VonOliver Schmitzschließen
Zuletzt wurde wieder einige Kritik am Outlet Remscheid laut. Doch trotz vieler Unklarheiten blicken die Nachbarstädte grundlegend positiv auf das Center.
Remscheid – Bereits seit Jahren gibt es Pläne für ein Outlet in Remscheid-Lennep. Nachdem die ursprüngliche Idee von McArthurGlen auch an massiver Gegenwehr aus der Umgebung gescheitert ist, gibt es seit Frühjahr 2023 einen neuen Anlauf. Der Investor Philipp Dommermuth will nun an selber Stelle ein grünes und besonders „nachhaltiges“ Outlet-Center bauen. Im Gegensatz zur Vergangenheit sorgte das bisher für deutlich mehr Zustimmung in der Bevölkerung.
Komplette Begeisterung herrscht aber nicht überall. Die naheliegende Stadt Halver hatte zuletzt Bedenken am Outlet Remscheid geäußert. Man sorge sich, dass das Einkaufscenter dem eigenen Einzelhandel erheblich schaden könnte und auch der Verkehr rapide zunehmen würde, hieß es aus dem dortigen Rathaus. Doch wie sehen das andere Nachbarstädte?
„Chance für die Region“: Stadt Wuppertal über Outlet in Remscheid
Einer der größten Gegner eines Outlets in Remscheid-Lennep war lange Zeit Wuppertal. Die größte Stadt im bergischen Land hatte sogar gegen das damalige Projekt von McArthurGlen geklagt. Doch bei den neuen Plänen ist eine solche Gegenwehr nicht mehr geplant – ganz im Gegenteil. Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind hatte sich bereits kurz nach der Ankündigung des neuen Center-Vorhabens sehr positiv dazu geäußert. Diese Haltung bestätigte nun auch die Stadtverwaltung nochmal: „Das aktuelle Projekt wird hier – bei allen Unwägbarkeiten, die zurzeit ja noch bestehen – als Chance für die Region betrachtet, zu der sich die drei bergischen Oberbürgermeister fortlaufend im Austausch befinden“, sagte eine Sprecherin der Stadt Wuppertal auf Anfrage.
Diese nun positive Einstellung gegenüber dem Outlet Remscheid liege demnach auch an der nun recht engen Zusammenarbeit der beiden bergischen Großstädte. Jedoch wies man in Wuppertal darauf hin, dass die Stadt Remscheid derzeit ein Gutachten zu den Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel der Nachbarn nach gemeinsam abgestimmten Standards beauftragt habe. „Dieses Gutachten wird weitere Aufschlüsse geben und natürlich auch der politischen Abstimmung bedürfen“, so die Sprecherin. Je nach Ergebnis könnte das Center in Lennep also auch in Wuppertal nochmal für Diskussionen sorgen.
Outlet Remscheid: Für Wermelskirchen gibt es noch zwei offene Fragen
Im naheliegenden Wermelskirchen ist die Grundeinstellung gegenüber dem Outlet Remscheid ähnlich wie in Wuppertal. „Die Stadt Wermelskirchen steht Entwicklungsvorhaben in der Nachbarschaft grundsätzlich positiv und konstruktiv gegenüber. Oberbürgermeister Mast-Weisz hat auch dankenswerterweise den direkten Kontakt zu unserer Politik gesucht, dort für sein Vorhaben geworben und sich den Fragen des Ausschusses gestellt“, teilen Bürgermeisterin Marion Lück und der Amtsleiter für Stadtentwicklung, Florian Leßke, gemeinsam gegenüber wa.de mit.
Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem geplanten Center ist südlich von Remscheid aber trotzdem noch vorhanden. „Für Wermelskirchen werden voraussichtlich zwei Aspekte von besonderer Bedeutung sein: die verkehrlichen Auswirkungen und die Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel. Wir haben in der Ausschusssitzung bereits klargemacht, dass diese Aspekte im Rahmen der formellen Beteiligungen des Bebauungsplanverfahrens genau geprüft werden“, so die beiden Stadtvertreter aus Wermelskirchen. Da aber zu beiden Themen derzeit noch keine Untersuchungsergebnisse vorliegen, könne man sich derzeit noch nicht konkreter zum Outlet äußern. Also auch in Wermelskirchen spielen mögliche Auswirkungen auf Einzelhandel eine wichtige Rolle.
Wipperfürth über mögliche Folgen des Outlets – Hückeswagen sieht Chance
Etwas deutlicher bezüglich mögliche Folgen des Outlets in Remscheid-Lennep wird man derweil in Wipperfürth. „Ganz allgemein ist dies natürlich ein Projekt mit Strahlkraft und in einer Entfernung, die auch die Bürgerschaft des gesamten Nordkreises anspricht. Es ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch potenzielle Kaufkraft aus Wipperfürth nach Lennep abwandert“, sagt Citymanager Lars Schreckegast zu wa.de. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die entsprechenden Geschäfte im Center dafür in direkter Konkurrenz zum Wipperfürther Einzelhandel stehen müssten. Eine Frage, die derzeit in der Tat noch offen ist.
So oder so zeigt sich Schreckegast doch zuversichtlich, was die tatsächlichen Folgen für die Händler in Wipperfürth angeht. „Der Wipperfürther Einzelhandel ist bis auf ein paar Ausnahmen recht individuell aufgestellt und hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er mit Widrigkeiten kreativ umgehen und Lösungen finden kann“, so der Citymanager. Er ist auch der Meinung, dass man grundsätzlich die positiven Aspekte in den Vordergrund stellen solle. Denn durch das Outlet würden demnach grundsätzlich mehr Besucher ins Bergische Land kommen, wovon auch Wipperfürth profitieren könne.
Sehr ähnlich blickt auch die Stadt Hückeswagen auf das geplante Outlet in Remscheid-Lennep. „Das Outlet-Center in Lennep bietet die große Chance, Menschen aus einem größeren Einzugsgebiet in unsere Region zu holen. [...] Mit unserer historischen Altstadt, dem vielfältigen inhabergeführten Einzelhandel und den vielen Möglichkeiten für Erholung in unserer schönen bergischen Natur können wir da punkten“, sagt der Bürgermeister Dietmar Persian gegenüber wa.de. Ebenfalls mit dem Hinweis, dass Auswirkungen auf den Einzelhandel auch in Hückeswagen „nicht auszuschließen“ seien. Diese könnten laut dem parteilosen Politiker aber sowohl negativ als auch positiv sein.
In den meisten Städten im Bergischen Land versucht man derzeit also noch die positiven Aspekte des Outlets Remscheid hervorzuheben. Doch erst mit den Ergebnissen der Gutachten zu Auswirkungen auf Einzelhandel und Verkehr dürften einige offene Fragen beantwortet werden. (os)
Rubriklistenbild: © Graf Architektur GmbH



