Wahl am 14. September 2025

OB-Wahl in Köln: Auf der Suche nach Kandidaten – in welchem Fall Reker wieder antritt

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Im September 2025 wird in Köln das Amt des Oberbürgermeisters neu besetzt
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Die Neubesetzung des Oberbürgermeisteramts in Köln findet am 14. September 2025 statt. Die Herausforderung für die großen Parteien, Kandidaten zu finden und was auf den neuen OB wartet.

Köln – Man sollte meinen, es müsse ein großes Gedränge geben. In weniger als einem Jahr, am 14. September 2025, wählt Köln einen Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin. In dieser Stadt, die in freundlicher Selbstüberschätzung am liebsten um sich selber kreist, ist das wie die Erhebung in einen nicht vorhandenen Adelsstand. Von guten Oberbürgermeistern spricht man mit Respekt noch Jahrzehnte später. Doch das Bewerberfeld ist überschaubar.

► Bislang offiziell ins Rennen um die OB-Wahl 2025 in Köln gehen Volker Görzel für die FDP und der Theologe Hans Mörtter als unabhängiger Kandidat. Die Chancen beider sind überschaubar – und dennoch können sie politische Wirkung entfalten. Für die FDP als erfahrene Ratspartei gilt das ebenso wie für den früheren Südstadt-Pfarrer. Der kann dank seines unangepassten Wesens Stolperstein für Kandidaten der Großen sein – für Grüne, CDU und SPD also. Und die FDP kann Schmerzen bereiten, indem sie den Finger auf die Wunde legt und Schwachstellen benennt. Das konnte sie schon immer gut.

OB-Wahl Köln 2025: Tritt Henriette Reker nochmal an?

Henriette Reker, 2015 als Oberbürgermeisterin gewählt und 2020 im Amt bestätigt, hat eine erneute Kandidatur angedeutet – für den Fall, dass kein aktueller Kandidat sie überzeugt. Die Einen werten das als Pflichtbewusstsein, andere sehen darin eine Drohung. Denn die Verwaltungsjuristin, die wie eine Lichtgestalt noch vor ihrer Amtseinführung quer durch alle Schichten gefeiert wurde, hat nicht überzeugt. Ihre Bilanz ist überschaubar. Freundlich gesagt.

Gestartet war Henriette Reker mit großen Plänen. Mit einer reformierten Verwaltung wollte sie Köln modernisieren. Das gelang ihr nicht, glaubt man dem städtischen Rechnungsprüfungsamt, das eine verheerende Bilanz der kostspieligen Reformanstrengung zog. Und nach Modernisierung sucht man z.B. im Umgang mit Ämtern und Institutionen weitgehend vergebens.

Bilanz der Reker-Jahre: Stückwerk ohne Vision und erkennbarer Handschrift

► Köln wird mitunter in einem Atemzug mit Berlin genannt, als sei es eine Stadt am Rande des Scheiterns. Die Bilanz, die sich mit den Reker-Jahren verknüpft, gibt so ein drastisches Urteil nicht her. Eine Auswahl: Allein in Neubau und Sanierung von Schulen flossen insgesamt 2,35 Milliarden Euro. Im Bau neuer Schulgebäude hatte die Stadt Erfolge mit der Beauftragung von Generalunternehmern, die pünktlich und im Kostenrahmen arbeiteten. Es entstanden Kita-Plätze in vierstelliger Höhe.

Das neue Messezentrum Confex ist ein Erfolg vom ersten Tag an. Für Wohnungsbau wurden 750 Hektar Fläche ausgewiesen, auf denen 50.000 Menschen leben können. 370 Hektar Gewerbegebiet sollen 2500 Kleinbetrieben Raum geben. Zinswende und Corona verhinderten jedoch eine schnelle Umsetzung. Weitere, häufig eher kleinteilige Erfolgserlebnisse kommen hinzu.

Aber das ist vor allem Stückwerk und kann der größten Stadt in Nordrhein-Westfalen nicht reichen. Nach wie vor ist eine Vision, wohin man mit Köln will, nicht erkennbar, ebenso fehlt es in der Arbeit der Oberbürgermeisterin an erkennbarer Handschrift. Die Verkehrsberuhigung geriet zum Desaster, da sie eher den Regeln eines Machtkampfes folgte als einem Gestaltungswillen. Unter grünem Vorzeichen wurden Brachen in die Stadt geschlagen, wie zum Beispiel die verhunzte Trankgasse zwischen Kölner Dom und Excelsior Hotel oder die Ehrenstraße, die zu überqueren für alte Menschen ein Risiko geworden ist, so schnell brettern die Kampfradler dort entlang.

„Köln könnte besser sein“

► Wäre nicht entlang der Ringe der Verkehrsraum beispielhaft und gestalterisch überzeugend aufgeteilt zwischen Auto- und Radfahrern sowie Fußgängern, müsste man an Köln verzweifeln. Aber dort wurde mit Zeit und Augenmaß konstruktiv gearbeitet. Dafür stehen Bürger wie Reinhold Goss, der aus seinem Amt als ehrenamtlicher Fahrradbürgermeister mehr als das Maximale herausgeholt hat – mit Geschäftsleuten und Stadtverwaltung. Es geht also doch etwas in dieser Stadt. Und das sogar ohne Durchgriffsrechte.

Die Kölner Bilanz liegt, wenn man sich umschaut, zwischen befriedigend und ausreichend. Das deckt sich mit der Einschätzung des in Köln ansässigen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), das ein in Fachkreisen viel beachtetes jährliches Städteranking auflegt. Köln hat sich hier im Vergleich zum Vorjahr verbessert und liegt im oberen Mittelfeld. „Aber kann dies das Ziel der viertgrößten deutschen Stadt sein?“, fragt Hanno Kempermann. Der Geschäftsführer des IW vermisst Ehrgeiz und Ambition. „Köln könnte besser sein“, urteilt er.

Köln: CDU und SPD noch ohne OB-Kandidaten – aus unterschiedlichen Gründen

Das gilt auch für die Qualität der Kandidatensuche für die Kölner OB-Wahl 2025 der Ratsparteien. Die CDU ist verstrickt in einen Auswahlprozess, der an ein stummes Ringen erinnert, bislang zu keinem vorzeigbaren Ergebnis geführt hat, dafür jedoch zu Gerüchten und Forderungen nach mehr Transparenz. In hoher Zahl tauchen neu eingetretene Mitglieder bei Nominierungsparteitagen auf, und arbeitet man sich aneinander ab. Wer will sich das antun? Nur wer Geschlossenheit bietet, kann mit guten Kräften rechnen. Wer Gegner schon in den eigenen Reihen vermuten muss, geht geschwächt in jeden Kampf mit dem politischen Widersacher.

Immerhin ist die Partei mit einem Führungsanspruch unterwegs. Und die SPD? Die einst stolzen Kölner Sozialdemokraten wollen nur nicht spektakulär unter die Räder kommen und suchen nach einer vorzeigbaren Kandidatur. Für diese Spielklasse stünde Norbert Walter-Borjans, NRW-Landesminister, bis vor kurzem noch SPD-Parteichef. Würde er nicht kurz nach der Wahl 74 Jahre alt. Torsten Burmester, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hingegen ist 61 Jahre alt und ein „Hochkaräter“, schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger. „Kein Kommentar“, sagt Burmester knapp, spricht man ihn auf eine mögliche Kandidatur an, während man aus dem im Hintergrund hört, wie Messer gewetzt werden. Die Steigerung von Feind ist immer noch der Parteifreund.

Schadet die rigide Klientelpolitik den Grünen auch bei der OB-Wahl Köln 2025?

Und schließlich die Grünen. Denen fehlt ein Kopf wie Jörg Frank, den sie ins Abseits schickten und der aus dieser Position dennoch in Köln mitspielt. Aber auf eigene Rechnung und mal konstruktiv, mal mit ausgefahrenen Ellenbogen. Zudem macht der Realitätsschock der Partei auch in Köln zu schaffen. Die Frage wird sein, zu welchem Wahlergebnis die rigide Klientelpolitik führt. Bundesgrüne sollen abgelehnt haben, als man Ihnen die Kölner Kandidatenfrage stellte. Die Kämmerin Dörte Diemert, nicht nur fachlich mit OB-Statur, hat abgewunken. Wie bereits Henriette Reker verfügt sie als Parteilose über keine politische Hausmacht. Aber der Fahrradbürgermeister zeigt, was Geduld und Geschick ausmachen.

► Und letztlich gibt es „geborene“ Kandidaten. Das sind die Parteivorsitzenden oder Fraktionschefs: Zum Beispiel der CDU-Vorsitzende Karl Alexander Mandl (CDU), Fraktionschef Christian Joisten (SPD) oder die grüne Fraktionschefin Christiane Martin. Wenn partout keiner will oder aber das Gedränge zu groß ist – die Vorsitzenden können beherzt dem Elend ein Ende bereiten. Sie treten selber an, denn sie haben das Zugriffsrecht. Aber das ist einfach nur im ersten Schritt. Denn wenn sie die Wahl vergeigen, ist Schluss mit lustig. Verlierer haben es schwer an der Spitze. Bei der Union bahnt sich offenbar genau das an – die Kölnische Rundschau sieht CDU-Chef Mandl kurz vor der Kandidatur.

OB in Köln: Die Zeit der Heilsbringer ist dahin

Was wartet auf die Gewinner? Viele Aufgaben. Henriette Reker formulierte einige selber. „Wenn wir die Mobilitätswende wirklich schaffen wollen, müssen wir den Menschen bessere Angebote machen. Das schaffen wir nur, wenn wir den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Köln leistungsfähiger und attraktiver machen“, sagte sie. Und ferner: „Mindestens genauso wichtig ist es, den öffentlichen Raum im Zentrum unserer Stadt einer europäischen Millionen-Metropole angemessen zu gestalten.“ Wohl wahr. Hinzu treten die notorischen Felder wie Förderung des Wohnungsbaus, Umwelt- und Klimaschutz sowie der Kampf gegen Kriminalität. Wer möchte sich das antun?

Was kommt? Die Zeit der Heilsbringer ist dahin. Das muss kein Fehler sein. Denn dann geht es in dieser Wahl um Themen, um Sachpolitik, die ein geschickter Manager der Macht vorantreibt. Oder eine Managerin. Jemand, der gestalten will. Köln kann mehr. Es muss nur wollen. (pp/IDCGN)

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