Bundestagswahl

SPD will Erfolge besser verkaufen

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Abgehängt: Dennis Kosian (CDU) montiert Wahlplakate mit Arnd Hilwig ab.
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Nach der Wahl: Die Sozialdemokraten verlieren fast 10 000 Stimmen, sehen aber hoffnungsvolle Zeichen für die Kommunalwahl im September.

Drei Tage nach der Bundestagswahl hängen die Wahlplakate inzwischen nutzlos an den Straßenrändern. In den Parteien versucht man derweil, sich einen Reim auf das Ergebnis zu machen. Es geht insbesondere um die Frage, ob und wie der Aufstieg der AfD sich stoppen lässt – ganz konkret mit Blick auf die Kommunalwahl am 14. September.

Die SPD hat ihren Kandidaten Michael Thews zwar mit Mühe und Not nochmal nach Berlin gebracht, hat aber sonst ordentlich Federn lassen müssen. 9 811 Wähler verlor die Partei gegenüber der Bundestagswahl 2021 (minus 12,6 Prozent). Die AfD gewann 12 009 Stimmen dazu (plus 12 Prozent).

Dass eine hohe Wahlbeteiligung der SPD zugute kommt, gelte seit Sonntag nicht mehr, sagte die Hammer Parteivorsitzende Dilek Dzeik-Erdogan. Die AfD werde nicht wegen ihres Programmes, aber aus Überzeugung gewählt. Sie hofft, dass die Bürger zwischen Bundestag und Rathaus differenzieren. Und sie ist sich sicher: „In Hamm machen wir vieles besser und treffen die Realitäten der Menschen.“

Die SPD müsse ihre Erfolge sichtbar machen, sagt Thews dazu. Gerade in Hamm gebe es viel, was für die Partei spreche, die „familienfreundlichste Stadt“ beispielsweise. Und die wirtschaftliche Lage, ergänzt der Landtagsabgeordnete Justus Moor. Die sei besser als andernorts.

Die Union ist weniger gebeutelt – abgesehen vom Scheitern ihres Kandidaten Arnd Hilwig. Der überlegt, ob es nicht ein Fehler gewesen sei, die AfD bei vielen Wahlveranstaltungen außen vorzulassen. Dass jüngst 1 500 Menschen auf dem Marktplatz gegen den Rechtsruck demonstrierten, macht Hilwig nur bedingt Hoffnung: Demos seien kein Mittel, um AfD-Wähler zurückzuholen.

31 051 Bürgerinnen und Bürger haben ihre Stimme per Brief abgegeben. Das entspricht einem Anteil von 25,46 Prozent. Das liegt deutlich unter dem Wert der Bundestagswahl 2021. Damals gab es 42,8 Prozent Briefwähler, was nach Einschätzung der Stadt eine Folge der Corona-Epidemie war. Bei der Europawahl 2023 lag der Briefwahlanteil bei 33,8 Prozent. Wie die Briefwahl-Beteiligung jetzt in den einzelnen Stadtbezirken war, habe man aus zeitlichen Gründen nicht auswerten können, so die Stadt.

338 Stimmbezirke im Wahlkreis Hamm-Unna II waren am Sonntagabend ausgezählt, nur der 339. fehlte noch bis in die Abendstunden hinein. In der Fahrschule Ziethmann in Braam-Ostwennemar dauerte die Auszählung ungewöhnlich lange. Einen konkreten Grund für die zeitliche Verzögerung habe es nicht gegeben, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Es seien aufgrund von Unstimmigkeiten mehrfache Auszählungen notwendig. Das komme bei größeren Wahlen immer mal wieder vor.

Seit dem 12. Januar dürfen die Plakate der Parteien im öffentlichen Raum stehen und hängen. Und bis zum 9. März müssen sie wieder verschwunden sein. Sechs Wochen vor und zwei Wochen nach der Wahl laute die Frist, sagte Stadtsprecher Lukas Huster.

Zehn Anzeigen wegen Sachbeschädigung registrierte die Polizei in Zusammenhang mit der Bundestagswahl. Es handele sich um Diebstahl, Vandalismus und Verunstaltung von Plakaten. Das entspräche auch den Werten von 2021. Man sei vermehrt Streife gefahren, Vorkommnisse an Wahllokalen habe es aber nicht gegeben.

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