Fünf Sensoren messen die Geschwindigkeit, Abstand und Fahrtrichtung des Fahrzeugs, ein Laser misst zusätzlich zur Kontrolle den Abstand des Fahrzeugs. Weiterhin befindet sich die Rechnereinheit in dem Gehäuse. Das Ganze ist funk- und Wlan-gesteuert; auf dem Boden steht der „Repeaterkoffer“, der die Daten zum Fahrzeug sendet.
Was das vielen Autofahrern verhasste Blitzen im Straßenverkehr betrifft, ist die Polizei so etwas wie die kleine Schwester des Platzhirschs Stadt Hamm. Heißt: Die Behörde hat weitaus weniger solcher Gerätschaften, die Zahlen sind entsprechend kleiner. Doch auch die Polizei hat seit kurzer Zeit schärfere Zähne. Wir dürfen vorstellen: „Eso 8“.
Hamm - Wie ihre Vorgängerin „Eso 3“ und überhaupt die meisten ihrer Verwandten ist die „Eso-8-Messanlage“ weder eine Schönheit noch ein Alleskönner. Doch ein Vielseiter ist das jüngste mobile Blitz-Paket Hamms allemal und damit seit dem Jahreswechsel 2021/2022 die polizeiliche „Allzweckwaffe“ schlechthin im Kampf gegen Raser in unserer Stadt. Die mit rund 100.000 Euro aber auch einen stolzen Kaufpreis hat.
Nach rund zehn aktiven Jahren war „Eso 3“ Ende 2021 in die Blitzer-Rente geschickt worden. Auf den ersten Blick sieht „Eso 8“ sehr ähnlich aus. Doch ist das Gerät natürlich deutlich moderner, genauer und flexibler. Der so genannte Einseitensensor - daher die Abkürzung Eso - misst wie zuvor im 90-Grad-Winkel zur Fahrbahn, erfasst also mehrere Spuren und beide Fahrtrichtungen (hier klicken). Wichtigste Neuerungen sind laut Polizeisprecher Hendrik Heine die Abkehr vom Kabelsalat hin zur Wifi-Verbindung, ein Abstands-Laser zur exakten Positionierung der Fahrzeuge an der Fotolinie auch bei sich ändernder Helligkeit sowie bessere Kameras mit höherer Auflösung. Diese sollen übrigens auch Motorräder „sauberer“ identifizieren können.
Polizeisprecher Heine betont, dass man mit „Eso 8“ besonders spontan und flexibel auf Bürgerbeschwerden reagieren könne. Das passiere aber nicht nach dem Prinzip Zufall, sondern in Abstimmung mit der Stadt: Diese melde der Polizei die geplanten Standorte ihrer Enforcement Trailer (bekannt als Blitzanhänger) und der „Vitronic Caddys“ - so werden Überschneidungen vermieden und sinnvolle Platzierungen möglich.
Neuer Blitzer der Polizei Hamm kann 24/7 im Einsatz sein
Als „Allzweckwaffe“ kann „Eso 8“ mitsamt des speziell zugeschnittenen Begleitfahrzeugs an sieben Tagen und Nächten in der Woche im Zweischichtbetrieb eingesetzt werden. Pro Schicht können durchaus mehrere Stellen angesteuert werden. Das Team bestehe grundsätzlich aus vier Mitarbeitern, ergänzt Heine. Die Auswertung der Daten werde „im Vier-Augen-Prinzip mit einer speziellen Software durchgeführt“.
Traurige Rekorde
Mit der Eso-8-Anlage konnte die Polizei bereits etliche Verkehrssünder ermitteln. So wurde ein Autofahrer an der Kerstheider Straße mit 112 km/h geblitzt (erlaubt: 50), auf der Richard-Wagner-Straße erreichte einer 90 km/h, an Kinderspielplätzen (zum Beispiel an der Ahornallee und an der Soester Straße) fuhren Verkehrsteilnehmer teils mit mehr als 80 km/h vorbei, und auch 70 km/h in Tempo-30-Bereichen seien „keine Seltenheit“.
Angehalten werden die geblitzten Fahrzeughalter in der Regel nicht unmittelbar; das böse Erwachen kommt somit mitunter erst mit der Post ins Haus. Anders verhält es sich, wenn das Gerät in geplanten Schwerpunkteinsätzen mit mehr Personal eingesetzt werde: Dem Anhalten folgt dann ein „verkehrsdidaktisches Gespräch“ mit dem Sünder oder der Sünderin.
Gleiches geschieht übrigens auch, wenn eine Örtlichkeit nicht für das „Eso“-Fahrzeug geeignet ist und alternativ ein Lasergerät genutzt wird. Dabei werde der Verkehrsdienst der Polizei von Kräften des Wachdiensts ergänzt, erklärt Heine. Er betont, dass der Kontroll-Fokus der Polizei unabhängig vom neuem Superblitzers unverändert auf „Verkehrssicherheit“ liegt - also Lasern, Anhalten und Reden.
Das Fahrzeug spielt keine wesentliche Rolle bei den Messungen, es ist nur durch den Ausbau besonders gut für den Transport geeignet und enthält einen Schreibtisch, damit besser darin gearbeitet werden kann.
Bei der Messung wird von drei Sensoren jeweils ein Helligkeitsprofil des Fahrzeugs angelegt. Die Zeiten der Durchfahrt durch die Sensoren werden verglichen, und die Anlage errechnet daraus die Geschwindigkeit. Anschließend werden die Helligkeitsprofile verglichen, um Fehlmessungen zu vermeiden - zum Beispiel durch ein mögliches zweites Fahrzeug im Messbereich.