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Nördliche Hauptstraße in Warstein wird saniert: Das soll passieren

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Erhaltungsbedürftig und sanierungsbedürftig: Die Wäster soll stärker eingebunden und der Radverkehr integriert werden. Dafür sollen Schrottimmobilien, zu denen auch das Brandgebäude um das ehemalige Kino zählt, modernisiert oder zurückgebaut werden.
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Die südliche Hauptstraße wurde bereits erfolgreich saniert, nun ist die nördliche Hauptstraße dran. Insbesondere geht es um zahlreiche sanierungsbedürftige Immobilien. Was in welchem Zeitraum geplant ist und wie Bürger mitreden können.

Warstein – Was im Süden geklappt hat, soll auch im Norden Realität werden. Die Sanierung und Attraktivierung der Hauptstraße zwischen Rangekreuzung und Kreisstraße ist ein großes Anliegen der Stadtverwaltung. Den Prozess steuert das Bielefelder Büro der Deutschen Städte- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK). Zu Gast im vergangenen Stadtentwicklungsausschuss war Mitarbeiter Oliver Engelhardt. Er stellte vor, was das Planungsbüro an der nördlichen Hauptstraße vorhat. Alles sei noch im Anfang. Die Planungen sollen in diesem Jahr abgeschlossen, der Förderantrag dann bis September 2024 gestellt werden, ehe 2025 der Umbau startet. Die Prozesssteuerung des Planungsbüros läuft bis 2026.

Hauptstraße und Verkehr

„Die Straße selber wirkt sich negativ auf die Aufenthalts- und Wohnqualität aus“, machte Engelhardt den Ausschussmitgliedern deutlich. Viel befahren, auch von Schwerlastverkehr, das Ganze noch temporeich. Die Straße müsse aufgewertet werden, gleichzeitig zentrale Verkehrsachse bleiben, erläuterte er weiter. Eine Achse zum „Leben, Arbeiten und Einkaufen“ solle sie sein. Ausschussmitglied Wolfgang Landfester (WAL/Grüne) warf in dem Zusammenhang den Gedanken ein, doch über eine Tempo 30-Reduzierung in dem Bereich nachzudenken: „Das wäre meiner Meinung nach ideal, denn die Hauptstraße birgt aktuell so viele Gefahrenquellen.“

Rad- und Fußwege und Wäster

Gefährlich wird es an der Hauptstraße vor allem für Fußgänger und Radfahrer. Denn beide teilen sich derzeit die Wege am Straßenrand. Das sei schlicht und ergreifend „schlecht“, sagte Engelhardt. Hier müsse eine zufriedenstellendere Lösung geschaffen werden. Wenngleich Martin Kramme vom Sachgebiet Stadtentwicklung einwarf, dass der Platz aufgrund der nötigen Straßenbreite und der seitlichen Bebauung natürlich begrenzt sei.

Etliche Immobilien an der nördlichen Hauptstraße haben einen Sanierungsbedarf.

Mehr oder weniger im Dornröschenschlaf befindet sich die neben der Hauptstraße fließende Wäster. Im Rahmen der Sanierung soll auch sie stärker eingebunden und hervorgehoben werden.

Aber auch zukünftige Entwicklungen auf dem Risse-Gelände seien schon jetzt Teil der Hauptstraßen-Planungen. Nicht nur, was Rad- und Fußwege angehe – auch eine entsprechende verkehrliche Verbindung zwischen Gelände und Hauptstraße sei wichtig.

Immobilien und Eigentümer

Kernpunkt der Sanierung, daraus machte auch im Ausschuss niemand einen Hehl, seien aber die Immobilien – insbesondere die auf der westlichen Straßenseite. „Welchen Bestand haben wir und wie können wir ihn nutzen?“ – das sei derzeit der Arbeitsschwerpunkt des Planungsbüros, so Engelhardt: „Wir wollen die stadtbildprägenden Immobilien sichern und weiterentwickeln. Aber es sind sehr viele Immobilien, die saniert werden müssen. Viele Gebäude weisen mangelnde energetische Beschaffenheit auf, die den allgemeinen Anforderungen an Klimaschutz und Klimafolgeanpassung nicht gerecht werden.“

Und dieser „städtebauliche Missstand“ wirke sich negativ auf den Standort aus. Es sei derzeit weder besonders attraktiv dort zu leben, zu arbeiten noch sich mit Geschäftsräumen niederzulassen. Was also tun? Die entsprechenden Immobilien müssen umgebaut und umgenutzt werden. Auch aus leer stehenden Schaufenstern könnten beispielsweise Wohnungen werden, ohne die stadtbildprägende und denkmalwürdige Bausubstanz zu zerstören. Klar sei aber auch: Denkmalwürdig oder stadtbildprägend sind nicht alle Immobilien an der nördlichen Hauptstraße.

Etliche Immobilien an der nördlichen Hauptstraße haben einen Sanierungsbedarf.

Deshalb baut das Bielefelder Planungsbüro einen Sanierungsfahrplan auf, auch ein erstes Gespräch mit den Anliegern habe bereits stattgefunden. Die Eigentümer der Immobilien sollen auch weiter gezielt über Fördermöglichkeiten – ob für die Sanierung oder den Rückbau – informiert werden. Habe das keinen Erfolg, könne die Stadt aber beispielsweise auch über das sogenannte städtebauliche Gebot eingreifen, um zum Beispiel eine Modernisierungs- oder Rückbau-Maßnahme durchzusetzen. Auch ein allgemeines Vorkaufsrecht der Stadt könne ein städtebauliches Instrument sein, sofern Gespräche mit Anliegern und Förderchancen nicht das gewünschte Ergebnis bringen.

„Erst einmal probieren wir es aber über Kontaktaufnahme, Verhandlungen und Fördermaßnahmen. Und unsere Erfahrung hat gezeigt: Wenn einer anfängt, macht der Nachbar auch mit“, erläuterte Engelhardt, während Sabine Leitner vom Fachbereich Bauen und Wohnen ergänzte: „Wir sind um jede Maßnahme dankbar.“

Leerstehende Ladenlokale

Im Rahmen der Sanierung sollen auch Lösungen für die leer stehenden Ladenlokale gefunden werden, denn: „Die Nachfrage nach Ladenlokalen ist anhaltend gering.“ Auch, weil die großen Vollversorger den Einkaufsbedarf decken. Eine dauerhafte Umnutzung werde angestrebt – durch Wohnungen, aber auch Dienstleistungen, nachbarschaftliche, kulturelle oder soziale Nutzungen.

Ganz verschwinden sollen Ladenlokale aber nicht von der nördlichen Hauptstraße. Zukünftig sollen sie sich auf den oberen Teil ab der Rangekreuzung konzentrieren.

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