Über 1300 Fahrten

Ballonteam macht nach 28 Jahren Schluss – Tüv hat Ballon „aus dem Verkehr gezogen“

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Im Jahr 2017 war das Ballonteam bei einem Weltrekordversuch im französischen Chambley dabei. Der Werler Ballon (links) war dabei prominent platziert.
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Über 1300 Fahrten hat Wolf-Dietrich Kadach als Ballonpilot absolviert. Eine weitere wird allerdings nicht mehr dazukommen. So ganz freiwillig hört er aber nicht auf.

Werl/Holtum – In der ganzen Region ist es bekannt, wohl jeder Werler hat schon mal einen seiner Ballons am Himmel über der Stadt gesehen: das Ballonteam Werl. Doch jetzt ist Schluss damit. Inhaber Wolf-Dietrich Kadach hat nun nämlich das Ende des Teams angekündigt. Schweren Herzens, aber doch auch versöhnlich.

„Es war eine wunder-, wunderschöne Zeit“, sagt Kadach, der in seinen 28 Jahren als Ballonpilot über 1 300 Fahrten gemacht hat. Weitere kommen allerdings nicht mehr dazu. Denn Kadach verfügt über keinen funktionstüchtigen Ballon mehr. „Der Tüv hat ihn mir aus dem Verkehr gezogen“, erklärt der Holtumer. Sein Ballon habe nicht mehr die nötige Reißfestigkeit gehabt.

Ballonteam macht nach 28 Jahren Schluss – Tüv hat Ballon „aus dem Verkehr gezogen“

Das sei zwar noch zu reparieren gewesen, doch bei der weiteren Prüfung fielen dem Tüv noch andere Schäden an Kadachs Gefährt auf. Also hätte eine komplett neue Hülle hergemusst. „Doch die kostet mehrere zehntausend Euro“, berichtet der Pilot. „Ich bin jetzt 72 Jahre alt. Das hätte sich für mich nicht mehr gelohnt.“ Deshalb hat er sich zu der Entscheidung durchgerungen, das Ballonteam aufzulösen.

In seinen 28 „wunderschönen Jahren“ in der Luft hat Kadach so einiges gesehen. „Ich hatte tolle Erlebnisse in der ganzen Welt“, erinnert er sich mit einem Lächeln gerne zurück. So waren er und seine Mitstreiter – neben den vielen gebuchten Fahrten in der Heimat – etwa in Polen, Österreich oder Ungarn im Ballon unterwegs, aber auch auf Bali und den Philippinen. Gerade die Philippinen hinterließen beim Holtumer einen bleibenden Eindruck. Die Armut der Menschen dort bewegte ihn so sehr, dass das Ballonteam einen eigenen Förderverein gründete, um eine Schule auf der philippinischen Insel Luzon finanziell zu unterstützen. Die Gelder wurden verwendet, um in den Ausbau der Schule zu investieren. 2020 löste sich der Förderverein auf, da er die staatlichen Auflagen für die Gemeinnützigkeit nicht erfüllte.

Im französischen Chambley, in der Nähe von Metz, hat das Ballonteam außerdem an einem Weltrekordversuch von zahlreichen Ballonpiloten teilgenommen. Auf vielen weltweit veröffentlichten Bildern dazu war der farbenreiche Ballon aus Werl an vorderster Front zu sehen.

Lizenz läuft im Sommer aus

Gewerbliche Fahrten darf Kadach schon seit zwei Jahren nicht mehr anbieten, erzählt er. „Das ist in Deutschland nur bis zu einem Alter von 70 Jahren erlaubt“, so Kadach. „Privat dürfte ich aber schon noch fahren.“ Dafür gebe es keine Altersgrenze – solange ein Arzt ihm eine gute körperliche Verfassung attestiere. Doch seine Pilotenlizenz für den Ballon läuft nur noch bis zum Sommer. Aller Voraussicht nach werde er sie wohl nicht nochmal verlängern lassen, obwohl er sich noch fit fühlt. „Ich genieße das Ballonfahren jetzt von unten“, sagt Kadach.

Viel haben Wolf-Dietrich Kadach (links) und sein Ballonteam in den vergangenen Jahren aus dem Ballonkorb gesehen.

Dabei habe er von seinen vielen Freunden aus der Ballon-Szene schon einige Angebote erhalten, doch einfach bei ihnen mit in den Korb zu steigen. „Aber ich weiß nicht, ob ich das möchte“, meint der Holtumer. Er habe die Befürchtung, dass er dann nicht ausreichend mit seiner Leidenschaft abschließen könne.

Einmal wird er aber noch in die Luft steigen. Gemeinsam mit Freunden aus Dresden will Kadach noch bei der Warsteiner Montgolfiade im September dabei sein. Dann allerdings nicht mehr als Pilot, sondern nur als Passagier. „Und danach ist Schluss“, stellt er klar.

Dass er demnächst Schluss machen müsste mit dem Ballonfahren, ist dem 72-Jährigen schon länger bewusst. „Aber so zwei, drei Jahre wollte ich eigentlich noch machen“, sagt er. Nun sei ihm diese Entscheidung durch die Umstände abgenommen worden. „Das ist schon schade“, findet Kadach. „Aber man muss dann auch mal anerkennen, dass es an der Zeit ist.“ Und die zahlreichen Erinnerungen bleiben ihm ja trotzdem.

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