VonMarvin K. Hoffmannschließen
Daniel Schröderschließen
Der Westfalenpark in Dortmund platze am Mittwoch aus allen Nähten. Mancher Fan fand bei Ordnern allerdings die richtigen Argumente und „durfte“ über den Zaun klettern.
Dortmund - Dortmund war am Mittwoch die inoffizielle Hauptstadt der Niederlande. Weit mehr als 100.000 Fans waren zum EM-Halbfinale zwischen den Niederlanden und England in der Stadt – ein Großteil davon trug Orange. Bereits gegen 18.15 Uhr, fast drei Stunden vor Anpfiff, hatte die Stadt Dortmund mitgeteilt, dass die Fanzonen auf dem Friedensplatz und im Westfalenpark mit ihrer Gesamtkapazität von 50.000 Besuchern restlos voll waren.
Für 150 Euro über den Zaun klettern: Holland-Fans schmieren Ordner in Dortmund
Doch nicht alle Oranje-Fans ließen sich davon abschrecken: Sie strömten weiter Richtung Westfalenpark. Manche von ihnen hatten besonderes Glück. Sie stießen auf „verhandlungsbereite“ Ordner. Die beiden Ordnungskräfte, die bei ihren „Geschäften“ beobachtet werden konnten, hatten eigentlich die Aufgabe, einen Zaun an der Straße „An der Buschmühle“ zu bewachen. Ihr Auftrag: Niemand sollte über die Gitterstäbe in den Westfalenpark klettern.
Um ihr Gehalt, das Ordner-Angaben gegenüber unserer Redaktion zufolge nur wenige Cent über dem Mindestlohn liege, aufzubessern, machten sie manchem Fan jedoch ein Angebot: „One hundred fifty“, bekam ein Holländer zu hören, der wissen wollte, was er für den Eintritt in den gesperrten Park auf den Tisch blättern müsse.
Stadt reagiert auf Vorfall mit Ordnern und Fans
Wie viel er am Ende zahlte, blieb von den Händen, unter denen die Scheine den Eigentümer wechselten, verborgen. Mit Einverständnis der grinsenden Ordner eines Unternehmens, das nach eigenen Angaben „in 44 Ländern mit 341.000 Beschäftigten“ aktiv ist, kletterten der Oranje-Fan und einige Freunde über den Zaun Richtung Public Viewing. Eine Antwort auf eine wa.de-Anfrage an die Sicherheitsfirma zum geschilderten Vorfall steht noch aus. Die Stadt Dortmund hat bereits reagiert.
„Der Veranstaltungsleitung ist bekannt, dass einige Fans über die Zäune in den Westfalenpark geklettert sind – ein äußerst gefährliches Unterfangen, das gestern einige schwere Verletzungen für Besucherinnen und Besucher nach sich gezogen hat“, erklärt eine Sprecherin der Stadt Dortmund auf wa.de-Nachfrage und ergänzt: „Dass Ordner dies geduldet hätten oder sich gar bezahlen ließen, ist uns nicht bekannt und hätte selbstverständlich ernste Konsequenzen.“
Stadt Dortmund: „Kliniken registrieren Verletzungen durch Kletteraktivitäten“
Noch am Abend hatte die Stadt Dortmund auf X (vormals Twitter) mitgeteilt: „Achtung: Bitte nicht über die Zäune im Westfalenpark und der Fan-Zone Friedensplatz klettern! In den Dortmunder Kliniken sind Handverletzungen durch Kletteraktivitäten registriert worden.“
Dortmund ist orange: Holland-Fans feiern wilde EM-Party




Am Zaun an der Buschmühle kehrte Ruhe ein, als berittene Polizisten – wohl infolge von Hinweisen durch Fans, die mit den Ordnern nicht ins Geschäft gekommen waren – vor Ort nach dem Rechten schauten.
EM-Party in Dortmunder City zum Teil eskaliert
In der Dortmunder Innenstadt ist es derweil zu einer wilden Schlägerei in einer Bar gekommen. Doch auch im Park selbst spielten sich verrückte Szenen ab. Fans, die es nicht mehr rechtzeitig in den überfüllten Public-Viewing-Bereich geschafft haben, überrannten kurzerhand die überforderten Ordner an den Bauzaun-Absperrungen. Sie hinterließen aber nicht nur umgestürzte Absperrungen, sondern auch offenbar reichlich Müll. „Die Folgen der ausgelassenen Oranje-Party vor dem Halbfinale sind heute im Westfalenpark noch zu sehen“, teilte die Stadt Dortmund am Donnerstag, 11. Juli, also einen Tag nach dem EM-Spiel, mit. Sie sah sich daher gezwungen, zu einer drastischen Maßnahme zu greifen – den Westfalenpark für Besucher zu schließen.
Die Dortmunder Polizei bilanziert trotz allem einen positiven Verlauf des Spieltaggeschehens. „Man muss das auch in Relation sehen“, ordnet Polizeiführer Achim Stankowitz die Auseinandersetzungen in die Abschlussbilanz ein: „Das Gros der Menschen ist völlig friedlich geblieben und darüber freuen wir uns. Dass es an ein paar Orten zu Auseinandersetzungen kommt, ist bei so einer großen Menschenmenge und den Emotionen bei einer Fußballbegegnung kaum zu verhindern. Wichtig war, dass wir zeitnah vor Ort waren und weitere Eskalationen dank unseres schnellen Eingreifens sofort unterbinden konnten.“

