VonHannah Deckeschließen
Arme werden ärmer: Das ist die Bilanz des Paritätischen Armutsberichts für 2024. Die regionalen Unterschiede sind groß. NRW ist eines der Schlusslichter.
Hamm - Fast jede sechste Person in Deutschland ist von Armut betroffen. Das ist das Ergebnis eines Armutsberichts, den der Wohlfahrtsverband „Paritätische“ herausgegeben hat. Demnach haben einkommensarme Menschen in den vergangenen Jahren an Kaufkraft verloren. Der Bericht schlüsselt seine Ergebnisse nach Bundesländern auf. Nordrhein-Westfalen liegt weit hinten.
NRW bei Armuts-Ranking weit hinten – Unterschiede bei den Bundesländern sind „gravierend“
Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verfügen. Das waren vergangenes Jahr 1378 Euro im Monat netto. In NRW leben dem Armutsbericht zufolge 17,4 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Damit belegt das bevölkerungsreichste Bundesland Platz 14 von 16. Nur in Sachsen-Anhalt (22,3 Prozent) und Bremen (25,9 Prozent) gelten noch mehr Menschen als armutsgefährdet.
„Der Unterschied ist gravierend. Während in Bayern jede achte Person von Armut betroffen ist, ist es in Sachsen-Anhalt mehr als jede fünfte Person, in Bremen sogar jede vierte“, heißt es in dem Armutsbericht. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und der höchsten Armutsquote sei dabei von 2023 auf 2024 noch einmal breiter geworden. Dies gehe vor allem darauf zurück, dass die Armutsquote in Bremen im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozentpunkte und in Bayern lediglich um 0,4 Prozentpunkte gestiegen sei.
Armutsbericht für 2024: Quote ist in NRW um 0,7 Prozentpunkte gestiegen
In NRW ist die Armutsquote um 0,7 Prozentpunkte gestiegen und ist damit wieder auf dem Niveau von 2021. Im Jahr 2022 war die Quote laut aktuellem Bericht um 0,1 Prozentpunkte leicht gesunken, 2023 betrug sie dann nur 16,7 Prozent. Nun ist die Armutsquote in NRW wieder angestiegen. Bundesweit ist die Quote um 1,1 Punkte im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Sie liegt bei 15,5 Prozent.
Im Paritätischen Armutsbericht für das Jahr 2022 hatte der Verband die Armutsbetroffenheit nach Regionen aufgeschlüsselt, in NRW stach das Ruhrgebiet seinerzeit besonders als Problem-Region hervor. Seit diesem Jahr ist eine detailliertere Aufschlüsselung der Daten nicht mehr möglich, da der Paritätische Gesamtverband nun andere Daten des Statistischen Bundesamts als Grundlage für seine Berichte nutzt. Wie der Verband auf Nachfrage von wa.de mitteilt, unterscheiden sich deshalb auch die Armutsquoten des diesjährigen Berichts von den Veröffentlichungen der Vorjahre.
„Die Armen werden ärmer“: Besonders Alleinerziehende, junge Erwachsene und Rentner betroffen
Die Inflation habe die Kaufkraft der armutsgefährdeten Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren nach unten gedrückt, betont der Verband. „Die Zahlen belegen, was viele Menschen mit geringem Einkommen schon lange im Alltag spüren: Die Armen werden ärmer“, wird Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, in einer Mitteilung zitiert. Die Kaufkraftverluste würden die ohnehin schon schwierige finanzielle Lage von Millionen Betroffenen verschärfen. Alleinerziehende, junge Erwachsene und Rentner gehören besonders häufig zu den Ärmeren.
Rock fordert: „Die neue Bundesregierung muss die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung jetzt ganz oben auf die Agenda setzen!“
Rubriklistenbild: © Ralph Peters/Imago

