VonReinhold Großelohmannschließen
Es gibt neue Pläne für das Risse-Gelände. Im historischen Steinbruch am Rande der Warsteiner Innenstadt sollen unter anderem ein Seniorenheim, ein Supermarkt, Cafés und eine Kita entstehen.
Warstein – Der Weg war lang und mühsam. Und die Hürden, die noch zu nehmen sind, haben es in sich. Doch auf allen Seiten ist die Entschlossenheit groß, dass es nun im zweiten konkreten Anlauf etwas werden soll. Im Ausschuss für Stadtentwicklung erblickten am Dienstagabend die Pläne fürs Risse-Gelände das Licht der Öffentlichkeit. „Spektakulär“, „super“, „Wahnsinn“, „eine große Chance für Warstein“, so die Reaktionen von Experten und Politikern auf das, was in dem brach liegenden Steinbruch in den nächsten Jahren passieren soll.
Vier Gebäude sollen entstehen: ein Seniorenheim mit über 100 Betten plus Supermarkt, Cafés, Läden, eine Kita, ein Drogeriemarkt, 200 bis 250 neue Arbeitsplätze, 40 neue Wohnungen, 680 Parkplätze, Radweg und das alles zentrumsnah, aber vom Durchgangsverkehr abgeschottet.
Neue Pläne für das Risse-Gelände in Warstein: „Spektakulär“
Das seit Jahrzehnten am Rande der Warsteiner Innenstadt als „lost place“ vor sich hin dämmernde Großgelände hat eine extrem lange Vorgeschichte. Nicht nur als historischer Steinbruch und in der Folge als Betonwerk der Steinfirma Risse. Auch als Hoffnungsträger für ein modernes Warstein. Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, dass bereits einmal mit Akribie und Engagement Großes geplant wurde. Doch mitten im Prozess zog die Stadt die Notbremse und machte eine neue Vorgabe: Erst müsse sich die Innenstadt baulich entwickeln. Denn hier gab es gleich an mehreren Stellen große Probleme.
Dieser Schritt ist spätestens mit der Rathaus-Sanierung und -Erweiterung sowie der Bebauung des Bergenthal-Geländes als „Domquartier“ getan, so dass das Risse-Gelände nun wieder in den Fokus genommen wird. Einen langen Atem hat dabei die Eigentümerfamilie Risse bewiesen, auch weil erhebliche Vorleistungen mit dem Abriss der alten Hallen, dem Erwerb von Grundstücken sowie der nunmehr zweiten aufwändigen Planung getan wurden. Ausschussvorsitzender Hubertus Jesse freute sich deshalb mit Raymund und Marvin Risse die Vertreter zweier Generationen in der Sitzung zu begrüßen, die beim öffentlichen Neustart des Großprojektes mit Planern und Architekten dabei sein wollten.
Die Größenordnungen des Projektes umriss Architekt Thomas Maass: Von den 7,5 Hektar werden 4,5 Hektar bebaut mit einer Nutzfläche von 17 000 Quadratmetern.
„Überschaubare Wettbewerbsauswirkungen“ – Drogeriemarkt DM im Gespräch
Wesentlich ist für das Projekt, dass es keine negativen Auswirkungen auf andere Bereiche der Stadt gibt. Notwendig wird nämlich nicht nur die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes, sondern auch die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes. Dazu erklärte Monika Kollmar vom beauftragten Institut GMA, dass es aus ihrer Sicht nur „überschaubare Wettbewerbsauswirkungen“ mit vertretbaren Umsatzverschiebungen gebe.
Aus der Innenstadt sieht sie nur Netto betroffen, aber nicht gefährdet. Bäckereien würden mit den neuen Angeboten Konkurrenz bekommen. Den neuen Drogeriemarkt – dm ist als Betreiber im Gespräch – werde „Rossmann ganz stark merken“. Allerdings sei der Drogeriemarkt wegen der Innenstadtnähe wertvoll. Im Domquartier war es wegen der Parkplatzsituation nicht zur Ansiedlung gekommen – nunmehr seien die Bedingungen ideal. Die Konkurrenz mit dem neuen „Vollsortimenter“ würden natürlich die beiden Verbrauchermärkte Edeka und Combi spüren – allerdings halte sich dies im Rahmen. „Das ist eben Entwicklung“, sagte Monika Kollmar.
Wegen der noch bestehenden Umgehungsstraßen-Planung darf ein erheblicher Teil der Risse-Fläche nicht bebaut werden, so dass zwangsläufig großer Abstand zu den Felswänden gehalten wird.


