times Higher Education nahm die Uni Münster im Jahr 2022 gar in die Liste der weltweit 200 besten Hochschulen auf. Die Expertinnen und Experten bewerteten 1799 Hochschulen in 104 Ländern, die Uni Münster landete international auf Platz 185 und national auf Platz 19.

Was kann man an der Uni Münster studieren?

Insgesamt bietet die Uni Münster 280 Studiengänge in 15 Fachbereichen.  Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Mathematik und Medizin sowie in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften hat die Uni ein starkes Profil. So ging bereits die Neugründung 1902 mit der Schaffung der juristischen Fakultät einher. Weil die Uni sehr gezielt die Spitzenforschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs in diesen Fächern fördert, bietet sich hier ein Studium gut an.

Münster: Prinzipalmarkt im Zentrum der Altstadt

Der Prinzipalmarkt ist ein echtes Wahrzeichen der Stadt: Hier, wo schon vor Jahrhunderten Kaufmannsfamilien ihren Geschäften nachgegangen sind, gibt es zahlreiche mittelalterlich anmutende Giebelhäuser und Bogengänge. Anmutend deshalb, weil viele der historischen Gebäude und Fassaden nicht mehr im Originalzustand erhalten sind. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden sie in Anlehnung an das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder aufgebaut.

Was sollte man in Münster gemacht haben?

Der Stadtkern von Münster ist nicht allzu groß und kann gut zu Fuß oder noch besser mit dem allgegenwärtigen Fahrrad (es gibt hier deutlich mehr Räder als Einwohner) erkundet werden.

Radfahren ist Pflicht in Münster: Zum Beispiel am Aasee, dem Naherholungsgebiet der Münsteraner.

Elf Tipps, was man in Münster unbedingt unternehmen sollte:

  • Den Prinzipalmarkt besuchen. Der Platz hat den Spitznamen „Münsters gute Stube“, hier gibt es zahlreiche Traditionsrestaurants und Geschäfte. Der Platz ist von Münsters berühmten Giebelhäusern gesäumt. Das Besondere: Jeder Giebel ist absolut einzigartig.
  • Das historische Rathaus am Prinzipalmarkt ist unbedingt einen Besuch wert. Hier wurde 1648 der Westfälische Frieden verhandelt, der den 30-Jährigen Krieg beendete - den bis dahin wahrscheinlich furchtbarsten Krieg in Europa, der noch Jahrhunderte später Wirkung zeigte.
  • Radfahren, Radfahren, Radfahren. Münster ist Fahrradstadt und lässt sich prima mit dem Rad erkunden. Die Promenade, eine fünf Kilometer lange Allee, führt rundherum um den gesamten Stadtkern und ist autofrei.
  • Den Aasee besuchen. Der künstlich angelegte Stausee ist das Naherholungsgebiet Münsters. Das Gewässer liegt zentrumsnah direkt am Innenstadtring, zu Fuß oder mit dem Fahrrad (!) ist er gut zu erreichen. Es gibt einen Bootsverleih, Cafés und entlang des Sees Skulpturen internationaler Künstler.
  • Wer Aasee sagt, muss auch Botanik sagen. Der Botanische Garten der Uni Münster liegt direkt am Fürstbischöflichen Schloss. Öffnungszeiten: Im Herbst und Winter (15. Oktober bis 14. März) täglich von 9 bis 16 Uhr, im Sommer (15. März bis 14. Oktober) von 8 bis 19 Uhr. Das angrenzende im 18. Jahrhundert für den Fürstbischof erbaute barocke Schloss sowie der Schlosspark sind ebenfalls unbedingt einen Besuch wert. Das Schloss dient heute als Hauptsitz der WWU, im Innern finden sich vorwiegend Verwaltungsräumlichkeiten.
  • Ein Bummel über den Wochenmarkt: Jeden Mittwoch und Samstag gibt es von 7 bis 14:30 Uhr auf dem Domplatz zahlreiche Stände mit frischen Lebensmitteln, Speisen und Blumen.
  • Apropos Domplatz: Der Münsterander St.-Paulus-Dom im gotisch-romanischen Stil ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Ein Riese ist die Kirche nicht unbedingt: Die Türme sind 55 Meter hoch. Zum Vergleich: Der Kölner Dom hat eine Höhe von 157 Metern.
  • Neben dem Dom sollte man in Münster auch die Lambertikirche an der Nordseite des Prinzipalmarkts besucht haben. Gruseliges Detail: Am Kirchturm hängen Eisenkörbe, in denen im 16. Jahrhundert die Leichen von drei hingerichteten Mitgliedern einer Reformationsbewegung zur Schau gestellt worden waren.
  • Allwetterzoo Münster: Nahe dem Aasee liegt der 1974 gegründete Zoo an der Sentruper Straße 315. Seinen Namen trägt er wegen der überdachten Gänge zwischen den Gehegen und Häusern. So kann man dem Allwetterzoo auch bei Regen einen Besuch abstatten, ohne allzu nass zu werden. Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 17 Uhr. Tagestickets kosten für Erwachsene 21,90 Euro und für Kinder 12,90 Euro.
  • Wenn Sie zur richtigen Zeit in Münster sind, sollten Sie den Send besuchen. Die Kirmes auf dem Schlossplatz findet dreimal im Jahr statt, jährlich zieht das Volksfest mehr als eine Million Besucher an. Die Termine folgen klaren Regeln: Der Send findet im Frühjahr vom dritten Samstag nach Aschermittwoch bis zum vierten Sonntag nach Beginn der Fastenzeit statt. Im Sommer startet die Kirmes am Donnerstag vor dem letzten Sonntag im Monat Juni und dauert bis zum folgenden Montag. Und der Herbstsend findet vom Donnerstag vor dem vierten Sonntag im Monat Oktober bis zum folgenden Montag statt.
  • Pils oder Alt in der Altstadt trinken: In zahlreichen Kneipen genießen die Münsteraner ihr Bier. Westfalen ist zwar Pils-Land, doch in Münster ist auch Altbier besonders beliebt. Mit der Pinkus-Brauerei gibt es eine der ältesten Altbierbrauereien Deutschlands. Im Sommer beliebt: Altbierbowle mit Erdbeeren.

Was ist typisch für Münster?

Das Studentenleben, die besondere Architektur mit den Giebelhäusern, die im Münsteraner Platt „Giebelhüüskes“ heißen und die wechselvolle Geschichte haben wir schon behandelt. Daneben ist Münster vor allem für seine westfälische Gemütlichkeit und ziemlich deftiges Essen bekannt.

Deftig darf‘s in Münster gern sein: Pumpernickel mit Blutwurst ist ein Klassiker.

Ganz typische Speisen in Münster:

  • Töttchen: Ein Rindfleischgericht mit Zwiebeln und einer süß-säuerlichen Sauce. Ein Klassiker in jedem Traditionslokal.
  • Pfefferpotthast: Das Gericht ist weniger merkwürdig, als der Name klingt. Der Eintopf aus Rindfleisch, Zwiebeln, Lorbeeren und Nelken ist ein typisches Herbstgericht und wird meist mit einem Gürkchen serviert.
  • Pumpernickel. Wieder so ein Wort. Was genau es bedeutet, ist umstritten: Die etymologischen Erklärungen reichen von „furzender Nikolaus“ bis „Teufel“. Beides nicht sehr schmeichelhaft, dabei ist der Pumpernickel ein durchaus schmackhaftes dunkles Roggenbrot, das gern mit Aufschnitt belegt wird und besonders lang haltbar ist.
  • Westfälischer Schinken - omnipräsent in Münster. Ja, die traditionelle lokale Küche ist nur bedingt für Vegetarier geeignet.
  • Ausnahme: die westfälische Quarkspeise. Die enthält ausnahmsweise kein Fleisch, dafür aber den bereits erwähnten Pumpernickel. Außerdem Quark und Kirschen.
  • Wer deftig isst, muss deftig trinken: Typische Biersorten sind das Pott‘s und das Altbier von Pinkus.

Wie spricht man in Münster?

Im Abschnitt über tyisches Münsteraner Essen haben wir schon spezielle Vokabeln kennengelernt. Tatsächlich hat Münster einen eigenen Dialekt, das Münsterländer Platt (auf münsterländisch: mönsterlännsk Platt). Münsterländisch ist ein westfälischer Dialekt des Niederdeutschen und Niedersächsischen. Manche Wörter erinnern schon an norddeutsche Dialekte. wie man sie Hamburg oder Bremen erwarten würde.

Typisch für das Münsterländer Platt sind Diphtonge, also Doppelvokale wie zum Beispiel uo, üö, oder ao sowie die Verwendung von K-Lauten anstelle von „ch“. Ein Beispiel: Das hochdeutsche Wort brechen wird im Dialekt zu breaken.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhundert war Platt meist die erste erlernte Sprache, im Laufe der Zeit setzte sich wie in vielen Regionen das Hochdeutsch durch. Gerade viele ältere Menschen sprechen im Alltag aber immer noch Münsterländer Platt, denn: N ollen Baum löt sich laig ümpuorten. Klar, oder? Nein? Okay, dann die Übersetzung: Ein alter Baum lässt sich nicht verpflanzen.

Wer stilecht grüßen will, sollte sich diese Vokabeln merken: Gueten Dag! Wu Gait‘t di? (Guten Tag, wie geht es dir?)

Hat Münster einen Flughafen?

25 Kilometer nördlich von Münster liegt der Flughafen Münster/Osnabrück. Der IATA-Code lautet FMO. Von hier starten Flugzeuge vornehmlich in Richtung europäischer, nordafrikanischer und türkischer Urlaubsziele. Die meisten Flüge werden von der maltesischen Fluggesellschaft Corendon durchgeführt.

Der Flughafen ist international, im Vergleich zu anderen Airports in NRW wie dem Flughafen Düsseldorf oder dem Flughafen Köln/Bonn aber eher klein.

Welcher Bus fährt in Münster?

Straßenbahnen oder U-Bahnen gibt es in Münster nicht bzw. nicht mehr, ein Schienennetz wurde bereits in den 50er Jahren wieder abgebaut. Wer in entlegenere Stadtteile muss und nicht das Rad nehmen will, fährt mit dem Bus. Der Busverkerkehr liegt im Verbundgebiet des Westfalentarifs. Insgesamt gibt es in Münster 22 Stadtbuslinien.

Hier finden Sie die Buslinien mit der entsprechenden Linien-Nummer und den Streckenverlauf:

  • 1: Amelsbüren – Hiltrup – Hauptbahnhof – Roxel
  • 2: Alte Sternwarte – Hauptbahnhof – Mauritz Mitte (– Mariendorf – Handorf Kaserne)
  • 4: Düesberg Clemenshospital – Hauptbahnhof – Gelmer / (– Waldfriedhof Lauheide)
  • 5: Hiltrup / Berg Fidel – Hauptbahnhof – Gievenbeck – Nienberge
  • 6: Hiltrup – Angelmodde Waldsiedlung – Gremmendorf – Hauptbahnhof – Coerde Speicherstadt
  • E6: Loddenheide Friedenspark – Hauptbahnhof (nur während der Hauptverkehrszeit)
  • 7: Düesberg Kriegerweg – Hauptbahnhof – Nienberge
  • 8: Wolbeck – Angelmodde Dorf – Gremmendorf – Hauptbahnhof – Coerde
  • 9: Hiltrup – Hauptbahnhof – Kinderhaus (– Sprakel)
  • 10:  Mecklenbeck – Aaseestadt – Hauptbahnhof – Mauritz Mitte – Handorf
  • 11: Mauritz Tannenhof – Hauptbahnhof – Gievenbeck Dieckmannstraße
  • 12: Hauptbahnhof – Gievenbeck Rüschhausweg
  • 13: Hauptbahnhof – Technologiepark
  • 14: Mauritz Friedhof – Hauptbahnhof – Zoo
  • 15: Albachten – Mecklenbeck – Hauptbahnhof – Kinderhaus Brüningheide
  • 16: Mecklenbeck – Hauptbahnhof – Kinderhaus Brüningheide
  • 17: Loddenheide Krögerweg – Hauptbahnhof – Zentrum Nord – Kinderhaus Schulzentrum
  • 18: Wolbeck – Hiltrup – Amelsbüren - Alexianer Campus
  • 19: Waldfriedhof Lauheide - Sudmühle - Coerde – Kinderhaus – Sprakel
  • 20: Albachten – Roxel – Mecklenbeck
  • 22: Wolbeck – Hauptbahnhof – Gievenbeck Heekweg (Verschränkung mit R22 / R32)
  • 33: Hauptbahnhof – St. Franziskus Hospital – Coesfelder Kreuz – Hauptbahnhof (Ringlinie gegen Uhrzeiger)
  • 34: Hauptbahnhof – Coesfelder Kreuz – St. Franziskus Hospital – Hauptbahnhof (Ringlinie im Uhrzeiger)

Überdies gibt es Nachtbusse, die werktags von 21 bis 1 Uhr und an den Wochenenden von 21 bis 8 Uhr im 30-Minuten-Takt durch die ganze Stadt und über den Hauptbahnhof fahren (nach 1 Uhr im Stundentakt).

Hotel in Münster: Wo kann man gut übernachten?

Münster hat genug für mindestens einen Wochenendtrip zu bieten, wer länger bleibt, kann mit dem Rad auch noch das Umland wie etwa die Rieselfelder erkunden, durch die lange Radwege führen. Für Übernachtungen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, in der Innenstadt oder zentrumsnah gibt es mehr als 60 Hotels, dazu kommen Pensionen und Ferienwohnungen.

Besonders hoch ist die Hoteldichte zwischen dem Hauptbahnhof und der Innenstadt von Münster, aber auch im Alstadtkern gibt es Übernachtungsmöglichkeiten. Auch am Aasee etwas außerhalb des Stadtkerns liegen Hotels.

Durchschnittlich zahlt man für ein Doppelzimmer in Münster pro Nacht zwischen 110 und 130 Euro – im Hostel geht es auch deutlich günstiger (ab etwa 45 Euro), je nach Lage und Ausstattung des Hotels natürlich auch deutlich teurer.

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