VonMaximilian Gangschließen
Ein Hochhaus in Duisburg wird nicht mehr mit Paketen beliefert. DHL berichtet von bedrohlichen Situationen, in die Mitarbeiter geraten waren.
Duisburg – Knapp eine halbe Stunde müssen die Bewohner des „Weißen Riesen“ laufen, um ihre Pakete aus der Postfiliale abzuholen. Doch eine andere Möglichkeit bleibt ihnen derzeit nicht: Bereits seit Wochen weigert sich die Deutsche Post, ihre Mitarbeiter zu dem Hochhaus an der Ottostraße in Duisburg-Hochheide zu schicken. „Eine ordnungsgemäße Zustellung von Paketsendungen ist unseren Kräften unter dieser Anschrift derzeit nicht zumutbar“, erklärt Britta Töllner, Sprecherin der DHL Group, auf Nachfrage von wa.de. Einige Zusteller fühlen sich an dem Problem-Hochhaus in NRW nicht sicher.
Zusteller bedroht: Deutsche Post mit Lieferstopp für Duisburger Problem-Hochhaus
Aus Sicht der DHL Group war der Zustellstopp für den „Weißen Riesen“ alternativlos, wie Töllner sagt: „Als Unternehmen kommen wir unserer Fürsorgepflicht nach, um die Sicherheit unserer Beschäftigten zu gewährleisten. Daher haben wir uns zu diesem Schritt entschieden.“ Wiederholt seien ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „herausfordernden bis hin zu bedrohlichen Zustellsituationen“ ausgesetzt gewesen. Ende April zog der Arbeitgeber deshalb die Reißleine. Paketsendungen stehen derzeit nur zur Abholung in der Postfiliale am Bismarckplatz 14 im Duisburger Stadtteil Homberg bereit.
„Die Briefzustellung findet nach wie vor statt, sofern eine einwandfreie Zuordnung einem intakten Empfängerbriefkasten möglich ist“, so die Sprecherin der DHL Group. Der Nachsatz ist durchaus nachvollziehbar, denn: Teilweise ist es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht so einfach, den Brief auch an den korrekten Empfänger im „Weißen Riesen“ zu übergeben. Einige Klingeln, Briefkästen oder Wohnungstüren seien unzureichend oder gar nicht beschriftet, erläutert Töllner. Auch in Gelsenkirchen sorgen Problem-Immobilien regelmäßig für Probleme.
Polizei über Problem-Hochhaus: „Zustand der Unordnung“ statt „Angstraum“
Je nach Antwortgeber gehen die Erfahrungen mit dem Wohnpark im Duisburger Westen allerdings auseinander. „Aus polizeilicher Sicht sprechen wir hier nicht über ein Sicherheitsproblem. Das geben die Zahlen nicht her“, sagt Julia Tekock, Sprecherin der Polizei Duisburg, auf Nachfrage von wa.de. Im vergangenen halben Jahr seien drei Strafanzeigen mit Bezügen zur Deutschen Post und dem Hochhaus erstattet worden. In einem Fall sei ein Paket aus einem Zustellfahrzeug entwendet worden, in einem weiteren ein Brief aus einem Briefkasten. Im dritten Fall hatte sich der Vorwurf schnell in Luft aufgelöst.
„Unsere Statistiken beziehen sich aber natürlich nur auf angezeigte Straftaten, dem Hellfeld. Eine Dunkelziffer ist daher nicht auszuschließen“, so die Polizeisprecherin. Bei den aktenkundigen Delikten handele es sich eher um „einfache Kriminalität“. Diesen Punkt führt Tekock weiter aus: „Natürlich ist jede Straftat eine zu viel, keine Frage. Hier sprechen wir allerdings von Straftaten mit einer niedrigschwelligen Strafzumessung. Es handelt sich aus unserer Sicht eher um einen Zustand der Unordnung, nicht um einen Angstraum.“ Man stehe bezüglich der Situation mit der Post und der Stadt im Kontakt.
Ordnungsamt war 2024 bereits über 100 Mal am „Weißen Riesen“
Die geschilderte „Unordnung“ spiegelt sich auch in den Angaben der Stadtverwaltung wider. Das Ordnungsamt rückte in diesem Jahr bisher allein 19 Mal wegen „wilder“ Müllkippen zu den Mietshäusern an der Ottostraße 56 bis 64 aus, wie Stadtsprecher Christoph Witte gegenüber wa.de erklärt. Das illegale Entsorgen von Abfall ist in zahlreichen Ortschaften in NRW ein Problem. Hinzu kommen vier Einsätze wegen gemeldeter Ruhestörungen und zahlreiche eigenständige Kontrollen ohne konkreten Anlass. Allein seit Jahresbeginn waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür bislang ganze 83 Mal vor Ort.
„Klar ist: Auch zukünftig wird das Bürger- und Ordnungsamt regelmäßig kontrollieren, um unter anderem die Entstehung von wilden Müllkippen und das unerlaubte Abstellen von Fahrzeugen im näheren Umfeld zu verhindern“, stellt Witte klar. Man werde Hinweisen der Bürgerinnen und Bürger konsequent nachgehen. Städtische Mitarbeiter des kommunalen Integrationsdienstes seien eng in die Maßnahmen eingebunden. Auch die Polizeisprecherin erklärt, dass die zuständige Polizeiwache Ruhrort das Gebiet weiterhin verstärkt im Blick haben werde.
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