VonFlorian Hesseschließen
Nimmt die Energiewende den Bauern die Flächen für die Nahrungsproduktion weg? Darüber diskutierten jetzt Arbeitskreis und Planungsausschuss.
Halver – „Der Druck auf die Flächen steigt.“ Auf diese einfache Formel brachte es am Dienstag im Kulturbahnhof Christoph Berbecker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Halver. Planungsausschuss und Arbeitskreis Energie und Umwelt waren dort zur Sondersitzung zusammengekommen. Einziges Thema: die Möglichkeiten für Freiflächen-Photovoltaik in Halver.
Gleich mehrere Fachleute waren in das Doppelgremium zugeladen. Die fassten sich kurz. Bei der Gevelsberger AVU, unter anderem Wasserversorger für rund 150 000 Menschen über die Ennepetalsperre, bestünden gegen eine solche Anlage keine grundsätzlichen Bedenken, signalisierte Derk Buchsteiner, Leiter Wassererzeugung des Unternehmens. Und auch in forstwirtschaftlicher Hinsicht herrscht Klarheit. Im Wald und auch auf Kahlflächen nach der Borkenkäfer-Kalamität seien derartige Anlagen schlicht nicht zulässig, stellte Joshua Wendschek vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland fest.
Über die rechtlichen Grundlagen von Photovoltaik auf Freiflächen sprach Stefan Meurer von der Mark-E, der auf verschiedene Unwägbarkeiten hinwies und auf den Landesentwicklungsplan, der sich zurzeit in Überarbeitung befinde. Denn eine der zentralen Fragen ist, ab welchen Größenordnungen eine Raumbedeutsamkeit festzustellen ist, was Auswirkungen auf das Genehmigungsverfahren hätte. Nach jetzigem Stand könnten Freiflächen-Photovoltaik unter zehn Hektar unter dieser Schwelle liegen, so seine Einschätzung. Auch weitere Kriterien seien zu berücksichtigen. Die für Halver angedachte Anlage bei Edelkirchen war ins Gespräch gekommen mit unter zehn Hektar bei Edelkichen, zurzeit Fläche für die Landwirtschaft.
Genau darin aber liegt aus Sicht Berbeckers das zentrale Problem. Was an Flächen der Photovoltaik zugeschlagen werde, sei für die Landwirtschaft unwiederbringlich verloren. Und wirtschaftlich in Konkurrenz zu treten mit Solar-Pächtern sei illusorisch. Die Pacht, die ein Solarbetreiber zahle, sei für Landwirte auf der gleichen Fläche nicht zu erwirtschaften.
Klar war nach knapp zwei Stunden intensiven Austauschs jedenfalls, dass dieses Dilemma kaum aufzulösen sein dürfte. Für eine Wende hin zu regenerativen Energien sollten 0,5 Prozent landwirtschaftlicher Flächen für die Solarnutzung eingebracht werden. Für Halver könnten das etwa 30 Hektar bedeuten, so die überschlägige Rechnung. An welche Flächen man herangehen könnte, dabei sollte die Landwirtschaft mitreden und von sich aus zu Vorschlägen kommen, wo etwas an Grünland oder Brachflächen verzichtbar sei, schlug Bürgermeister Michael Brosch vor.
Allerdings spielen dabei auch technische Schwierigkeiten eine Rolle, wurde im Verlauf der Diskussion deutlich. Denn der Strom vom Acker muss auf irgendeine Weise auch ins Netz kommen. Das dürfte bei der Freiflächen-PV schwierig werden, wenn sie zu weit vom nächsten Umspannwerk entfernt liegt, und stellt möglicherweise auch innerstädtisch ein Problem dar, weil die Netzkapazität vielerorts nicht ausreichen dürfte, wenn große Dachflächen zusätzlich Strom einspeisen, der nicht direkt im Gebäude verbraucht wird.
Wo was und wann gebaut werden kann, bleibt am Ende Frage der politischen Entscheidungen. Die braucht es, um überhaupt über einen Bebauungsplan Baurecht zu schaffen. Für die Verwaltung dürfte es nun darum gehen, in Abstimmung mit der Politik einen Kriterienkatalog zu entwickeln – den man nicht zu eng fassen sollte, wie Martin Kastner (SPD) warnte. Auf ein Verhinderungsszenario wie bei der Windkraft dürfe dies nicht hinauslaufen.
