Neue Mitte Köln

Kölner Hauptbahnhof macht Platz für Grün und soll nach Kalk – „ein gigantisches Projekt“ 

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So stellen sich die Macher die Neue Mitte Köln vor: Wo heute Schienen sind verläuft ein grünes Band bis zum umfunktionierten Hauptbahnhof.
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Die Vision des Vereins Neue Mitte Köln um den Architekten Paul Böhm ist spektakulär: Der Hauptbahnhof zieht auf die Schäl Sick und gibt dafür in der Innenstadt ein grünes Band frei. Warum man sich mit diesen unwirklich klingenden Plänen dennoch beschäftigen sollte, beschreibt unser Gastautor Peter Pauls.

Köln – Der Plan, den Kölner Hauptbahnhof ins Rechtsrheinische zu verlegen, klingt so unwirklich wie Sphärenmusik. Die 16 Gleise, die die Innenstadt zerschneiden, seien eine Fessel für das linksrheinische, historische Köln und auch für die Deutsche Bahn, argumentieren Befürworter der kühnen Idee. Fielen sie weg, könne man die Stadt völlig neu denken: Ein neues Köln würde entstehen. Aber kann das hier überhaupt funktionieren, wo uns bereits eine Opernsanierung an die Grenzen unserer Möglichkeiten bringt? Das wenden Skeptiker ein. Sollen die Unzulänglichkeiten der Gegenwart etwa den Maßstab für künftige Entwicklungen setzen, müssen sie sich daraufhin fragen lassen. Die schleppende Entwicklung der Oper könne die Bewohner dieser Stadt doch nicht ihrer Zukunftspläne berauben. Wo endet der Fortschritt und wo beginnt der Wagemut?

Fotos zeigen, wie eine revolutionäre Idee Köln komplett verändern könnte

Ein Entwurf des Hauptbahnhofs in Köln-Kalk. Der komplette Fernverkehr soll dann dort fahren. Dafür soll der Hauptbahnhof in Kalk mehrere Gleise bekommen.
Der Grundgedanke der „Neuen Mitte Köln“: Der Hauptbahnhof Köln wird von der Innenstadt nach Kalk verlegt und macht so Platz für neue Konzepte. Das Bild zeigt, wie ein Hauptbahnhof in Kalk aussehen könnte. © Neue Mitte Köln
Der Entwurf des Hauptbahnhofs in Kalk zeigt, dass es eine Verbesserung für den Fernverkehr geben könnte.
Von einer Verlegung des Hauptbahnhofs nach Kalk (hier im Bild) würde der Fernverkehr der Deutschen Bahn sehr profitieren, so die Planer. Denn ICEs müssten sich nicht mehr durch das Nadelöhr Hohenzollernbrücke quälen. © Neue Mitte Köln
Ein Entwurf der Neuen Mitte Köln zeigt, wie die Innenstadt entzerrt werden könnte.
Aber auch auf die Innenstadt würde sich das Konzept auswirken: Denn der Verkehr würde entzerrt werden. Die möglichen Auswirkungen: bessere Aufenthaltsqualität in der Stadt und mehr Platz für alle Kölner. © Neue Mitte Köln
Ein Entwurf, wie die Kölner Innenstadt laut Konzept Neue Mitte Köln aussehen könnte.
Die freigewordene Fläche soll nämlich nicht für Infrastruktur, sondern für Lebensqualität genutzt werden: Entstehen sollen unter anderem Parks und Grünflächen, die zum Joggen oder Flanieren einladen. © Neue Mitte Köln
Beim Konzept „Neue Mitte Köln“ wird die Hohenzollernpark zur grünen Oase.
Vor allem die Hohenzollernbrücke (hier im Bild) könnte so in einem komplett neuen Design erstrahlen. Vorbild ist die sogenannte „Highline“ in New York.  © Neue Mitte Köln
Die Schienen am Hansaring wurden in dem Entwurf beseitigt. Stattdessen soll ein großer Park bis zum Kölner Dom entstehen.
„Wir schaffen Platz für eine neue lebendige Mitte, die das Linksrheinische und Rechtsrheinische vereint“, so das Konzept zur Neuen Mitte Köln. Das Bild zeigt, wie der Hansaring ein komplett neues Aussehen bekommen könnte. © Neue Mitte in Köln.

Neue Mitte Köln: Hauptbahnhof wandert auf die andere Rhein-Seite

Wie man es auch dreht und wendet - der Plan, eine ganze Stadt neu aufzuteilen, ist ein gigantisches Projekt. Geht er auf, gewinnt das linksrheinische Köln an Fläche und Lebensqualität, so wie es in New York geschah, das eine innerstädtische Hochbahn-Trasse in einen grünen Damm umwandelte. Wo früher Fabriken und Fleischereibetriebe waren, entstanden nun Museen, Einkaufsstraßen und neue Wohnanlagen. Auch auf den Visualisierungen der Umzugsbefürworter entstehen in Köln neue grüne Zonen. Der Raum, wo einst der Hauptbahnhof war, gewinnt eine völlig neue Bedeutung - vielleicht als Mischung aus Markthalle und Kommunikationszentrum. Jeder von uns kennt so etwas aus anderen europäischen Städten.

Aber was liegt zwischen der Vision und unserer Wirklichkeit? Tatsache ist, dass sich das rechtsrheinische Köln derzeit völlig neu aufbaut. Entlang der Deutz-Mülheimer-Straße entsteht durch den Wegfall der gewaltigen Industrie-Areale etwas Neues. Es wird höchste Zeit, dass man sich dieses Themas annimmt, denn die Veränderung ist programmiert - ob nun geplant oder nicht. Dann überlässt man dem Zufall oder dem Gestaltungswillen möglicher Investoren den Raum.

Neue Mitte Köln Architekt Paul Böhm: „Eine Stadt muss über einen langen Zeitraum planen“

Der Weg zum neuen Köln der Umzugsbefürworter wird mühsam sein - 20 oder 30 Jahre könnte es dauern. „Natürlich muss eine Stadt auch über einen so langen Zeitraum planen,“ sagen Befürworter wie Paul Böhm. Der Architekt und Stadtplaner hat sich ganz diesem Projekt verschrieben. Hinter der Idee stehe die grundsätzliche Frage, wohin Köln sich entwickeln wolle. Hat es die Kraft, den Verkehr und die Aufteilung der Stadt von Grund auf zu erneuern? Diese haben sich abhängig von Bahnlinien und Autostraßen entwickelt. Oder will man im bestehenden Gefüge weitermachen wie bisher?

Redaktionshinsweis: Dieser Text wurde erstmals am 6. Oktober 2021 veröffentlicht.

Paul Böhm und Paul Bauwens-Adenauer

  • Paul Böhm ist Architekt und Architektur-Professor an der TH in Köln. Zu seinen bekanntesten Bauten zählt die Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld.
  • Paul Bauwens-Adenauer ist ebenfalls Architekt und Bauunternehmer in Köln. Er bemängelt das Erscheinungsbild der Stadt massiv, dabei habe Köln enorme Chancen, so Paul Bauwens-Adenauer.

Unser Gastautor Peter Pauls

Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub.

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