VonGeorg Dickopfschließen
Ein heimischer Jäger machte im Raum Herscheid eine nicht alltägliche Entdeckung, denn er sah nicht nur einen Wolf, sondern gleich zwei Exemplare in der Nähe einer Wildscheinrotte.
Herscheid – Es war die DNA-Probe einer Wölfin aus Herscheid, die ausschlaggebend dafür war, dass das Ebbegebirge schon bald zum offiziellen Wolfsgebiet ernannt wurde. Ein solches Gebiet wird bei einer festen Ansiedlung von Wölfen ausgewiesen, das heißt, wenn ein Wolf über die Dauer von einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet nachgewiesen werden kann.
Doch nun gibt es eine neue Sichtung, die aufhorchen lässt, denn mittlerweile gibt es im Raum Herscheid offenbar nicht nur die genetisch dokumentierte Wölfin mit der Kennung GW2856f, sondern auch noch einen zweiten Wolf.
Den hat ein aktiver Jäger und ehemaliger Jagdaufsehen (Name des Jägers und genaue Ortslage sind der Redaktion bekannt) Ende Juni im östlichen Herscheider Gemeindegebiet gesehen. Mit Rücksicht auf mögliche Schaulustige oder „Wolf-Fans“, die bei einer genauen Ortsnennung im Revier auftauchen, wollte der Jäger den Ort des Geschehens lieber ungenannt lassen.
Nachtsichtgerät im Einsatz
Der seit vielen Jahren aktive Jäger, der an dem Abend gemeinsam mit einem Jungjäger zur Wildbeobachtung unterwegs war, habe mit einem Nachtsichtgerät die Umgebung auf Wildschweine abgesucht und schließlich in einer Senke am Rande eines Ackers gleiche 13 Schwarzkittel entdeckt. Er habe selbst einen guten Stand gehabt, denn der Wind kam aus Richtung der rund 200 Meter entfernt stehenden Wildschweine, die zwar ausgezeichnet riechen, aber nur schlecht sehen könnten.
„Doch dann ganz plötzlich kam Bewegung rein und die Wildschweine haben sich zu einer Gruppe zusammengerottet und Reißaus genommen“, berichtete der Jäger. Den Grund dafür entdeckte er Sekunden später durch das Nachtsichtgerät, das bei dem Vorfall kurz vor Mitternacht gestochen scharfe und dank des vorhandenen Restlichtes stark aufgehellte Bilder lieferte.
„Wir entdeckten gleich zwei Wölfe, die angesichts der Wildschweinrotte fast schon selbst überrascht wirkten. Sie setzten den Wildschweinen kurz nach, verzichteten dann aber auf eine weitere Jagd“, so der Jäger.
Vor einigen Wochen waren in der Höllmecke zwischen Neuenrade und Werdohl ebenfalls zwei Wölfe gesichtet worden, doch hier wie da fehlen der Foto- und ein DNA-beweis, der dem Augenzeuge in der Kürze der Zeit nicht gelang.
Dass es zwei Wölfe in Herscheid waren, daran lässt der langjährige Jagdaufseher keinen Zweifel.
Wolfswelpen nach 63 Tagen Tragezeit
Der heimische Wolfsberater Heiko Cordt nahm die Sichtung interessiert zur Kenntnis und vermutete, dass sich ein junger Wolfsrüde der hier heimischen Wölfin angeschlossen hat.
„Beim normalen Zyklus werden nach einer 63-tägigen Tragezeit neue Welpen im Frühjahr geworfen und wären jetzt schon lange da“, weiß Cordt, der sich aber an Spekulationen nicht beteiligten möchte, da im besagten Fall eine DNA-Spur oder ein Riss fehle, die aber dringend notwendig seien für das Wolfsmonitoring.
Nachwuchs im Frühjahr
Grundsätzlich würden die Wolfswelpen nach der Geburt im Frühjahr irgendwann vom Rudel verstoßen und würden dann in der Gegend herumstreifen. Es sei demnach nicht auszuschließen, dass das auch in Herscheid passiert sei, allein der wissenschaftliche Beweis oder ein Fotobeweis würden fehlen.
Sollten sich die Wölfe im Ebbegebirge paaren, könnte es hier möglicherweise bald auch ein Wolfsrudel geben. Die Wildschweine in der Ebbegemeinde sind zumindest bereits deutlich vorgewarnt worden.

