VonWissam Scheelschließen
Die Kriminalität in NRW nimmt zu. Die Zahl der Straftaten ist doppelt so hoch wie in jedem anderen Bundesland – und stieg zuletzt sogar deutlich.
Hamm – In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl erfasster Straftaten deutlich angestiegen. Das belegen Daten des Bundeskriminalamtes (BKA). Demnach wurden im vergangenen Jahr rund 1,37 Millionen Straftaten registriert – etwa 14 Prozent mehr als 2021, wo die Zahl noch bei circa 1,2 Millionen lag. Auch im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 wurden im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW deutlich mehr Straftaten gezählt, und zwar gut 1,22 Millionen – rund 11 Prozent weniger als 2022.
Immer mehr Straftaten: NRW gehört zu den gefährlichsten Bundesländer
Seit Jahren ist diese Zahl von weit über einer Million erfasster Straftaten in NRW doppelt so hoch wie in jedem anderen Bundesland. Mit mehr als 600.000 registrierten Straftaten im Jahr 2022 belegt Bayern erst weit abgeschlagen Platz zwei. Grund dafür ist auch die Bevölkerungszahl: Während NRW 2020 knapp 18 Millionen Einwohner zählte, kam Bayern als zweitbevölkerungsreichstes Bundesland auf gut 13 Millionen.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Gesamtzahl der Straftaten allein kein vollständiges Bild der Kriminalitätssituation vermittelt, weiß Daniela Dässel. Sie ist stellvertretende Leiterin der Pressestelle des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen. Im Gespräch mit wa.de macht sie deutlich: „Zahlen müssen immer interpretiert und eingeordnet werden.“
Straftaten in NRW angestiegen: Häufigkeitszahl spiegelt reelle Gefahr wider
Die Häufigkeitszahl (HZ), also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, spiegelt die tatsächliche Wahrscheinlichkeit wider, in eine Straftat verwickelt zu werden. Dieser Messgröße zufolge schneidet NRW insgesamt als vergleichsweise gefährliches Bundesland ab, Bayern ist hingegen am sichersten. Alle Bundesländer im Überblick (von relativ sicher zu gefährlich anhand der HZ laut Daten der PKS-Tabelle 2022 des BKA):
- Bayern: 4698 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Baden-Württemberg: 4944 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Hessen: 5855 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Rheinland-Pfalz: 5888 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Thüringen: 6445 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Niedersachsen: 6528 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Sachsen: 6612 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Mecklenburg-Vorpommern: 6614 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Brandenburg: 6707 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Saarland: 6936 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Schleswig-Holstein: 7570 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Nordrhein-Westfalen: 7624 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Sachsen-Anhalt: 8226 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Hamburg: 11.394 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Bremen: 11.784 Straftaten pro 100.000 Einwohner
- Berlin: 14.135 Straftaten pro 100.000 Einwohner
Straftaten in NRW angestiegen: „Es hat sich vieles verändert“
Um ein umfassenderes Verständnis der Kriminalitätslage zu erhalten, müssen viele Faktoren einbezogen werden, so Dässel gegenüber wa.de. Dass die Zahl der insgesamt erfassten Straftaten ansteigt, sei von vielen Variablen abhängig und könne ein verzerrtes Bild der Realität abgeben, erläutert die Polizeisprecherin. Denn: Schaut man zehn Jahre zurück, so war die Zahl der Straftaten noch weitaus höher als heute: Sie sank von gut 1,5 Millionen gezählten Straftaten im Jahr 2012 auf etwa 1,37 Millionen 2022 – ein Minus von nahezu 10 Prozent.
In den Jahren sei vieles dazugekommen, habe sich vieles verändert: Der gesamte IT-Bereich habe an Wichtigkeit gewonnen, Erfassungssysteme hätten sich weiterentwickelt, auch Strafrechte hätten sich geändert, erklärt Dässel. Dass die Zahl erfasster Straftaten im Vergleich zu 2021 jetzt so stark ansteigt, habe ihr zufolge auch mit dem Auslaufen der Corona-Beschränkungen zu tun. Diese hätten die Straftaten auf der Straße beeinflusst, Kontaktdelikte schwieriger gemacht, das Entdeckungsrisiko der Täter erhöht. „Einfach, weil so wenig auf den Straßen los war“, sagt sie.
Der Anstieg der Straftaten ist dennoch real. Das bekommen auch einige Städte in NRW zu spüren. Münster ist eine der gefährlichsten Städte im Bundesland. Dort wurden 2022 über 20 Prozent mehr Straftaten als 2021 erfasst.
Rubriklistenbild: © David Young/dpa
