Oberhausen - Heimat der Kurzfilmtage, des Centros und Rot-Weiß Oberhausen. Die Stadt am Rande des Ruhrgebiets hat mehr zu bieten als nur Shopping.
Oberhausen - Die Ruhrgebietsstadt Oberhausen ist vielen - besonders in Nordrhein-Westfalen - für das große Einkaufszentrum Centro und das Wahrzeichen Gasometer bekannt und einem noch größeren Publikum für die Internationalen Kurzfilmtage. Als Ruhrgebietsstadt ist Oberhausen geprägt von einer langen Zechen-Historie - die Spuren der Stadtgeschichte führen aber bereits ins Mittelalter. Was muss man noch über die Großstadt wissen?
| Stadt | Oberhausen |
|---|---|
| Bevölkerung | 208.752 (31. Dez. 2021) |
| Vorwahl | 0208 |
Alles über Oberhausen: Ruhrgebiet, Gasometer, Centro und Internationale Kurzfilmtage
Das Centro Oberhausen ist das größte Einkaufs- und Freizeitzentrum in Europa - und heißt eigentlich seit 2021 Westfield Centro. Die riesige Shoppingmall liegt in der Neuen Mitte - der ehemalige industrielle Kern der Ruhrgebietsstadt. Das Centro hat eine Verkaufsfläche von 125.000 Quadratmetern mit 250 Läden und einem großen Gastronomie-Angebot - dem Food-Court.
Die Neue Mitte prägt das Bild, das viele Besucher von Oberhausen haben - in den 1990ern entwickelte man hier ein Konzept, wie man mit den nun verlassenen alten Industriekomplex weiter beleben könnte.
Oberhausen ist in drei Stadtbezirke (Sterkrade, Alt-Oberhausen und Osterfeld) geteilt, die insgesamt 26 Stadtteile umfassen. Nach Stand 31. Dezember 2021 hat die Stadt 208.752 Einwohner.
Das Wahrzeichen des Ruhrgebiets: Gasometer Oberhausen
Das Industrie-Denkmal Gasometer Oberhausen ist wohl eins der bekanntesten Wahrzeichen des Ruhrgebiets. 117 Meter hoch ist das Industrie-Wahrzeichen und schon seit 1988 stillgelegt. Zudem ist der Gasometer die höchste Ausstellungshalle Europas.
Gebaut von 1927 bis 1929 drohte dem Gasometer nach der Stilllegung der Abriss, stattdessen wurde es aber zu einem der historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland und 2021 noch einmal umfänglich saniert.
Weltweit berühmt: die Internationale Kurzfilmtage Oberhausen
Die Internationalen Kurzfilmtage ziehen Menschen aus der ganzen Welt nach Oberhausen. Sie sind nicht nur eins der größten, sondern auch das älteste Kurzfilmfestival weltweit. Gegründet wurden sie 1954 vom Leiter der Volkshochschule Oberhausen, Hilmar Hoffmann, mit dem Filmclub Oberhausen. Damals hießen sie noch „1. Westdeutsche Kulturfilmtage“.
Die Kurzfilmtage Oberhausen greifen immer ein bestimmtes Thema auf. 2023 ist es „Kunst, Animation, Gaming Against Gravity. The Art of Machinima“, 2022 war es „Synchronisieren! Pan-afrikanische Filmnetzwerke“. Es gibt mehrere Wettbewerbe: international, deutsch, nordrhein-westfälisch, der Kinder- und Jugendfilmwettbewerb und der Wettstreit um den deutschen MuVi-Preis.
Seit 1999 wird auf den Kurzfilmtagen der erste Festival-Musikvideopreis verliehen für das beste deutsche Musikvideo, der MuVi-Preis. Zu jedem Festival gibt es etwa 7000 Einreichungen aus circa 100 Ländern für die Wettbewerbe.
Die Leitung der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen im Überblick:
- Hilmar Hoffmann (1954-1970)
- Will Wehling (1971-1975)
- Wolfgang J. Ruf (1975-1985)
- Karola Gramann (1985-1990)
- Angela Haardt (1990-1997)
- Lars Hendrik Gass (seit 1997)
Sterkrader Fronleichnamskirmes in Oberhausen
Sechs Tage im Jahr herrscht absoluter Ausnahmezustand in den Straßen von Oberhausen-Sterkrade: die Sterkrader Fronleichnamskirmes ist ein riesiges Volksfest. Gefeiert wird ab dem Mittwoch vor Fronleichnam bis Montagnacht auf etwa 2,5 Kilometern Länger. Die Sterkrader Fronleichnamskirmes ist damit eine der größten Straßenkirmesse in Europa und wird jährlich von etwa einer Million Menschen besucht.
Zu den Attraktionen der Kirmes gehören natürlich zahlreiche Stände und Fahrgeschäfte, es gibt Autoscooter, Achterbahnen - darunter eine Familienachterbahn, eine Geisterbahn und einen Biergarten.
Die Geschichte von Oberhausen: Wiege der Industriekultur mit Wurzeln im Mittelalter
Oberhausen ist geprägt vom Ruhrgebiet, der vergangenen Industriekultur, Zechen, Stahl und Chemie. Doch die Wurzeln der Stadt reichen bis ins Mittelalter zurück, zumindest für einige Stadtteile: Sterkrade, Osterfeld, Holten, Lippern und Lirich sind im Mittelalter beurkundet.
Der wirklich Stadtkern Oberhausen stammt aus der Zeit der Industriellen Revolution. Die ehemals ländliche Region entwickelte sich durch den Abbau von Eisenerz und Kohle zur Stadt. Die Stadtregion war wegweisend für die Entwicklung des Ruhrgebiets, die Antoniehütte wird als Wiege der Ruhrindustrie bezeichnet. Das ehemalige Eisenwerk liegt im heutigen Stadtbezirk Osterfeld, es wurde bereits 1758 gegründet.
1862 gründete sich die Bürgermeisterei Oberhausen, benannt nach einem gleichnamigen Bahnhof an der Cöln-Mindener Eisenbahn. Oberhausen zählte mit den Stadtrechten 1874 zu einer Kreisstadt im Landkreis Mülheim an der Ruhr. Weitere Eingemeindungen führten zu der Stadtstruktur, die Oberhausen drei gewachsene Zentren gibt. Die Neue Mitte führte ab den 1990er zu einem vierten Zentrum.
Neue Mitte Oberhausen: Alte Industrie als Stadtentwicklungsprojekt
Die Neue Mitte Oberhausen beruht auf einem Stadtentwicklungsprojekt aus den 1990ern. Der alte industrielle Kern von Oberhausen sollte ein neues Leben bekommen und zu einem neuen Stadtzentrum werden. Die Neue Mitte hatte das Ziel, ein Einkaufs- und Freizeitziel zu werden und Touristen nach Oberhausen zu ziehen.
Die Neue Mitte sorgte so auch für Kritik - sowohl das Ruhrgebiet wie auch die nahegelegene Landeshauptstadt Düsseldorf werfen dem Projekt vor, die Innenstädte der Umgebung zu schädigen.
Mit dem Centro Oberhausen und dem Gasometer Oberhausen sorgt die Neue Mitte für einen hohen Besucherandrang.
Oberbürgermeisterin einer Großstadt: Luise Albertz aus Oberhausen war die erste Frau in dieser Position
Oberhausen war in Deutschland die erste Großstadt, die eine Oberbürgermeisterin hatte. Luise Albertz regierte im höchsten Amt der Stadt von 1946 bis 1948. Sie war eine bekannte SPD-Politikerin. Nach ihr ist die Luise-Albertz-Halle im Kongresszentrum in Oberhausen und ein Platz in der Neuen Mitte Oberhausen benannt.
Luise Albertz war die Tochter von Hermann Albertz, einem preußischen SPD-Landtagsabgeordneten. Ihr Vater wurde im Konzentrationslager Bergen-Belsen von den Nationalsozialisten ermordet. Die Nazis verhafteten ihn während der „Aktion Gitter“, bei der sie Politiker der Weimarer Parteien einsperrten.
Seit 2015 ist der CDU-Politiker Daniel Schrank Oberbürgermeister von Oberhausen.
Solarsiedlung in Oberhausen - nachhaltiger Hausbau im Ruhrgebiet
2007 bis 2009 entschied sich die Stadt Oberhausen gemeinsam mit dem Land NRW eine Solarsiedlung zu errichten. Oberhausen hat eine von 50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen. Der Schwerpunkt dieser Siedlung liegt in einer Zusammenführung von Solarenergie, Erdwärmenutzung und Nahwärmeversorgung mit Geothermiehäusern. Es sind 36 Häuser in einer Reihenhauszeile in Massivbauweise.
Rot-Weiß Oberhausen: Eine Fußballmannschaft mit treuen Fans
Die Fußballmannschaft von Rot-Weiß Oberhausen ist ein echter Traditionsverein. 1904 gegründet, umfasst Rot-Weiß Oberhausen aktuell eine Ausdauersportabteilung und eine Frauen-Futsal-Mannschaft.
Die Herrenmannschaft im Fußball von Rot-Weiß Oberhausen konnte bereits in die Fußball-Bundesliga und mehrere Male in die Zweite Liga aufsteigen. In der Saison 2023/24 spielt Rot-Weiß Oberhausen in der Regionalliga West.
Auf diese Erfolge blickt der Verein:
- Niederrheinmeister 1946, 1947
- Westdeutscher Pokalsieger 1950
- Meister Regionalliga West 1969
- Bundesliga-Aufstieg 1969
- Aufstieg in die 2. Bundesliga 1979, 1983, 1998, 2008
- Meister Oberliga Nordrhein 1979, 1983, 1995, 2007
- Meister Regionalliga West/Südwest 1998
- Herbstmeister 2. Liga 2003
- Aufstieg in die Regionalliga Nord 2007
- Vizemeister Regionalliga Nord 2008
- Niederrheinpokalsieger 1996, 1998 und 2018
- DFB-Pokal Halbfinale 1999
Schloss Oberhausen: Klassizistische Schlossanlage in Alt-Oberhausen-Mitte
Das Schloss Oberhausen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die klassizistische Schlossanlage lässt sich bereits ins Hochmittelalter zurückverfolgen. Der aktuell noch sichtbare Bau stammt aus den Jahren 1804 bis 1818, wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Schloss war im Mittelalter ein Rittersitz, wurde dann das Anwesen einer der Vögte von Essen und Werden.
Die Schlossanlage mit dem Kaisergarten ist ein Punkt auf der Route der Industriekultur. Der Park ist der älteste auf dem Stadtgebiet von Oberhausen. Im Park stehen Platanen, die zu den Naturdenkmalen gehören. Benannt wurde der Kaisergarten zu Ehren von Kaiser Wilhelm I.
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