Viele befürworten es

NRW-Gewerkschaft-Chefin mit scharfer Kritik gegen Ende des Acht-Stunden-Tags

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Die Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz plant eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tages. Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW, hält das für keine gute Idee.
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Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz ändern. Eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tages besorgt allerdings die Gewerkschaften in NRW.

Hamm – Ein Arbeitstag dauert acht Stunden. Das war irgendwie schon immer so. Zumindest für alle noch lebenden Arbeitnehmer in Deutschland. Der Acht-Stunden-Tag gilt hier seit 1918, also seit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Kaiserzeit. Im Arbeitszeitgesetz heißt es heute: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.“ Nur in Ausnahmen sind zehn Stunden pro Tag möglich. An dieser Regel will die neue Bundesregierung rund um Kanzler Friedrich Merz nun rütteln. Unternehmen in NRW könnten davon profitieren. Es gibt aber auch heftige Kritik.

Merz will Acht-Stunden-Tag abschaffen – viele befürworten das

Die Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer Wochenarbeitszeit stoßen generell allerdings bei vielen Menschen auf Zustimmung. In einer Yougov-Umfrage befürworteten 38 Prozent den Vorstoß für eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit. Jeder Fünfte (20 Prozent) lehnt dagegen den Plan ab, 37 Prozent sehen das neutral. Die Vorteile liegen für die, die dafür sind, auf der Hand.

Sie erhoffen sich flexiblere Arbeitszeiten, längere Erholungsphasen – man könnte jede Woche ein langes Wochenende haben – und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unter anderem zu diesen Ergebnissen ist auch die Uni Münster in einer aktuellen Studie mit ähnlicher Ausgangslage gekommen. Sie hat explizit eine 4-Tage-Woche untersucht. „Dieses Modell zielt darauf ab, die Arbeitszeit zu verkürzen, ohne die Produktivität zu verringern, und gleichzeitig das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden zu steigern“, heißt es – einhergehend mit den zuvor aufgeführten Vorteilen. Die Ergebnisse lassen sich von den Befürwortern der Abschaffung des Acht-Stunden-Tages adaptieren.

Glückliche Mitarbeiter sind in der Regel produktiver und seltener krank. Die Flexibilität, die eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tags in seiner jetzigen starren Form bieten könnte, würde dabei helfen. Doch das sehen nicht alle so.

Gewerkschaften wollen am Acht-Stunden-Tag festhalten

Die Gewerkschaft verdi etwa sieht die Arbeitnehmerrechte in Gefahr. Bereits anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai hatte Gewerkschaftschef Frank Werneke davor gewarnt, die tägliche Höchstarbeitszeit aufzuweichen. „Damit werden 13 Stunden Arbeit am Stück möglich und rechtlich zulässig“, sagte Werneke laut einer Mitteilung. Die Belastung für Beschäftigte in Deutschland werde „unerträglich“. Ähnlich sieht auch das der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) NRW.

Gegenüber wa.de erklärt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW: „Das Arbeitszeitgesetz ist keine beliebige Verhandlungsmasse. Es ist ein Schutzgesetz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, das ihre Erholung und Gesundheit sichert und auf arbeitsmedizinischen Erkenntnissen fußt.“ Sie befürchtet, dass ein Wegfall des Acht-Stunden-Tages genau das Gegenteil bewirken würde – Unternehmen in NRW würden nicht profitieren, sondern darunter leiden. „Überlange Arbeitszeiten machen krank und führen zu Personalausfällen. Das ist nicht nur sozial problematisch, sondern schadet auch der Wirtschaft in NRW. Deshalb sagen wir: Hände weg vom Arbeitszeitgesetz“, meint sie.

Bestimmte Berufsgruppen könnten ein Nachsehen haben

Aus ihrer Sicht ermögliche das Arbeitszeitgesetz in seiner jetzigen Form bereits eine „große Flexibilität“. Das begründet sie damit, dass ohnehin schon die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden auf bis zu zehn Stunden täglich ausgeweitet werden kann, wenn dies innerhalb von 24 Wochen wieder ausgeglichen wird. „Das muss reichen“, sagt die Vorsitzende des DGB NRW.

Weber befürchtet, dass bestimmte Berufsgruppen ansonsten zwangsläufig unter die sprichwörtlichen Räder kommen. Plattgewalzt vom steigenden Workload sozusagen. Ihre Sorge: „Schon jetzt kommen in zu vielen Branchen Beschäftigte an ihre Belastungsgrenze.“ Das gelte für das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ebenso wie für diejenigen in der Gastronomie oder in der Logistik. „In diesen und vielen weiteren Berufsfeldern“, führt Weber weiter aus, „brauchen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dringend Entlastung und nicht noch mehr Belastung.“ Die Schlussfolterung der Gewerkschafterin aus Nordrhein-Westfalen: „Deshalb dürfen die tägliche Höchstgrenze bei der Arbeitszeit und die Ruhezeiten nicht angetastet werden.“

Die Politik scheint allerdings genau das wiederum anders zu sehen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann betonte, es gehe bei den Plänen explizit nicht darum, die wöchentliche Arbeitszeit auszuweiten. „Es geht darum, dass die wöchentliche Arbeitszeit bleibt und gleichzeitig die tägliche Arbeitszeit ausgeweitet werden kann.“ Ob das tatsächlich gelingt, das wird aber wohl nur die Praxis zeigen können.

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