Weihnachten

Nach 37 Jahren das letzte Mal den Weihnachtsbaum aufgestellt

+
Michael Kieseler bei der Justierung des Baumes. Es war das letzte Mal für ihn.
  • schließen
  • Alexander Lange
    schließen

Für Michael Kieseler vom Warsteiner Betriebshof war es das letzte Mal, als er am Dienstagmorgen den Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz aufstellte. Im kommenden Jahr geht er in Rente. Wie das „letzte Mal“ vonstatten ging.

Warstein/Sichtigvor – Ein letzter prüfender Blick aus allen vier Himmelsrichtungen. „Gut, hier unten ist ein kleines Loch, aber das gehört dazu“, sagt Michael Kieseler. „Es ist Natur, das passt.“ Der Weihnachtsbaum auf dem Warsteiner Marktplatz steht. „Das war’s.“ Denn für Michael Kieseler war es gleichzeitig der letzte Baum, den er gemeinsam mit seinen Kollegen vom Betriebshof auf dem Warsteiner Marktplatz aufgestellt hat. Er ist kein emotionaler Typ, deshalb fallen die Schlussworte auch eher knapp aus, als der Baum mit Kies und Keilen gesichert ist: „Alles hat irgendwann ein Ende. Aber es ist wirklich ein schöner Baum, schön dicht und grün. Ich bin zufrieden.“

Der diesjährige Warsteiner Weihnachtsbaum stammt von Familie Mester aus Sichtigvor.

Im kommenden Jahr, Ende Februar, geht Kieseler in Rente. Weil 2024 ein Schaltjahr sein wird, erst am 29. Februar. „Ein Tag länger, so ein Mist“, fügt er scherzend an. Dann sind 37 Jahre im Dienst des Betriebshofes gezählt. Von Anfang an war der gelernte Zimmerer Teil des selbst ernannten „Tannenteams“. Der Mannschaft, die Jahr für Jahr die Ortsteile und die Kernstadt mit Weihnachtsbäumen schmückt.

Früher Bäume mit der Seilwinde vom Stimm-Stamm geholt

„Früher haben wir die Bäume vom Stimm-Stamm mit Trecker und Seilwinde geholt, da lag teilweise ein Meter Schnee. Friedhelm Kruse hat mit seinem Kran den Baum dann hier aufgestellt“, erinnert sich Kieseler. Als sie in einem Jahr einen Baum aus Niederbergheim holten, „hat es so geschüttet, dass uns das Wasser aus den Schuhen lief“, erzählt Kieseler. An diesem Dienstagvormittag ist es nasskalt. Für Kieseler und Kollegen eher mild: „Acht Grad, das geht. Wie gesagt, wir haben schon ganz andere Temperaturen erlebt.“

Per Autokran wurde der Baum in Warstein aufgestellt.

Der Warsteiner Weihnachtsbaum, eine Nordmanntanne, stammt in diesem Jahr aus einem Sichtigvorer Garten in der Römerstraße. Dem der Familie Mester. Dabei war die Tanne schon einmal Weihnachtsbaum, vor fünf oder sechs Jahren wurde die Spitze abgesägt und als Wohnzimmertanne genutzt. Zum Glück wuchs sie schnell nach, nun steht der gesamte Baum im Warsteiner Wohnzimmer. „Er sollte sowieso weg, von daher freuen wir uns über die schöne Verwendung“, erklärte Familie Mester am Dienstagmorgen, als Michael Kieseler die Kettensäge ansetzte. Per Autokran wurde der Baum auf den städtischen Lastwagen gehoben und anschließend von dort durch den Wald ins Stadtzentrum transportiert. Fast zehn Meter lang schätzte Jörg Wasmuth vom „Tannenteam“, das exakte Gewicht von 1,7 Tonnen zeigte die Kranwaage an. Der diesjährige sei „vergleichsweise klein“, es gab auch schon Bäume, die 12 oder 13 Meter hoch waren. Aber auch Wasmuth ist vom diesjährigen Modell angetan: „Der sieht gut aus, gefällt mir.“ Und wenn bald der Baumschmuck und die Lichterketten folgen, dann wir aus der Nordmanntanne auch ein richtiger Christbaum.

Bäume können dem Betriebshof angeboten werden

Den wird sich dann auch Michael Kieseler gerne noch einmal anschauen. Auch wenn er kein emotionaler Typ ist. Das „Tannenteam“ sei immer „eine eingespielte Truppe“ gewesen, sagt er. Und zuhause wird er auch weiterhin, auch über die Rente hinaus, den Weihnachtsbaum aufstellen. Autokran und Lkw wird es dafür nicht brauchen. Aber aus dem eigenen Garten wird der Weihnachtsbaum auch nicht sein, sagt Kieseler lachend: „Da haben wir auch gar keinen.“

Mit Keilen wird der Baum abschließend gesichert.

Den letzten Baum nach dem Start der Aktion am letzten Freitag stellte das städtische Tannenteam am Dienstag übrigens auf dem Belecker Wilkeplatz auf. „Der Baum ist auch wunderbar“, freute sich Betriebshof--Leiter Ingo Schaup auch über diese Baumspende von Bürgern, in diesem Fall aus der Berliner Straße auf dem Seller. Auch wenn die Liste bereits gut gefüllt ist – „wir haben schon welche fürs nächste Jahr“ –, so freut sich der Betriebhof immer über weitere Angebote von Weihnachtsbäumen aus Privatgärten, denn nicht nur der Marktplatz in Warstein und der Wilkeplatz in Belecke müssen bestückt werden, sondern auch die Plätze in allen andere Ortschaften.

Kommentare